„In Sambia beten die Menschen in allen Situationen“

Eine lächelnde Frau mit langen grauen Haaren steht an einem Schreibtisch vor einem Whiteboard, trägt eine Brille und ein rot gemustertes Kleid.
Margit Schwemmle unterrichtet an der Evangelical University in Sambia

Mar­git Schwemm­le ist seit 2014 Dozen­tin an der „Evan­ge­li­cal Uni­ver­si­ty“ (EU) in Ndo­la und beglei­tet jun­ge Sam­bier in ihrer theo­lo­gi­schen Aus­bil­dung als Men­to­rin. Im Juni 2016 hat sie zusätz­lich die Stu­di­en­lei­tung über­nom­men. Nun strebt sie eine Pro­mo­ti­on an. Meh­re­re Jah­re über­brück­te sie die Vakanz in der Lei­tung der EU. Die frü­he­re Finanz­be­am­tin hat die Bibel­schu­le Bra­ke absol­viert und war danach mit der Lie­ben­zel­ler Mis­si­on in Mala­wi und in der Pio­nier­mis­si­on in Sam­bia im Ein­satz. Der­zeit ist Mar­git in Deutsch­land und berich­tet von ihrer Arbeit. Wir haben ihr eini­ge Fra­gen gestellt.

Du lebst und arbei­test schon seit 28 Jah­ren in Afri­ka, zuerst in Mala­wi, jetzt in Sam­bia. Fühlst du dich mehr als Afri­ka­ne­rin oder als Deutsche?
Die­se Fra­ge ist echt schwer zu beant­wor­ten. Meis­tens füh­le ich mich als bei­des. Manch­mal kommt das eine mehr durch, manch­mal das ande­re. Ich bin auf jeden Fall ent­spann­ter gewor­den als frü­her. In Afri­ka heißt es meis­tens: „Es wird schon irgend­wie.“ Ich habe gelernt, gelas­se­ner zu sein. Das fällt mir auf, wenn ich in Deutsch­land bin. In Afri­ka fehlt mir dann aber wie­der­um manch­mal die Gelas­sen­heit, weil zu vie­les nicht so funk­tio­niert, wie ich es ger­ne hätte.

Wie kann man sich die Evan­ge­li­cal Uni­ver­si­ty vor­stel­len, was ist das Beson­de­re bei euch?
Das Beson­de­re ist, dass wir kei­ner Deno­mi­na­ti­on ange­hö­ren. Der Trä­ger der Evan­ge­li­cal Uni­ver­si­ty ist die Evan­ge­li­sche Alli­anz in Sam­bia. Das spie­gelt sich auch in den Stu­den­ten und Dozen­ten wider, die aus ganz unter­schied­li­chen Gemein­den kom­men. Das ist ein gro­ßer Vor­teil und unser Allein­stel­lungs­merk­mal im Land. Meis­tens haben die ver­schie­de­nen Deno­mi­na­tio­nen ihre eige­nen theo­lo­gi­schen Aus­bil­dungs­stät­ten, die „ihre“ Leu­te nur in eine Rich­tung prä­gen wol­len. Die­se Viel­falt und unter­schied­li­chen Prä­gun­gen bei uns sind bereichernd.

Sam­bia gilt als christ­li­ches Land. Ste­hen da ange­hen­de Pas­to­ren nicht Schlan­ge für eine theo­lo­gi­sche Ausbildung?
Lei­der nicht. Die Attrak­ti­vi­tät des Berufs in Sam­bia ist eher gering – auch, weil die meis­ten Pas­to­ren schlecht bezahlt wer­den. Wer kann und will sich vier Jah­re Aus­bil­dung leis­ten, um dann in einem Job zu lan­den, mit dem man nicht ein­mal sei­ne Fami­lie ver­sor­gen kann? Dazu kommt, dass in man­chen Gemein­de­rich­tun­gen oft die Ansicht vor­herrscht: „Wir haben den Hei­li­gen Geist und brau­chen kei­ne theo­lo­gi­sche Aus­bil­dung.“ Die Wir­kung des Hei­li­gen Geists ist wich­tig, aber ohne eine fun­dier­te theo­lo­gi­sche Aus­bil­dung kann die Leh­re schnell ein­sei­tig werden.

Was moti­viert dich für dei­ne Arbeit an der EU?
Es ist geni­al zu sehen, wie sich die Stu­den­ten vom ers­ten bis zum vier­ten Stu­di­en­jahr ver­än­dern. Außer­dem moti­viert mich die Mög­lich­keit, Mit­ar­bei­ter und Dozen­ten so zu befä­hi­gen, dass sie ihre Auf­ga­ben im Klas­sen­zim­mer, den Büros und der Biblio­thek gut wahr­neh­men können.

Du hat­test inte­rims­wei­se die Lei­tung der Hoch­schu­le über­nom­men – eigent­lich für ein paar Mona­te. Dar­aus sind zwei­ein­halb Jah­re gewor­den. Wie kam es dazu und bist du froh, dass die Lei­tung nun wie­der in sam­bi­schen Hän­den liegt?
Gott sei Dank! Ja, ich bin sehr froh, dass die Lei­tung nun wie­der in sam­bi­schen Hän­den liegt. Ursprüng­lich war ange­dacht, dass ich sechs Mona­te über­brü­cke. Es wur­de dann aber schnell klar, dass es län­ger wür­de. Ich war für den Vor­stand eine neu­tra­le und kos­ten­güns­ti­ge Lösung, weil ich kei­ne Deno­mi­na­ti­on ver­tre­te und durch die Lie­ben­zel­ler Mis­si­on bezahlt wur­de. Die Evan­ge­li­sche Alli­anz als Trä­ger zu haben, hat vie­le Vor­tei­le, aber auch einen Nach­teil: Es muss geklärt wer­den, aus wel­chem geist­li­chen Hin­ter­grund der neue Lei­ter kommt und wer die Finan­zie­rung der Posi­ti­on über­nimmt. Das ist dann gar nicht so leicht zu entscheiden.

Was kön­nen Chris­ten in Deutsch­land von sam­bi­schen Chris­ten lernen?
Der natür­li­che Umgang mit dem Gebet. In Sam­bia beten die Men­schen in allen Situa­tio­nen – zum Bei­spiel auf der Stra­ße oder im Büro. Die Men­schen haben kei­ne Scheu, ihr Herz vor Gott aus­zu­schüt­ten. Da kön­nen wir etwas davon lernen.

Auf was freust du dich wäh­rend dei­ner Zeit in Deutsch­land am meisten?
Ich freue mich, mehr Zeit für Fami­lie, Freun­de, Besu­che und Kon­tak­te zu haben. Und ich freue mich auch, ein­fach mal nicht auf­zu­fal­len. Das ist als Wei­ße in Sam­bia immer noch etwas, was mir manch­mal schwerfällt.

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Illustration einer Person, die eine Webseite hält, umgeben von Symbolen aus den Bereichen Wirtschaft, Technologie und Kreativität.

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