Die Liebenzeller Mission trauert um einen großen Anthropologen, Missionswissenschaftler und Wegbegleiter
Zum Tode von Dr. Sherwood Lingenfelter (1941–2026)
Es gibt Wegbegleiter, die für eine ganze Organisationen zu einer orientierenden Persönlichkeit werden. Ein solcher Wegbegleiter war der Kulturanthropologe und Missionstheologe Sherwood Lingenfelter für die Liebenzeller Mission.
Lingenfelter studierte am Wheaton College (Illinois) und promovierte er an der University of Pittsburg (Pennsylvania)mit einer anthropologischen Dissertationüber politische Führung und kulturellen Wandel auf der mikronesischen Südseeinsel Yap, die auch zu den Arbeitsfeldern der Liebenzeller Mission gehörte.
Nach einer Reihe von akademischen Positionen an verschiedenen Universitäten war er ab 1983 zunächst Professor für Intercultural Studies und später Provost (Prorektor für die akademischen Programme) und Vizepräsident der Biola University in La Mirada bei Los Angeles. Ab 1999 war er dann zunächst Dekan der School of World Mission, dann von 2002 bis 2011 Provost und bis 2013 Professor für Anthropologie am Fuller Theological Seminary in Pasadena.
Seine anthropologischen Studien führten ihn zunächst als Forscher und später als Forschungs- und Ausbildungsberater auf Forschungsfelder rund um den Globus. Auch die Liebenzeller Mission und ihre Missionare schätzten seine Expertise und seinen Rat.Seine anthropologischen Bücher für Missionare gehören zu den Standardwerken der Missionswissenschaft des 20. Jahrhunderts.Im Auftrag der Liebenzeller Mission hat in den 80-iger Jahren eine Evaluierung des MIBS-Ausbildungsprogrammes in Mikronesien durchgeführt. Viele Liebenzeller Missionare haben bei ihm studiert und promoviert, u.a. der frühere Missionsdirektor Detlef Krause, Harald Gorges, Prof. Dr. Jürgen Schuster und Prof. Dr. Tobias Schuckert, der Prorektor der IHL.
Beeindruckend war seine Nähe zur Praxis und seine Fähigkeit, akademisches Wissen ins alltägliche Leben und in die Missionspraxis umzusetzen. Er war auch im säkularen Bereich ein anerkannter Wissenschaftler, was auch in der Berufung in den Wissenschaftsrat des Bundesstaates Kalifornien zum Ausdruck kam. Gleichzeitig traf er sich aber jede Woche mit einfachen Arbeitern zum Bibellesen in seinem Haus, um ihnen im Verständnis der Texte zu helfen. Mit Studenten unternahm er Missionseinsätze, z.B. im Tschad, in denen er auf westliche Hilfsmittel verzichtete und die Einsätze so gestaltete, wie sie jeder Einheimische dann ebenfalls durchführen konnte. Er stellte sein Haus und seinen Besitz großzügig anderen zur Verfügung. Mehrere Studenten durften kostenlos bei ihm wohnen.
Immer wieder waren er und seine Frau Dr. Judith Lingenfelter zu Gast bei Tagungen und Konferenzen in Liebenzell und auf der JUMIKO. Er war dort der erste Gastredner, der ohne Übersetzung referierte. Ihm verdankt die Liebenzeller Mission und ihre Ausbildung wegweisende Ratschläge und Hinweise. Während der langjährigen und intensiven Diskussion um den Weg der Ausbildung am Theologischen Seminar gab Sherwood Lingenfelter den entscheidenden Hinweis: „Increase the options!“ Die Etablierung einer Vielfalt von Ausbildungswegen und Studiengängen wurde zu einer Segensgeschichte der Liebenzeller Ausbildung.
Die Liebenzeller Mission verneigt sich vor einem großen Wissenschaftler, Missionsmann, Freund und Bruder. Unsere Gedanken sind bei seiner Frau Judy und der ganzen Familie.
Die Missionsleitung der Liebenzeller Mission
