Glaubensmut beginnt mit einem offenen Herzen

Auf der Bühne sitzen fünf Personen auf Hockern und unterhalten sich, während im Hintergrund ein „Glaubens:Mut“-Banner zu sehen ist.
Missionare aus Spanien, Malawi, Deutschland und Ecuador berichteten von ihrer Arbeit. 

BAD LIEBENZELL. Unter dem Mot­to „Glaubens:Mut“ hat die Lie­ben­zel­ler Mis­si­on ihr Herbst­mis­si­ons­fest am 13. Sep­tem­ber in über 20 Orten in Deutsch­land und Öster­reich gleich­zei­tig gefei­ert. Wie bereits im Vor­jahr fand das Herbst­mis­si­ons­fest nicht im Groß­zelt auf dem Mis­si­ons­berg statt, son­dern im Mis­si­ons- und Schu­lungs­zen­trum, und wur­de von dort direkt in Gemein­den von Dorn­birn (Öster­reich) über Schwä­bisch Hall bis nach Ber­lin über­tra­gen. Vor Ort gestal­te­ten Mis­sio­na­re, Dozen­ten und Stu­die­ren­de aus Bad Lie­ben­zell gemein­sam mit den jewei­li­gen Gemein­den und Gemein­schaf­ten ein eige­nes Pro­gramm. Ins­ge­samt nah­men rund 4000 Besu­cher an dem Mis­si­ons­fest teil: 850 auf dem Mis­si­ons­berg in Bad Lie­ben­zell, 3.150 an den rund 20 Orten „on tour“. Außer­dem ver­folg­ten mehr als 3500 Per­so­nen den Live­stream (Stand Sonntagabend).

Wenn Betrof­fen­heit zu Ver­ant­wor­tung wird

„Glau­bens­mut beginnt nicht mit gro­ßen Hel­den­ta­ten, son­dern mit einem offe­nen Her­zen, das hin­schaut, zuhört und sich von der Not ande­rer berüh­ren lässt.“ Das sag­te Mis­si­ons­lei­ter Dave Jar­setz in sei­ner Pre­digt. Ein sol­ches Herz hat ech­tes Inter­es­se an dem, was Gott inter­es­siert. Pro­ble­me begin­nen laut dem Theo­lo­gen dort, wo Men­schen sich so abschir­men, dass sie auch ihre Mit­men­schen nicht mehr errei­chen: „Mis­si­on beginnt manch­mal nicht mit dem Reden über Gott, son­dern damit, dass wir einem Men­schen wirk­lich zuhö­ren; viel­leicht ist das eine der gro­ßen Auf­ga­ben der Kir­che heu­te: die Kunst des Zuhö­rens wie­der­zu­ent­de­cken.“ Betrof­fen­heit allein ver­än­dert noch nichts: „Was dich berührt, bring vor Gott. Was dich schmerzt, brei­te vor ihm aus. Was dich über­for­dert, lege in sei­ne Hän­de“, ermu­tig­te Dave Jar­setz. So wer­de aus Mit­schau­en ein Mittragen.
Der Mis­si­ons­lei­ter freut sich, dass es in die­sem Jahr bis­her 16 neue Mis­si­ons­kan­di­da­tin­nen und ‑kan­di­da­ten gibt, die in sechs Län­dern arbei­ten wer­den. Unter ande­rem wird eine ers­te Mis­sio­nars­fa­mi­lie nach Nord­ma­ze­do­ni­en ent­sen­det. Auch das „Team Digi­ta­le Mis­si­on“ wird dem­nächst sei­ne Arbeit aufnehmen.

Mis­si­on in Stutt­gart und Ecuador

Beim Mis­si­ons­fest berich­te­ten Mis­sio­na­re aus aller Welt von ihrer Arbeit. Seda und Chris­ti­an Bat­ter­mann arbei­ten in der Life­point Church in Stutt­gart, einer inter­kul­tu­rel­len Gemein­de, die beson­ders Men­schen mit tür­ki­schem Hin­ter­grund erreicht. Seda Bat­ter­mann berich­te­te aus ihrer eige­nen Erfah­rung, unter wel­chem fami­liä­ren Druck Tür­kin­nen und Tür­ken oft ste­hen, wenn sie den christ­li­chen Glau­ben anneh­men. Umso mehr freue sie sich über die Offen­heit der Men­schen in der Life­point Church. Rai­ner und Katha­ri­na Krö­ger aus Ecua­dor spra­chen dar­über, unter wel­chen Her­aus­for­de­run­gen Men­schen in Ecua­dor durch Angst und häus­li­cher Gewalt lei­den. Er selbst bezeich­ne sich ger­ne als „Glücks­brin­ger“, sag­te Rai­ner Krö­ger. Denn er habe immer wie­der erfah­ren, wie das Leben von Men­schen „glück­lich“ wer­de, wenn sie Jesus Chris­tus begegnen.

Glau­be wird zur bewuss­ten Entscheidung

„Wir erle­ben im 21. Jahr­hun­dert den Wan­del von einer ererb­ten Reli­gi­on zu einer gewähl­ten Reli­gi­on. Men­schen sind nicht mehr des­halb Mit­glied in einer Kir­che, weil sie die­se Reli­gi­on, die­sen Glau­ben und die­se Mit­glied­schaft ererbt haben. Sie sind oder blei­ben nur noch dann in einer reli­giö­sen Gemein­schaft oder Kir­che, wenn sie die­se bewusst, aktiv und eigen­stän­dig gewählt haben.“ Die­se Ansicht ver­trat Vol­ker Gäck­le, Rek­tor der Inter­na­tio­na­len Hoch­schu­le Lie­ben­zell (IHL). Ver­mut­lich wird es 2050 in Deutsch­land etwa gleich vie­le Mus­li­me wie Pro­tes­tan­ten oder Katho­li­ken geben, wobei die mus­li­mi­sche Bevöl­ke­rung deut­lich jün­ger sein wird. In 30 Jah­ren wird rund 75 Pro­zent der Bevöl­ke­rung Deutsch­lands kei­ner Kon­fes­si­on mehr angehören.
Des­halb gel­te es, die­se Ver­lus­te geist­lich zu bewäl­ti­gen. „Zudem müs­sen wir in Bil­dung inves­tie­ren. Bil­dung ist die Basis dafür, dass wir in Poli­tik und Kul­tur nicht über­se­hen wer­den.“ Laut dem Theo­lo­gen müs­sen sich Chris­ten ver­wur­zeln „in der bibli­schen Bot­schaft und im Glau­ben an den Gott, der mit­geht. In einer Min­der­hei­ten­si­tua­ti­on wird nur der bestehen, der in Got­tes Wort ver­an­kert ist und der eine Her­zens­bil­dung erfah­ren hat, durch die er anders umgeht mit sei­nem Geld, sei­ner Zeit und sei­ner Sexua­li­tät. Wer Got­tes Wort im Her­zen trägt, hält an sei­nen Wer­ten fest, auch im Gegen­wind einer gott­ver­ges­se­nen Gesellschaft.“
Für die Inter­na­tio­na­le Hoch­schu­le haben sich laut sei­nen Anga­ben 73 neue Stu­die­ren­de ein­ge­schrie­ben und für die Inter­kul­tu­rel­le Theo­lo­gi­sche Aka­de­mie (ITA) 12. Ins­ge­samt stu­die­ren nun 329 jun­ge Men­schen an der IHL und 28 an der ITA. „Sehr froh und dank­bar sind wir, dass wir mit neu­en Stu­die­ren­den unse­re christ­li­che Leh­rer­aus­bil­dung star­ten kön­nen“, sag­te Vol­ker Gäck­le. Das soll am Diens­tag, 13. Okto­ber, um 19:30 Uhr mit einem bun­ten Pro­gramm aus Impul­sen, einer Talk­run­de und wei­te­ren Infor­ma­tio­nen auf dem im Mis­si­ons­berg gefei­ert werden.

Spa­ren und gleich­zei­tig investieren

„Wir müs­sen mas­siv spa­ren, da auf­grund gestie­ge­ner Kos­ten die Finan­zie­rung aller Auf­ga­ben so lei­der nicht län­ger mög­lich ist.“ Das sag­te der kauf­män­ni­sche Geschäfts­füh­rer Tho­mas Haid. Gleich­zei­tig hat sich die Lie­ben­zel­ler Mis­si­on viel vor­ge­nom­men: Wenn alles plan­mä­ßig läuft, wer­den im Herbst nächs­ten Jah­res bereits die neu­en Hör­sä­le für die in die­sen Tagen gestar­te­te Leh­rer­aus­bil­dung zu sehen sein. Die­se Räu­me sol­len auf dem Dach des Mis­si­ons- und Schu­lungs­zen­trums ent­ste­hen. „Das kos­tet natür­lich alles Geld, das aber her­vor­ra­gend inves­tiert ist. Denn am Ende geht es nicht um Räu­me, son­dern dar­um, dass Men­schen das Evan­ge­li­um hören und Jesus begegnen.“

Armin Hass­ler wird neu­er kauf­män­ni­scher Geschäftsführer

Beim Herbst­mis­si­ons­fest gab Dave Jar­setz bekannt, dass Armin Hass­ler die Nach­fol­ge von Tho­mas Haid als kauf­män­ni­scher Geschäfts­füh­rer antritt, der sein Amt aus gesund­heit­li­chen Grün­den abgibt. Eine außer­or­dent­li­che Mit­glie­der­ver­samm­lung wähl­te den 53-Jäh­ri­gen mit gro­ßer Mehr­heit. Armin Hass­ler war zuletzt gut drei Jah­re als Lei­ter für Lan­des­ver­bands­ent­wick­lung beim Deut­schen EC- Ver­band („Ent­schie­den für Chris­tus“) tätig. Sein neu­es Amt tritt Armin Hass­ler am 1. Janu­ar 2027 an.

Beim Herbst­mis­si­ons­fest wur­de auch das Hil­da-von-Diest-Haus ein­ge­weiht. Das ehe­ma­li­ge Schwes­tern­haus von 1955 wur­de in Eigen­leis­tung in den ver­gan­ge­nen Mona­ten zu einem Wohn­heim für Stu­die­ren­de mit 46 Bet­ten umge­baut. Mit der Namens­nen­nung erin­nert das Mis­si­ons­werk an die groß­zü­gi­ge Stif­te­rin (1869–1946), die den gesam­ten Mis­si­ons­berg erwarb und ihn der Lie­ben­zel­ler Mis­si­on 1918 qua­si vermachte.

An Infor­ma­ti­ons­stän­den von Mis­sio­na­rin­nen und Mis­sio­na­ren erhiel­ten die Besu­che­rin­nen und Besu­cher Ein­bli­cke in ande­re Kul­tu­ren. Nadi­ne Betz sorgt mit ihrer Band von der Life­point Church Stutt­gart für die musi­ka­li­sche Gestal­tung des Tages.

Die Lie­ben­zel­ler Mis­si­on ist mit rund 270 Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­tern in etwa 30 Län­dern eine der gro­ßen evan­ge­li­schen Mis­si­ons­ge­sell­schaf­ten in Deutschland.

Illustration einer Person, die eine Webseite hält, umgeben von Symbolen aus den Bereichen Wirtschaft, Technologie und Kreativität.

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