Elisabeth und René Bredow arbeiteten über 20 Jahre als Missionare in Papua-Neuguinea. Dabei waren sie unter Menschen und Gemeinden in entlegenen Urwaldgebieten aktiv und boten dort unter anderem Kurse zu Gemeinde- und Lebensthemen an. Viele Jahre leitete René das Team unserer Missionare im Land. Außerdem war René als Regionalsekretär in Deutschland und als Dozent in Südasien tätig. Anschließend unterstützten sie das Team „Mission und Integration“ bei der Vernetzung und Betreuung von Ehrenamtlichen in der Migrantenarbeit. Im November gehen die beiden in den Ruhestand. Im Interview blicken sie auf ihre verschiedenen Stationen zurück.
Ihr wart insgesamt 36 Jahre als Missionare im Einsatz. Welche Station war für euch die beste?
Nicht die beste, aber die erste Liebe war unsere erste Zeit in Madang in Papua-Neuguinea. Dort haben wir Gemeindearbeit gemacht, Hauskreise gegründet, die Frauenarbeit weiterentwickelt und Schulungen für Kindergottesdienst-Mitarbeiter für Gemeinden in abgelegenen Bergregionen angeboten. Schön war auch, dass eine missionarische Tür aufgegangen ist, Gemeinden in Josephstaal zu gründen.
Hat sich Mission im Lauf der letzten vier Jahrzehnte verändert?
Von Papua-Neuguinea her gesehen schon. Früher wurden die Gemeinden oft von Missionaren betreut, heute haben die Gemeindeverbände vor Ort die Verantwortung. Das ist eine schöne Entwicklung. Wir konnten manche Arbeiten abgegeben. Vieles machen die Menschen dort sehr gut und manches sicher besser wie wir. Zum Beispiel sind sie viel begeistertere und bessere Evangelisten wie wir.
Was waren für euch Highlights?
Was uns in Papua-Neuguinea begeistert hat, war die Zusammenarbeit mit anderen Missionsorganisationen. Wir haben uns gegenseitig gedient und gemeinsam geholfen, Visa zu beantragen, Tipps zur Durchfahrt in unsicheren Gebieten gegeben oder gegenseitig geholfen, Übernachtungsmöglichkeiten zu finden.
Elisabeth hat sogar zwei Jahre ein Schülerheim der Wycliff-Bibelübersetzer in Ukarumpa geleitet. Dort haben wir Missionarskinder aus ganz vielen Nationalitäten betreut: Südkorea, USA, Australien, Afrika, Deutschland, Österreich, Finnland, Schweiz, Holland. Das war eine sehr prägendene und erfüllende Zeit. Der Mix an Kindern und Jugendlichen aus unterschiedlichen Kulturen war exotisch, aber ganz wunderbar. Wir haben gemeinsam viel gelacht. Die Unterschiede der Kulturen sind faszinierend.
Auch in der Teamleitung in der Hauptstadt Port Moresby haben wir viel mit Gott erlebt. Wenn wir an die vielen Fahrten, Flüge und Bootstouren denken, können wir nur staunen, wie Gott uns bewahrt hat. Man war im Blick auf die Sicherheit wegen Überfällen und Einbrüchen und in vielen anderen Dingen von Gott abhängig. Wir hatten viele Übernachtungsgäste. Da war zum Beispiel ein Australier. Er war kein Christ. Nachts hat er bei uns im Gästehaus eine Bibel genommen und die ganze Nacht darin gelesen. Er hat in die Bibel reingeschrieben und viele Anmerkungen gemacht. Am nächsten Tag hatte er ein schlechtes Gewissen, sich entschuldigt und gefragt, ob er die Bibel mitnehmen könnte. Wir haben das bejaht, denn wir haben uns natürlich gefreut, dass er so intensiv in der Bibel gelesen hat.
Ihr habt Menschen aus vielen verschiedenen Kulturen kennengelernt. Welche Aspekte anderer Kulturen sollten wir als Deutsche übernehmen?
Als wir nach vielen Jahren Ausland nach Deutschland zurückgekommen sind, haben unsere Kinder gefragt: „Wo sind denn hier die Menschen?“ Unser Eindruck war: Die Menschen gehen zur Arbeit, danach wieder nach Hause und weg sind sie. Wir waren in Papua-Neuguinea ein vielseitiges Miteinander gewohnt. So hatten uns die Menschen zum Beispiel angeboten, auf Elisabeth aufzupassen, wenn René unterwegs war.
In vielen Kulturen der Welt ist es auch leichter, mit Menschen über den Glauben ins Gespräch zu kommen. In Deutschland ist das schwieriger.
Gab es Zeiten, in denen ihr entmutigt wart? Was hat euch dann geholfen?
Ja, die gab es auf jeden Fall. In der Anfangszeit waren wir in einem Dorf, in dem es eine Person gab, die immer wieder ausgerastet und auf Menschen losgegangen ist. Vermutlich war sie psychisch krank. An einem Sonntagnachmittag ist der Mann in unsere Wohnung gestürmt, hat sich Kuchen genommen und ist wieder gegangen. In der folgenden Nacht kam er aber wieder und randalierte auf unserer Veranda. Unsere Zwillinge waren sechs Monate alt und wir hatten nichts, um uns zu wehren. Wir haben dann um Hilfe gerufen und die Menschen haben Unterstützung aus einem anderen Dorf geholt. Es brauchte sechs bis acht Personen, um ihn zu überwältigen. Das war schon beängstigend, aber wir waren dankbar für die Bewahrung, die wir erlebten. In der Folgezeit haben uns Christen aus dem Dorf geholfen, die bei uns übernachtet und nach uns geschaut haben. Viele haben uns auch immer wieder versichert, dass sie für uns beten. Wir bekamen auch Unterstützung durch unsere Heimatgemeinden, Verantwortliche aus Renés Gemeinschaft haben sich viel um seine kranken Eltern gekümmert und uns so in diesen Zeiten die Fortsetzung unserer Arbeit in Papua-Neuguinea ermöglicht.
Schwer war oft für uns, dass wir soweit entfernt von unseren Verwandten in Deutschland waren. Wir haben dann deren Geburtstage oft einfach auf die Entfernung „mitgefeiert“ und für uns einen Kuchen gebacken. Wenn Menschen im Sterben lagen und wir uns nicht von ihnen verabschieden konnten, war das sehr hart. In unseren ersten Jahren war es damals noch die Vorgabe der Leitung, auch in solchen Fällen nicht nach Deutschland zu kommen. Die ersten vier Jahre sollte man im Land bleiben, um wirklich „anzukommen“.
Einschneidend war für uns die Zeit, als eines unserer Kinder kurz nach Geburt verstorben war. Elisabeth überlebte die Geburt nur knapp und wurde mit der Luftrettung nach Australien evakuliert. Die Fürsorge der Mission war sehr groß. Andere Missionare wurden für uns freigestellt und wir haben viel Unterstützung bekommen.
Immer wieder hatten wir auch mit Malaria und Dengue-Fieber zu kämpfen. Als unser Sohn Christian etwa fünf Jahre alt war, bekam er so stark Malaria und wurde so schwach, dass er sagte: „Ich gehe jetzt zum Herrn Jesus.“ Das war schon sehr grenzwertig, weil wir nicht wussten, ob er es überlebt. Gott hat sein Leben aber erhalten und wir haben nach einem Deutschland-Aufenthalt 1996 entschieden, nochmals für ein Jahr nach Papau-Neuguinea auszureisen. Daraus sind dann weitere zwölf bzw. insgesamt 16 Jahre geworden.
Was müssen junge Missionare heute aus euerer Sicht mitbringen?
Wir fragen uns manchmal, was wir überhaupt mitgebracht haben. Aber wir würden schon sagen, dass es die Bereitschaft ist, sich auf Neues einzulassen, Geduld mitzubringen und auch auszuhalten, wenn etwas nicht gleich funktioniert. Man darf Fehler machen und ausprobieren. Und natürlich sollten sie eine tiefe Liebe zu Jesus haben.
Worauf freut ihr euch im Ruhestand?
Wir haben noch nicht so viel Zeit, um über den Ruhestand nachzudenken. Unsere Kinder und andere fragen aber schon. Es ist dann sicher schön, ohne viele Termine leben zu können. Dass wieder mehr spontan möglich ist und wir auch mehr gemeinsam mit unseren Kindern und Enkeln machen können, darauf freuen wir uns. Aktuell gibt es fast keinen Sonntag, an dem René nicht im Dienst ist. Da ist manches dann mit den Kindern und in deren Gemeinden nicht so möglich.
