Lernen, dienen, wachsen: Ein Auslandssemester mit geistlicher Tiefe
Seit Januar sammeln Studenten der Interkulturellen Theologischen Akademie interkulturelle Erfahrungen während ihres sechsmonatigen Auslandssemesters in Toronto. Die mit knapp drei Millionen Einwohnern größte Metropole Kanadas gilt als eine der multikulturellsten Städte der Welt, in der rund 160 Sprachen gesprochen werden. Neben dem Sprachelernen und interkulturellem Unterricht engagieren sich die Studenten während ihres Aufenthalts in verschiedenen Gemeinden und Diensten.
Das Wochenende ist geprägt von „Ministries“ in den zugeteilten Gemeinden. So helfen die Studenten beispielsweise am Samstagnachmittag bei einem „Community Dinner“ in zwei Gemeinden. Dabei servieren sie Obdachlosen und Armen Essen wie in einem Restaurant. Allein bei der Heilsarmee kommen zu dem Essen rund 150 Menschen. Daneben werden nochmals so viele Lunchpakete ausgegeben. Während des Essens gibt es einen kurzen geistlichen Impuls, verbunden mit der Einladung zum Gottesdienst. Sonntags nehmen die Studierenden am Gottesdienst teil, um mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. „Bisher konnten wir bei diesen Ministries auf ganz verschiedene Weise helfen: als Kellner, als Spüler, als Putzkraft, als Gesprächspartner, als Lagerist oder als Barista. Ein paar von uns konnten auch schon von ihrem Glauben erzählen“, sagte Johannes Leiser. „Sehr begeisternd finde ich auch, wie viele andere Gemeinden durch ehrenamtliche Mitarbeiter und Spenden mithelfen. Wir konnten immer wieder erleben, wie Gottes Liebe an die Menschen weitergegeben wurde und wie sie durch Gespräche, die Predigt, den Lobpreis oder das Zeugnis mehr von Jesus lernten und sein Evangelium besser verstanden.“
Kultur verstehen, Menschen erreichen
Wer in einem internationalen Kontext Gottes Liebe weitergeben möchte, muss die entsprechende Kultur verstehen. Und genau hier wird Toronto zu einem einzigartigen Lernfeld. In einer der vielfältigsten Städte der Welt begegnen den Studenten täglich Menschen unterschiedlichster Herkunft, Prägung und Lebensweise. Mehr als die Hälfte der Einwohner stammt ursprünglich nicht aus Kanada – hier ist Vielfalt kein Konzept, sondern gelebter Alltag. Diese Vielfalt ist herausfordernd, eröffnet aber gleichzeitig neue Perspektiven. „Sie hilft, die eigene Perspektive zu hinterfragen und andere Lebensrealitäten besser zu verstehen“, sagte Tim Gutekunst. Ergänzt wird diese praktische Erfahrung durch gezielten Unterricht: Jeden Freitag nimmt der Liebenzeller Missionar Tobias Müller die Studenten mit in die Welt der interkulturellen Mission. Dabei geht es um zentrale Fragen: Wie kann man eine Kultur wirklich verstehen? Wo liegen die Gefahren von Ethnozentrismus? Und wie kann Leiterschaft in internationalen Teams gelingen?
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Frage, wie das Evangelium in unterschiedlichen kulturellen Kontexten verständlich und relevant kommuniziert werden kann. „Durch Begegnungen mit Menschen auf der Straße, durch Mitarbeit in Gemeinden und durch praktische Einsätze wird das Gelernte lebendig“, sagte Tim Gutekunst. Es fordert heraus, das Wissen anzuwenden, zu reflektieren und daran zu wachsen. Diese umfangreichen Einblicke bleiben dabei nicht nur intellektuelles Wissen, sondern formen und prägen nachhaltig den Charakter.
Seit der Gründung der Interkulturellen Theologischen Akademie 2012 zeichnet sich das Ausbildungsprogramm dadurch aus, dass es in der Theorie verankert ist, aber auch viel Praxis umfasst. Zu den Höhepunkten gehören dabei das halbe Jahr in Toronto im zweiten Semester sowie ein viermonatiges Gemeindepraktikum in Deutschland oder der Mission im fünften Semester. Inzwischen haben 96 Absolventen das Ausbildungsprogramm erfolgreich durchlaufen.















