„Gottes Reich hat eine riesige Vielfalt“

Ein Mann und eine Frau, die im Freien lächeln und Händchen halten.
Samuel und Anne Strauß

Samu­el und Anne Strauß waren 16 Jah­re als Mis­sio­na­re in und für Ban­gla­desch tätig, unter ande­rem als Team­lei­ter. Seit Herbst 2021 arbei­ten sie in Kana­da. Heu­te lei­tet Samu­el den kana­di­schen Zweig der Lie­ben­zel­ler Mis­si­on. Der­zeit sind sie in Deutsch­land. Wir haben Samu­el eini­ge Fra­gen gestellt.

Ihr habt vie­le Jah­re mit eurer Fami­lie in Ban­gla­desch gelebt. Was hat euch in die­ser Zeit am meis­ten geprägt?
Ban­gla­desch war unser ers­ter gro­ßer Ein­satz­ort. Wir waren erst zwei Jah­re ver­hei­ra­tet, als wir anka­men. Die Zeit dort hat unse­re ers­ten Ehe- und Fami­li­en­jah­re geprägt. Wir haben von null auf eine kom­plett frem­de Spra­che gelernt. Das Leben mit den Men­schen dort zu tei­len, war ein rie­si­ges Vorrecht.
Geprägt hat uns das Wis­sen um die Armut und die reli­giö­sen Her­aus­for­de­run­gen in die­sem so bevöl­ke­rungs­rei­chen Land, in dem unse­re christ­li­chen Kol­le­gen treu gedient haben. Ihre unglaub­li­che Treue bei so weni­gen Res­sour­cen mit kaum aus­ge­bil­de­ten Per­so­nen haben wir bewun­dert. Es war schön zu sehen, wie Gott gehol­fen und gewirkt hat.

Hat die­se Zeit euren Blick auf Gott und Men­schen verändert?
Wir haben Got­tes Treue sehr hand­fest und per­sön­lich erlebt. Auch bei gesund­heit­li­chen Her­aus­for­de­run­gen hat Gott uns immer wie­der auf­ge­rich­tet und Hoff­nung geschenkt. Was uns auch kei­ner neh­men kann, ist die Erfah­rung: Got­tes Reich hat eine rie­si­ge Viel­falt – sie geht weit über unse­re eige­nen geist­li­chen und gemein­de­be­zo­ge­nen Prä­gun­gen hin­aus. Das gilt es einer­seits zu ent­de­cken und ander­seits auch zu akzep­tie­ren. Des­we­gen ist eine gesun­de Zurück­hal­tung ange­bracht, anstatt zu sagen, dass die eige­ne Prä­gung die ein­zig rich­ti­ge und abso­lut bes­te ist. Die­se Ein­stel­lung hilft, auch ande­re Dienst­ver­hält­nis­se auszuhalten.
Was uns sehr bewegt hat, ist die Groß­zü­gig­keit der ärme­ren Men­schen. Sie steht in einer Span­nung zum Reich­tum der west­li­chen Welt, wo man alles in zehn­fa­cher Opti­on hat.

Seid ihr als Fami­lie froh, heu­te in Kana­da zu leben – in dem Land, in dem du auf­ge­wach­sen bist?
Ja, wir sind dank­bar. 2023 haben wir einen Migran­ten­sta­tus bekom­men. Dadurch kön­nen wir als gan­ze Fami­lie dort leben und arbei­ten. Die Kin­der gehen ihren Weg und wir sind froh, dass wir als Fami­lie gemein­sam in der­sel­ben Gemein­de sind und jeder in der Gemein­de sei­nen Platz fin­det. Wir sind ger­ne in Kana­da, auch wenn uns bewusst ist, dass wir auch deut­sche Wur­zeln haben und es schön ist, hier mal wie­der Bekann­te und Ver­wand­te zu sehen.

Du lei­test die Lie­ben­zel­ler Mis­si­on Kana­da: Wel­che Her­aus­for­de­run­gen habt ihr als kana­di­scher LM-Zweig?
Wir haben die Her­aus­for­de­rung, dass wir als Orga­ni­sa­ti­on nicht aus einem Gemein­de­ver­band her­aus­ge­wach­sen sind und auch kei­ne theo­lo­gi­schen Aus­bil­dungs­stät­ten haben, die mit uns ver­bun­den sind. Gegen­über vie­len Deno­mi­na­tio­nen in Kana­da sind wir in einer „schwa­chen“ Posi­ti­on. Wir hat­ten vie­le treue, deutsch­stäm­mi­ge Freun­de und Unter­stüt­zer. Sie wer­den weni­ger. Es ist die Her­aus­for­de­rung, kana­di­sche Wur­zeln zu schlagen.

Gibt es eine Erfah­rung aus der letz­ten Zeit, in der ihr Got­tes Füh­rung beson­ders deut­lich erlebt hast?
Für eine Mis­sio­nars­fa­mi­lie, die lan­ge Zeit im Aus­land gelebt hat, ist es kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit, dass die gan­ze Fami­lie an einem neu­en Ort Fuß fasst und sich ent­fal­ten kann. Wir sind Gott dank­bar und stau­nen, wie jedes unse­rer Kin­der gera­de sei­nen Weg mit Jesus geht. Das konn­ten wir als Eltern nicht machen, aber wir fei­ern das und geben Gott dafür die Ehre.

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