BAD LIEBENZELL. Wie kann Missionsarbeit künftig aussehen? – Mit dieser Frage beschäftigten sich 80 Führungskräfte und Missionsexperten der Liebenzeller Mission aus 15 Ländern bei der Online-Konferenz „Mission for Future“.
Die Teilnehmer beschäftigten sich dabei unter anderem mit Trends in der weltweiten Mission, den Rollen, Bedürfnissen und Erwartungen der „Generation Z“ – also der zwischen 1995 und 2012 geborenen Jugendlichen und jungen Menschen – sowie dem Verhältnis von digitaler Welt und Mission.
Die Generation Z stellt sich vor allem die Fragen „Wer bin ich?“, „Wo gehöre ich hin?“ und „Was kann ich bewirken?“. Darauf wies die Theologin Evi Rodemann, Vorsitzende der „Koalition für Evangelisation in Deutschland“, hin. „Bei der Mobilisierung geht es außerdem nicht nur darum, Menschen dazu zu bewegen, loszuziehen. Mobilisierung beginnt mit Jüngerschaft.“ Dafür benötige man alle Generationen in der Mission.
Die digitale Mission wird ausgebaut
Die Liebenzeller Mission nutzt die Möglichkeiten digitaler Medien verstärkt, um das Evangelium weiterzugeben. So hat man in Malawi, wo die Nutzung sozialer Medien rasant wächst, gemeinsam mit einheimischen Partnern eine „Yao Story App“ entwickelt. Mit Filmausschnitten und Straßeninterviews wendet man sich an einen muslimischen Stamm und spricht ihn über kulturell relevante Themen an. Dabei werden biblische Einsichten und Empfehlungen weitergegeben.
„Es gilt, christliche Inhalte dort zu platzieren, wo sich die Menschen bereits aufhalten. Dabei helfen digitale Formate sehr.“ Das sagte Hermann Stamm, der den Arbeitsbereich Digitale Mission weiterentwickelt. Zudem möchte man Mitarbeiter und Freiwillige in verschiedenen Missionsländern dazu befähigen, digitale Werkzeuge effektiv und kontextgerecht einzusetzen.
Polyzentrische Mission gewinnt an Bedeutung
Eine wichtige Rolle auf der Konferenz spielte die wachsende Bedeutung der polyzentrischen Mission. Dahinter steht die Überzeugung, dass christliche Mission heute nicht mehr vor allem vom Westen in andere Teile der Welt geschieht, sondern „von überall nach überall“. Christinnen und Christen aus allen Kontinenten beteiligen sich gleichermaßen an der weltweiten Ausbreitung des Evangeliums und senden selbst Missionare aus.
Vor diesem Hintergrund wurde darüber nachgedacht, wie Gemeinden in Deutschland darauf vorbereitet werden können, verstärkt Missionarinnen und Missionare aus Afrika, Asien oder Lateinamerika aufzunehmen. Der ehemalige Missionsdirektor Martin Auch berichtete von positiven Erfahrungen mit einem ugandischen Studenten, der in Deutschland für einen missionarischen Dienst in Deutschland ausgebildet wurde.
Gemeinschaftspastor Matthias Lüdemann (Heidenheim) ergänzte, dass die Aufnahme afrikanischer christlicher Gastarbeiter auch für seine Gemeinde eine Bereicherung gewesen sei. Die Begegnungen hätten neue Perspektiven eröffnet und den Blick für die weltweite Gemeinde Jesu geweitet.
Missionswerke müssen sich Transformationsprozessen stellen
„Die Konferenz war ein absoluter Höhepunkt. Den klassischen Missionswerken bläst aktuell ein ‚Wind of Change‘ entgegen, weshalb wir gemeinsam mit unseren weltweiten Partnern nach neuen Wegen gesucht haben“, sagte Missionsleiter Dave Jarsetz. Es gilt, was der anglikanische Bischof John V. Taylor einmal sagte: „Mission heißt herauszufinden, was Gott bereits tut, und sich daran zu beteiligen.“
Das Missionswerk müsse sich den notwendigen Transformationsprozessen stellen, „auch wenn sie uns derzeit stark herausfordern – manchmal sogar überfordern.“ Dabei bleibt die eigentliche Aufgabe unverändert: Menschen mit dem Evangelium zu erreichen und Gottes Mission in einer sich wandelnden Welt neu und relevant mitzugestalten: „Die Zukunft wird maßgeblich von Anpassungsflexibilität, Veränderungsbereitschaft und Experimentierfreude abhängen – und natürlich vom Segen Gottes.“
