„Es war herausfordernd schön“

Eine Frau steht hinter einem sitzenden Mann auf einer Holzbank im Freien, beide lächeln inmitten von Grünzeug.
Afrika war ein Schwerpunkt des Einsatzes von Dorothe und Paul Kränzler

Paul und Doro­the Kränz­ler waren 38 Jah­re im haupt­amt­li­chen Dienst für Jesus unter­wegs. Von 1988 bis 1992 in Libe­ria und Gui­nea, von 1993 bis 2006 in Mala­wi, von 2006 bis 2015 in Öster­reich und schließ­lich noch­mals von 2016 bis 2026 in Mala­wi. Nun gehen sie in den Ruhe­stand. Wir haben ihnen eini­ge Fra­gen gestellt.

Wie fällt euer Fazit nach 38 Jah­ren aus?
Wir waren sehr ger­ne in Afri­ka und hat­ten schö­ne und viel­fäl­ti­ge Auf­ga­ben. Wir sind dank­bar, dass es mög­lich war, die­se Arbeit zu tun. Das Gefühl, dass die Arbeit hof­fent­lich bald rum ist, hat­ten wir nie. Gera­de die Pro­jek­te „Chiso­mo“ und „Radio L“ in Mala­wi fan­den wir sehr span­nend. Ganz oft haben wir gemerkt, dass Gott Auf­ga­ben für uns vor­be­rei­tet hat und uns gebrau­chen woll­te. In Gui­nea war die Hit­ze manch­mal so uner­träg­lich, dass wir im Frei­en geschla­fen haben. Ins­ge­samt könn­ten wir unser Fazit so aus­drü­cken: Es war her­aus­for­dernd schön.

Was war für euch die schöns­te Zeit?
Es gab in jedem Ein­satz und jeder Lebens­pha­se schö­ne Zei­ten, auch wenn natür­lich nicht alles durch­ge­hend schön war. Libe­ria und Gui­nea waren die aben­teu­er­lichs­te Zeit. Es herrsch­te Bür­ger­krieg und vie­le Leu­te waren vom Gold­rausch mitgerissen.
Die ers­te Zeit in Mala­wi war her­aus­for­dernd, da wir auf dem Höhe­punkt der Aids-Kri­se vor Ort waren. In Öster­reich konn­ten wir in der Gemein­de­ar­beit viel aus­pro­bie­ren. Und beim zwei­ten Mala­wi-Ein­satz konn­ten wir förm­lich zuschau­en, wie Gott plant und uns gebrau­chen will.

Ihr habt viel Erfah­rung in Afri­ka. Was wer­det ihr an Afri­ka vermissen?
Kli­ma­tisch ver­mis­sen wir Afri­ka schon jetzt. Ansons­ten wer­den wir auf jeden Fall den respekt­vol­len und freund­li­chen Umgang mit­ein­an­der und das Zusam­men­le­ben mit den Men­schen ver­mis­sen – zum Bei­spiel mit unse­ren 20 Mit­ar­bei­tern der Radio­ar­beit auf dem Gelän­de. Zukünf­tig wer­den wir in einer Woh­nung in einem Haus in Salz­burg leben. Auch mit 20 Per­so­nen, aber ver­mut­lich wird man nichts mit­ein­an­der zu tun haben und sich kaum sehen. Das ist für uns eine fremd­ar­ti­ge Vor­stel­lung. In Mala­wi haben wir abends beim Spa­zier­gang stän­dig Leu­te getrof­fen, die wir kann­ten, und man kam immer gut ins Gespräch. Es wird sicher dau­ern, bis wir uns an die Anony­mi­tät in Euro­pa gewöhnen.

In den letz­ten Jah­ren war der Schwer­punkt eurer Arbeit der Ein­satz bei „Radio L“. Die­ses christ­li­che Radio wur­de vor allem von Men­schen des mus­li­misch gepräg­ten Yao-Stam­mes gehört. Wie kam es dazu und hat die Men­schen nicht gestört, dass sie ein christ­li­ches Radio hören?
Wir sind 2016 wie­der nach Mala­wi zurück­ge­kehrt und beka­men den Auf­trag, Mus­li­me zu errei­chen. Zusam­men mit drei wei­te­ren Part­nern haben wir das Radio-Pro­jekt gestar­tet. Bis heu­te ist unser Radio das ein­zi­ge in der Spra­che der Yao.
Dadurch, dass wir in Libe­ria und Gui­nea schon unter Mus­li­men gear­bei­tet hat­ten, hat­ten wir Erfah­rung in die­ser Auf­ga­be. Es war uns wich­tig, kei­ne Pre­dig­ten im übli­chen Sinn aus­zu­strah­len. Wir haben die Bibel erklärt und Brü­cken zu den Men­schen gebaut. Die meis­ten Mus­li­me leben einen Volks­is­lam, also kei­ne aggres­si­ve Form. In Mala­wi respek­tie­ren fast alle Men­schen Gott. Das ist ein guter Anknüpfpunkt.

Wird „Radio L.“ auch ohne euch weitergehen?
Das Team vor Ort macht wei­ter. Nach neun Jah­ren Lern­zeit sind sie dazu in der Lage. In vie­lem sind sie ohne­hin mehr die Fach­leu­te als wir. Wir haben koor­di­niert und die Zusam­men­ar­beit geför­dert und sind opti­mis­tisch, dass die Arbeit gut weitergeht.

Was hat euch über all die Jah­re moti­viert und auch durch schwie­ri­ge Zei­ten durchgetragen?
Bevor wir uns ken­nen­ge­lernt haben, wuss­ten wir bei­de unab­hän­gig von­ein­an­der, dass Gott uns in die Mis­si­on ruft. Er hat das bei uns auch immer wie­der auf­ge­frischt. Zum Bei­spiel, als er unse­re an Krebs erkrank­te Toch­ter gesund gemacht hat und wir wie­der nach Afri­ka gehen konn­ten. Das hat uns immer wie­der dar­an erin­nert, dass er uns hier gebrau­chen wollte.

Wenn ihr jetzt zurück­blickt: Wür­det ihr es noch­mals machen, so vie­le Jah­re als Mis­sio­na­re in Afri­ka zu arbeiten?
Defi­ni­tiv. Es war in Afri­ka weni­ger stress­reich als die zehn Jah­re als Pas­tor. Afri­ka war auch her­aus­for­dernd, aber die Men­schen dort haben eine ande­re Ein­stel­lung zum Leben. Schön war auch, dass wir nie einen Stau auf dem Weg zur Arbeit hat­ten, wir muss­ten uns kei­nem Dress­code unter­ord­nen und wur­den selbst nie in Fra­ge gestellt.In Afri­ka wol­len die Leu­te mit gro­ßem Inter­es­se wis­sen, was in der Bibel steht und sind offen für Gesprä­che über den Glauben.

 

Illustration einer Person, die eine Webseite hält, umgeben von Symbolen aus den Bereichen Wirtschaft, Technologie und Kreativität.

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