Gebet als Kraft bei inneren Kämpfen
BAD LIEBENZELL. Rund 950 Jugendliche und junge Erwachsene trafen sich vom 27. Februar bis 1. März zum Beten, Feiern und Gott begegnen. Sie nahmen amYouth Prayer Congress (YouPC) der Liebenzeller Mission teil. Bereits zum 26. Mal fand dieser Gebetskongress in Bad Liebenzell im Nordschwarzwald statt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer befassten sich durch Vorträge, Seminare und an kreativ gestalteten Stationen mit dem Thema Gebet.
Zu Beginn des Kongresses erinnerten die Veranstalter an die Anfänge der Liebenzeller Mission. Ende des 19. Jahrhunderts betete Schwester Lina Stahl elf Jahre lang dafür, dass aus dem Schlossberghügel in Bad Liebenzell ein „feuerspeiender Berg“ werde, von dem aus die gute Nachricht von Jesus Christus in aller Welt verkündigt wird. 1902 siedelte Pfarrer Heinrich Coerper mit dem deutschen Zweig der China-Inland-Mission nach Bad Liebenzell um. Wenige Jahre später benannte sich die Organisation in „Liebenzeller Mission“ um. Heute gehören zu dem Missionswerk rund 250 Missionarinnen und Missionare in etwa 30 Ländern.
Bernd Stamm aus dem Leitungsteam des Kongresses wünschte den jungen Teilnehmern persönliche Begegnungen mit Jesus Christus: „Den Youth Prayer Congress gibt es, damit du Gott begegnest. Er klinkt sich in den alten Auftrag der Liebenzeller Mission und den uralten Auftrag von Jesus Christus ein: Menschen sollen Jesus finden. Deshalb sind wir alle hier.“ Das Kongress-Motto „Hidden Fights“ (Verborgene Kämpfe) sei für viele junge Christen sehr aktuell: „Lasst uns gemeinsam lernen, wie wir in Herausforderungen Gott hineinnehmen können und erleben, welche Power im Gebet liegt.“
In verschiedenen Gebetsräumen konnten die Jugendlichen entsprechend ihrer Interessen unterschiedliche Gebetsformen erleben: Poetry, Kreativ-Raum, Alltagshelden-Talk, Abendmahlsfeier, Tanz, Bestaunen der Schöpfung oder Gebetsspaziergang.
Hauptredner des Jugendgebetskongresses war Luca Eichel, Gemeindegründer der Liebenzeller Mission in Frankfurt/Main. Er sagte, dass Gott die Menschen mit einem ganz besonderen Sinn erschaffen habe: „Unser ganzes Leben soll Gottes Eigentum sein. Wir sind erschaffen für Anbetung.“ Manchmal sei es schwer, auf Gott zu sehen, wenn es im Leben drunter und drüber gehe. „Aber es ist Gottes Plan, dass du und ich seine Kinder sind. Er sagt: ‚Ich will dich gebrauchen. So wie du bist. Sei ein Teil der Geschichte, die ich mit dieser Welt schreibe‘“, so Luca Eichel.
In der zweiten Predigt stand das Thema Fürbitte im Mittelpunkt. Luca Eichel sagte, dass sich auch Christen immer wieder fragen, welchen Sinn ihr Gebet überhaupt habe: „Was bringt es überhaupt, dass ich als kleiner Mensch bete?“, laute eine der zentralen Fragen. Laut Luca Eichel nehme Gott jeden Menschen und jedes Gebet ernst. Der Mensch sei Gottes Gegenüber und bete daher nicht vergeblich: „Wir beten zu Jesus, der alles kann, dem alles gehört und dessen Leib wir als seine Kirche sind.“ Im Gebet verbinde man sich mit einer Kraft, die weit größer sei als man selbst.
Luca Eichel sprach auch über das Thema Wachstum im Glauben. Das habe nichts damit zu tun, mehr Wissen anzusammeln, sondern immer mehr zu entdecken, wie sehr Gott uns liebt: „Damit kommen wir zu der ganzen Fülle des Lebens, die Gott für uns bereithält.“ Vermutlich jeder Mensch kenne den Gedanken, nur etwas wert zu sein, wenn man etwas leiste: „Unsere Welt ist voll von Beziehungen, die so laufen, dass ich angenommen bin, solange ich etwas leiste oder geben kann.“ Diese Art von Beziehungen präge uns so sehr, dass wir oft von Angst getrieben seien. Anders sei es bei Gott: „Bei ihm sind wir bedingungslos geliebt. Er will uns nicht nur so lange bei sich haben, wie er uns brauchen kann, sondern bis ans Ende.“
Im Seminar „Paulus und die Epheser“ sprach Prof. Dr. Volker Gäckle, Rektor der Internationalen Hochschule Liebenzell, wie das Evangelium eine antike Stadt eroberte. Weitere Seminare drehten sich um Sexualität, Pornografie, weltweite Christenverfolgung, Familiengründungen und wie man Gottes Stimme hören kann.
Bei einem Gebetseinsatz boten Teilnehmer Menschen in der Region an, für sie zu beten.
Edgar Luz, Rektor der Interkulturellen Theologischen Akademie, sprach im Seminar „Unerhört“ über den Umgang mit nicht erhörten Gebeten. Gleich zu Beginn stellte er klar, dass ausbleibende Gebetserhörungen keine Ausnahme seien. Vielmehr seien unerhörte Gebete „eher die Regel im Leben“. Luz verwies darauf, dass es zahlreiche Bibelstellen gebe, die scheinbar versprechen, dass Gott jede Bitte erfülle. Wer solche Aussagen aus dem Zusammenhang reiße, könne jedoch schnell entmutigt werden. „Unsere Theologie sagt, dass Gott gut ist und dass er uns liebt“, sagte Luz. Genau diese Überzeugung stehe jedoch in Spannung zu unerhörten Gebeten. „Wir wissen, dass Gott kann und will“, erklärte er, und gerade deshalb sei es so herausfordernd, wenn Gott scheinbar schweige. Er warnte zugleich davor, in schwierigen Situationen entweder die eigene Theologie zu verändern oder Situationen zu meiden, in denen man von Gott enttäuscht werden könnte. Die Lösung liege an einer anderen Stelle: „Die Spannung zwischen Theologie und Erfahrung löst sich heilend in der Klage!“, betonte Luz. Er erinnerte an eine Aussage Martin Luthers, der zufolge Gott Gebete auf drei Arten beantworte: Ja, Nein und Warte. Ein „Ja“ führe dazu, dass Gott die größere Ehre bekomme. Ein „Warte“ deute auf einen größeren Plan hin. Ein „Nein“ sei nicht Ausdruck göttlicher Ablehnung, sondern Hinweis darauf, dass Gott etwas anderes vorhabe. Die christliche Hoffnung, so Luz, sei immer von einer Ewigkeitsperspektive getragen. „Wir glauben daran, dass Gott kann, aber wir müssen damit rechnen, dass er es nicht tut.“ Manchmal fühle sich das Leben an „wie Karsamstag – nach der Kreuzigung, aber vor der Auferstehung“.
Mit beim YouPC dabei waren auch Missionare aus dem Ausland und aus Deutschland. Deborah Schutte arbeitet im Hoffnungshaus in Bad Liebenzell. Dort leben Christen und Nicht-Christen, Deutsche und Nicht-Deutsche zusammen. Durch das integrative Projekt für geflüchtete Menschen, so ihre Hoffnung, sollen aus Fremden Freunde werden.Die Musik an dem Wochenende kam von der Band „ELI Collective“.Der nächste Youth Prayer Congress findet vom 26. bis 28. Februar 2027 statt.













