„Ein Kirchengebäude würden manche nicht betreten“

Zwei Männer duellieren sich mit Schwimmnudeln, während sie auf fahrenden Autos in einer staubigen Umgebung im Freien stehen.
Ritterspiele mit dem Auto gab’s beim Männeraktionstag.

BAD LIEBENZELL. Rasen­mä­her­par­cours, Män­ner­hand­ta­sche aus Holz bau­en oder Auto-Kegeln. Über 45 teils aus­ge­fal­le­ne Aktio­nen sorg­ten beim ach­ten „Män­ner­ak­ti­ons­tag“ für Begeis­te­rung. Rund 900 Män­ner kamen dazu am 26. Sep­tem­ber ins Mon­bach­tal im Nord­schwarz­wald. Die Ver­an­stal­tung wur­de von der Män­ner­ar­beit der Lie­ben­zel­ler Mis­si­on unter dem Namen „Stron­ger“ gemein­sam mit den Christ­li­chen Gäs­te­häu­sern Mon­bach­tal organisiert.

Die Teil­neh­mer konn­ten beim Car­ving mit einer Motor­sä­ge aus einem Holz­block Figu­ren schnit­zen, Pfan­nen schmie­den, Rin­ge her­stel­len oder beim „Tim­ber Pole“ an bau­meln­den Holz­stäm­men hoch­klet­tern. Die Aktio­nen umfass­ten Ange­bo­te aus den Berei­chen Hand­werk, Tech­nik, Sport und Frei­zeit. Dabei gab es so aus­ge­fal­le­ne Aktio­nen wie eine klei­ne Whis­key-Bar aus einem alten Feu­er­lö­scher bau­en. Neu war das Bag­ger-Karus­sell, das man sich wie eine Rodeo-Fahrt auf einer mit Schaum ein­ge­schmier­ten Folie vor­stel­len kann. Die Zen­tri­fu­gal­kraft wirk­te auf die Kör­per und mach­te den Män­nern sicht­lich Spaß. Bei „Padel to the Metal“ konn­te man das Gas­pe­dal bis zum Anschlag durch­drü­cken, mit einem Fly­ing Fox konn­ten die Män­ner 250 Meter quer über das Mon­bach­tal schwe­ben. Klas­si­ker wie Fah­ren mit dem Rad­la­der, Trak­tor, Bag­ger, Trike oder mit einem All­rad-Fahr­zeug im Off­road-Par­cours waren auch wie­der dabei. Män­ner, die sich selbst mit ande­ren mes­sen woll­ten, waren beim Batt­le­field, Schwert­kampf oder „Auto-Rit­ter­spie­len“ rich­tig. Wer ent­span­nen woll­te, konn­te eine Sau­na oder einen hei­ßen Bade­zu­ber nutzen.

Wie bis­her fast immer beim Män­ner­ak­ti­ons­tag strahl­te die Son­ne bei herr­li­chem Herbst­wet­ter. Kuli­na­risch gab es Chi­li con oder sin car­ne, Weiß­würs­te, Rin­der­schmor­bäck­chen, Kraut­sa­lat und Bau­ern­brot. Die Hälf­te des Umsat­zes kommt Pro­jek­ten der Lie­ben­zel­ler Mis­si­on in Mala­wi zugute.

Ziel der Ver­an­stal­tung sei es gewe­sen, Män­nern ein Ange­bot zu machen, die zwar offen für Glau­bens­fra­gen sind, aber kei­nen Zugang zu tra­di­tio­nel­len Gemein­den fin­den, so Stef­fen Cramer,der Initia­tor des Männeraktionstags.Deshalb gab es auch eine gan­ze Rei­he an inhalt­li­chen Ange­bo­ten. „Ein klas­si­sches Kir­chen­ge­bäu­de zu betre­ten, kön­nen sich man­che Män­ner nicht vor­stel­len. Nur zuzu­hö­ren und zu sin­gen, passt für man­che ein­fach nicht. Aber das bedeu­tet nicht, dass sie kei­ne Sehn­sucht nach Gott oder kei­ne spi­ri­tu­el­len Fra­gen hät­ten.“ Das For­mat des Män­ner­ak­ti­ons­ta­ges sei bewusst locker gehal­ten. „Hier wird nie­man­dem etwas auf­ge­drückt. Jeder kann kom­men und sei­ne Freun­de mit­brin­gen. Und wer ein­fach nur Aktio­nen machen und Spaß haben will, ist natür­lich auch willkommen.“

Stef­fen Cra­mer sprach auch dar­über, wie er vor 19 Jah­ren sei­nen Job als Inge­nieur bei Sie­mens gekün­digt hat: „Ich hat­te den Ein­druck, dass Gott mich ruft, mei­ne Gaben in sei­nen Dienst zu stel­len.“ Die Anfän­ge wären für ihn her­aus­for­dernd gewe­sen und er habe an sich gezwei­felt. Aber durch gute Zusa­gen von Men­schen sei er sei­ner neu­en Beru­fung treu geblie­ben. Die Män­ner­ar­beit habe er gestar­tet, weil ihm auf­ge­fal­len sei, dass in vie­len christ­li­chen Gemein­den kaum Män­ner dabei sei­en. Die­ser Arbeits­be­reich sei stark gewach­sen, viel grö­ßer als er es sich hät­te vor­stel­len kön­nen. Über sein Leben und sei­nen Glau­ben wür­de er das Mot­to stel­len: „Ich bereue nichts.“

Beim Stamm­tisch „Wie du in der Kri­se einen küh­len Kopf bewah­ren kannst!“ sag­te Dave Jar­setz, Mis­si­ons­lei­ter der Lie­ben­zel­ler Mis­si­on, dass Kri­sen zum Leben gehö­ren: „Es gibt kein kri­sen­frei­es Leben.“ Hilf­reich sei, sich nicht dar­auf zu kon­zen­trie­ren, wie man Kri­sen ver­hin­dern kann, son­dern wie man damit umgeht. Nicht jede Kri­se kom­me dabei als Kri­se. Vie­le Kri­sen sei­en pro­zess­haft und bestün­den aus meh­re­ren Eska­la­ti­ons­stu­fen. „Je frü­her du hin­schaust auf dein Leben, des­to mehr Hand­lungs­spiel­raum hast du.“ Kri­sen beinhal­te­ten immer bei­des: Gefahr und Chan­ce: „Sie kön­nen uns wei­se und gefes­tigt wer­den las­sen, aber auch bit­ter machen. Eine Kri­se zeigt immer, wor­auf wir bau­en, was unser Fun­da­ment ist.“ Man­che Chris­ten hät­ten die Ansicht, dass Gott gläu­bi­ge Men­schen vor schwie­ri­gen Lebens­si­tua­tio­nen bewah­re. Die­se Vor­stel­lung sei aller­dings nicht biblisch. Chris­ten sei kein ein­fa­ches oder sturm­frei­es Leben ver­hei­ßen, aber dass Gott auch in die­sen Situa­tio­nen bei ihnen sei: „Gott erspart nicht jede Kri­se. Aber er ist auch in der Kri­se da. Zweif­le im Dun­keln nicht an dem, was Gott dir im Licht gezeigt hat.“

Wei­te­re Stamm­ti­sche, bei denen vie­le Män­ner mit­ein­an­der ins Gespräch kamen, gab es zu den The­men „War­um zer­stö­ren Por­nos unse­re Bezie­hun­gen und wie erle­ben wir ech­te Frei­heit?“ sowie „War­um soll aus­ge­rech­net das Chris­ten­tum rich­tig sein?!“

An ver­schie­de­nen Sta­tio­nen konn­ten sich die Män­ner über welt­wei­te Pro­jek­te der Lie­ben­zel­ler Mis­si­on infor­mie­ren. Sie konn­te zum Bei­spiel über VR-Bril­len (Vir­tu­al Rea­li­ty) nach Sam­bia, Papua-Neu­gui­nea oder Kana­da „rei­sen“. Ste­fan Mül­ler berich­te­te über sei­ne Arbeit als Mis­sio­nar im afri­ka­ni­schen Mala­wi: „Das ist eines der ärms­ten Län­der der Erde, obwohl die Men­schen sehr hart und dis­zi­pli­niert arbei­ten und das Land poli­tisch sta­bil ist. Das tut uns im Her­zen weh.“ Von Mala­wi­ern höre er oft, dass das Land ein Lei­ter­schafts­pro­blem habe: „Das Poten­zi­al wird nicht genutzt oder manch­mal sogar miss­nutzt. Vie­le jun­ge Men­schen wol­len das Land ver­las­sen. Uns liegt es auf dem Her­zen, Men­schen so vor­zu­be­rei­ten, dass es in dem Land in den nächs­ten Jah­ren gute Lei­ter gibt.“ Meh­re­re Jah­re hat sich Ste­fan Mül­ler zusam­men mit sei­ner Frau am theo­lo­gisch-hand­werk­li­chen Zen­trum „Chiso­mo“ enga­giert. Dort bekom­men Men­schen eine prak­ti­sche Aus­bil­dung als Schrei­ner und eine als Pas­tor und Lei­ter: „Die Hoff­nung ist, dass sie dadurch ihr Umfeld posi­tiv verändern.“

Im Fina­le ver­such­ten zwei Teams Säcke, Rei­fen und Holz­bret­ter nur mit einem Fahr­rad über einen Par­cours zu trans­por­tie­ren. Mit einem Spe­zi­al­ef­fekt wur­de ein in einem Wohn­wa­gen ver­steck­tes Auto herauskatapultiert.Nik Ebert, Mit­ar­bei­ter von Stron­ger, sag­te, dass Gott in jedem Men­schen ein Feu­er ent­zün­den kön­ne: „Egal, wer du bist und was du getan ist. Gott ist bei dir und will dir Kraft geben.“ Gott habe für jeden Men­schen etwa vor: „Lass Gott in dein Leben hineinkommen.“

Den Abschluss bil­de­te eine „After­show­par­ty“, bei der die Män­ner den Tag gemein­sam aus­klin­gen lie­ßen. Rund 250 frei­wil­li­ge Hel­fer waren teil­wei­se schon tage­lang im Ein­satz, um den Män­ner­ak­ti­ons­tag vor­zu­be­rei­ten. Wer den Män­ner­ak­ti­ons­tag ver­passt hat, kann an ande­ren Ange­bo­ten von „Stron­ger“ teil­neh­men – etwa Motor­sä­gen­kur­se, Block­haus­bau, Out­door Kit­chen, Baum­schnei­de­kur­se, Vater-Sohn- oder Vater-Toch­ter-Wochen­en­den oder Ski-Selbst­bau­en-Kurs. Der nächs­te Män­ner­ak­ti­ons­tag fin­det am 25. Sep­tem­ber 2027 statt. Wei­te­re Infos unter www.liebenzell.org/stronger.

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