Wie geht es den Finanzen der Liebenzeller Mission?
Liebe Missionsfreunde,
diese Frage wurde uns in den letzten Wochen sehr häufig gestellt. Eine kurze Antwort darauf zu geben, fällt uns schwer, weil die Situation in mancher Hinsicht komplex ist. Deshalb haben wir uns entschieden, euch – unseren Unterstützerinnen und Unterstützern – die Lage so transparent und differenziert wie möglich darzustellen und
zu erläutern.
1. Im vergangenen Jahr haben wir insgesamt 14,7 Mio. € an Spenden und Vermächtnissen erhalten. Die Güte Gottes und die Großzügigkeit unserer Spenderinnen und Spender, die sich darin Jahr für Jahr zeigen, beeindrucken uns immer wieder und erfüllen uns mit großer Dankbarkeit.
2. Dem gegenüber standen im Jahr 2025 Ausgaben und Aufwendungen in Höhe von 16,1 Mio. €. Hinzu kommt, dass in den eingegangenen Spenden und Vermächtnissen 415.000 € für die geplante christliche Lehrerausbildung enthalten sind. Diese Mittel sind zweckgebunden und dürfen nicht für den laufenden Haushalt verwendet werden. Tatsächlich stehen zur Deckung der laufenden Ausgaben daher nur 14,3 Mio. € zur Verfügung. Daraus ergibt sich eine Deckungslücke von 1,8 Mio. €. Auch wenn diese Lücke für uns eine große Herausforderung darstellt, können wir sie dank vorhandener Rücklagen ausgleichen.
3. Bei genauerer Betrachtung des Spendenergebnisses macht uns jedoch ein weiterer Punkt nachdenklich: Die Spenden für den laufenden Haushalt (ohne Vermächtnisse und ohne die zweckgebundenen Mittel für die Lehrerausbildung) sind nun bereits im zweiten Jahr in Folge rückläufig. Sollte sich diese Entwicklung fortsetzen, ohne dass wir unsere Ausgaben entsprechend anpassen, würde sich die Situation weiter verschärfen. In wenigen Jahren wären die notwendigen Rücklagen aufgebraucht.
4. Zum Gesamtbild gehört aber auch eine ermutigende Nachricht: Gegen Ende des vergangenen Jahres wurde uns mitgeteilt, dass wir in den kommenden zwei Jahren mit einem großen Vermächtnis rechnen dürfen. Das ist für uns in dieser Situation eine große Ermutigung.
Damit ergibt sich ein vielschichtiges Bild: Wir sehen sinkende Spenden für den laufenden Haushalt, gleichzeitig einen beeindruckenden Zuspruch für die geplante Lehrerausbildung, steigende Ausgaben – insbesondere im Personalbereich, eine erhebliche Deckungslücke in den Haushalten 2025 und 2026 und zugleich die Aussicht auf ein großes Vermächtnis. Wie lassen sich diese verschiedenen Puzzleteile zusammenfügen? Wie ist diese Entwicklung zu deuten? Und was könnte darin Gottes Weg für uns sein?
Nach intensiven Beratungen in den verantwortlichen Gremien der Liebenzeller Mission haben wir uns einmütig für folgende Einschätzung und den daraus resultierenden Weg entschieden:
a) In all den genannten Entwicklungen erkennen wir Zeichen der Treue Gottes, der uns versorgt und nicht vergisst.
b) Die rückläufigen Spenden zeigen uns zugleich, dass wir alle Bereiche unserer Arbeit sorgfältig prüfen und konsolidieren müssen. Als Liebenzeller Mission werden wir künftig nicht mehr alles in dem Umfang weiterführen können, was in den vergangenen Jahren aufgebaut wurde.
c) Das angekündigte Vermächtnis verstehen wir als gnädige Hilfe Gottes. Es ermöglicht uns, notwendige Anpassungen nicht kurzfristig durch Entlassungen oder die sofortige Beendigung größerer Arbeitszweige umsetzen zu müssen. Stattdessen gibt es uns einen Zeitraum von etwa drei Jahren, um unsere Arbeit verantwortungs- und sinnvoll zu begrenzen.
d) In den Spenden und Spendenzusagen für die Lehrerausbildung – derzeit 1 Million Euro – sowie im großen Zuspruch für dieses Projekt sehen wir ein deutliches Ja zu diesem Weg. Deshalb möchten wir ihn mit Zuversicht weitergehen, auch durch die bauliche Erweiterung der Lehrräume.
Alle beschriebenen Schritte gehen wir in großer Einmütigkeit, mit fester Zuversicht und mit Glaubens:Mut.
Uns ist bewusst, dass diese Erklärung lang geworden ist. Aber uns war es wichtig, euch die komplexe Situation offen darzulegen. Wir hoffen, dass ihr unsere Gedanken und Überlegungen nachvollziehen könnt und uns auch weiterhin treu mit euren Gebeten und Gaben begleitet.
Eure
Missionsleitung
im Verbund mit den Gremien der Liebenzeller Mission
16.4.2026















