„Wir sind Gebende und Empfangende“

Ein lächelndes älteres Paar in passenden Sporttrikots, das gemeinsam im Freien vor grünem Laub steht.
Martin und Tabea Auch

Mar­tin und Tabea Auch sind 1988 frisch ver­hei­ra­tet zum ers­ten Mal nach Ban­gla­desch aus­ge­reist. Sie waren an drei Sta­tio­nen als Mis­sio­na­re und Team­lei­ter im Ein­satz, bis die Beru­fung zum Mis­si­ons­di­rek­tor nach Bad Lie­ben­zell erfolg­te. Nach 17 Jah­ren ent­schied Mar­tin aus frei­en Stü­cken, die Auf­ga­be in jün­ge­re Hän­de zu legen. Seit 2021 sind sie in Ugan­da – als erfah­re­ne Mis­sio­na­re, um part­ner­schaft­lich und stra­te­gisch mit ver­schie­de­nen ein­hei­mi­schen Kir­chen und Orga­ni­sa­tio­nen zu arbeiten.

Hat es lan­ge gedau­ert, bis ihr Ugan­da und die Men­schen lie­ben konntet?
Es hat nicht lan­ge gedau­ert. Es war für uns ein Vor­teil, dass man sich in Ugan­da in Eng­lisch unter­hal­ten kann. Die Men­schen sind sehr freund­lich und gehen auf einen zu. Was uns gehol­fen hat, war die „Feu­er­tau­fe“ in Ban­gla­desch, wo vie­les durch das Kli­ma und Leben in der isla­mi­schen Mehr­heits­ge­sell­schaft schwie­ri­ger war. (Tabea:) Als Frau ist man in Ugan­da in der Öffent­lich­keit ger­ne gese­hen, das war in Ban­gla­desch anders. Das hat es in Afri­ka für mich leich­ter gemacht. Bei der ers­ten Rei­se nach Ugan­da habe ich nach einer Woche gesagt: Hier kann ich leben.

Ugan­da ist ein christ­li­ches Land. War­um braucht es dort Mis­sio­na­re aus Deutschland?
Wir wol­len Afri­ka­ner als Mis­sio­na­re für die Welt aus­bil­den. Des­halb woll­ten wir nach Ugan­da. Das ist unser Herz­schlag. Afri­ka als Kon­ti­nent hat die jüngs­te und ein­zig wach­sen­de Bevöl­ke­rung der Welt. Es gibt in der Welt­mis­si­on eine Ver­än­de­rung. Mis­si­on geschieht heu­te von über­all nach über­all. Nicht mehr nur von Euro­pa aus. Wir brau­chen Demut und müs­sen uns ein­ge­ste­hen, dass wir selbst Mis­sio­na­re aus ande­ren Län­dern brau­chen. Heu­te sind wir auch in Deutsch­land immer noch Geben­de, aber immer mehr auch Emp­fan­gen­de. Natür­lich gibt es in der Pra­xis dann Unter­schie­de, zum Bei­spiel im Sen­dungs­mo­dell. Mis­sio­na­re aus Afri­ka kön­nen oft kei­nen Spen­der­kreis mit­brin­gen, der ihnen einen Mis­si­ons­dienst in Euro­pa ermög­licht. Aber ihre Kir­chen sen­den sie und ste­hen voll hin­ter ihnen.
Was unse­re eige­ne Arbeit betrifft, haben uns die Ugan­der ganz zu Beginn gesagt, dass es bei ihnen in den Kir­chen eine gro­ße Lücke im Bereich Jün­ger­schaft gibt und sie sehr dank­bar wären, wenn wir uns genau dafür ein­set­zen. Das machen wir seit­dem gerne.

Wenn Men­schen in Ugan­da mit­be­kom­men, dass Mar­tin frü­her Mis­si­ons­di­rek­tor war, wie reagie­ren sie darauf?
Es ist in Afri­ka außer­ge­wöhn­lich, dass jemand frei­wil­lig sein Amt abgibt. Die meis­ten Prä­si­den­ten der Welt, die sehr alt und sehr lan­ge an der Macht sind, kom­men aus Afri­ka. Das zeigt, dass so ein Schritt für sie unge­wöhn­lich ist. Es ist für sie ver­wun­der­lich, dass jemand selbst in die zwei­te Rei­he zurück­tritt. Aber sie zie­hen schon den Hut davor. Manch­mal haben wir fest­ge­stellt, dass ugan­di­sche Lei­ter bes­ser hin­hö­ren und auf­mers­ka­mer sind, wenn sie wis­sen, dass man selbst schon eine Lei­tungs­po­si­ti­on hat­te. Denn es ist so, dass vie­le Aus­län­der in das offe­ne Land Ugan­da kom­men. Vie­le mit eige­nen Ideen, Geld und wenig Erfah­rung. Da wol­len Ver­ant­wort­li­che erst­mal hin­hö­ren und raus­fin­den, was für eine Per­son ihr Gegen­ü­ner ist. Ver­trau­en muss man sich als Unbe­kann­ter auch erarbeiten.

Wie schätzt ihr die Zukunft von Ugan­da und die des afri­ka­ni­schen Kon­ti­nents ein?
Afri­kas Stär­ke als Bezie­hungs­kul­tur wird dann zur Schwä­che, wenn sie bei Stel­len­be­set­zun­gen zu gro­ßes Gewicht bekommt. Eine der größ­ten Her­aus­for­de­run­gen liegt im Stam­mes­den­ken. Die Loya­li­tät der Men­schen geht meis­tens in Rich­tung des Stam­mes, der Groß­fa­mi­lie und nicht des Lan­des. So kommt es vor, dass Leu­te nicht nach Kom­pe­tenz und Exper­ti­se ein­ge­stellt wer­den, son­dern nach eth­ni­scher Her­kunft. Eine wei­te­re Her­aus­for­de­rung ist die Kor­rup­ti­on. Afri­ka hat kein Pro­blem von Res­sour­cen. Aber die Ver­tei­lung ist sehr unge­recht. Dazu zählt auch Aus­beu­tung aus dem Aus­land und Kor­rup­ti­on im eige­nen Land. Die Pro­ble­me sehen die Men­schen auch. Aber da raus­zu­kom­men, ist nicht leicht.

Wenn ihr in Ugan­da seid, was ver­misst ihr am meisten?
Enkel, Fami­lie, Käse und Wurst, in die­ser Rei­hen­fol­ge (lachen). Wir haben gute Freun­de in Ugan­da, Brü­der und Schwes­tern. Freund­schaf­ten mit Ein­hei­mi­schen zu haben, ist sehr schön. Die Men­schen sind sehr ange­nehm, freund­lich, zurück­hal­tend. Wir füh­len uns wohl und sind dank­bar, dass Gott die Arbeit segnet.

Illustration einer Person, die eine Webseite hält, umgeben von Symbolen aus den Bereichen Wirtschaft, Technologie und Kreativität.

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