BAD LIEBENZELL. „Glaube an Gott ist eine Beziehung, keine Religion.“ Das sagte Prof. Dr. Mihamm Kim-Rauchholz bei der „eXchange conference“ am 19. September in Bad Liebenzell. Rund 650 junge Erwachsene nahmen daran teil. Veranstalter waren der Süddeutsche und Südwestdeutsche Jugendverband „Entschieden für Christus“ (EC) gemeinsam mit der Liebenzeller Mission. Ziel dieser Konferenz war es, junge Menschen für ihren Alltag als Christen durch globale Perspektiven neu zu inspirieren. Außerdem sollten Möglichkeiten zum Netzwerken geschaffen werden. Das Thema der Konferenz war „Lichterloh – Brannte nicht unser Herz?“. Sie fand in diesem Jahr zum letzten Mal statt.
Mihamm Kim-Rauchholz, theologische Referentin der Liebenzeller Mission, war die Hauptrednerin der Konferenz. Sie sprach über die biblische Geschichte der Emmaus-Jünger. Die ganze Bibel mache deutlich, dass Glaube immer Beziehung sei: „Wenn wir diese Weiche einmal falsch stellen, kippt alles andere in unserem Leben um wie eine Dominoreihe.“ Beziehung sei die Grundlage für Glauben, Verständnis, Gottesbild, Theologie und Leben. Biblische Geschichten seien dazu da, dass sie uns etwas über das Wesen Gottes zeigen. In der Geschichte über die Emmaus-Jünger, als Jesus ihnen nach seiner Auferstehung auf dem Weg in den kleinen Ort Emmaus begegnete, zeige sich die Wertschätzung Gottes für einzelne Menschen, sagte Mihamm Kim-Rauchholz: „Jesus gesellte sich nicht zu den Jüngern, die übersprudeln vor Freude. Er gesellte sich zu den Jüngern, die verwirrt, ratlos und träge geworden sind.“ Sein Fokus habe nicht auf dem Jerusalemer Tempel oder Rom als Zentrum der Welt gelegen, sondern auf einem Weg nach Emmaus, einem völlig unbekannten und unwichtigen Ort, in der Begegnung mit zwei eher unbekannten Jüngern: „Jesus ist nicht falsch abgebogen. Es war eine Entscheidung, die deutlich macht, wo die Priorität Gottes liegt, wofür sein Herz brennt: bei zwei unbekannten Personen. Das ist Wertschätzung. Das ist der Zünder für Gottes brennendes Herz.“ Die Grundlage aller geistigen Erneuerung sei nicht, dass wir uns im Griff haben, sondern dass sich der auferstandene Jesus zu uns auf unseren Weg gesellt: „Eine echte Beziehung ist nur mit dem echten Du möglich. Nicht mit einer vermeintlich frommen Person, die du vorgibst zu sein. Unser Herz kann niemals brennen, wo wir nicht ehrlich sagen dürfen, wer wir sind, wo wir sind und was wir sind.“ Es sei gut, wenn unsere Vorstellungen von Gott immer mal wieder zerstört würden, sagte Mihamm Kim-Rauchholz: „Das ist der Beweis dafür, dass Gott real ist. Götter, die nicht real sind, können unsere Vorstellungen gar nicht sprengen. Wenn unser Herz nicht brennt, liegt es allein daran, dass wir unseren Fokus nicht auf Jesus Christus legen oder ein falsches Bild von ihm haben. Die Mitte des christlichen Glaubens ist nicht eine Erklärung, sondern eine Person.“ Echter Glaube sei authentisch und lege den richtigen Schwerpunkt, so Mihamm Kim-Rauchholz. „Wenn wir unseren Fokus nicht auf Jesus Christus legen, sondern auf unsere theologischen Lieblingsthemen, dann wird das auch unsere Botschaft sein. Wenn hingegen unser Glauben aus einer tiefen Beziehung zu Jesus geprägt ist, werden andere irgendwann den Christus in uns spüren.“
Lena und Florian Küpper berichteten von ihrer Arbeit als Missionare in Sambia. Sie werden sich in Mushili einbringen, einer Stadtrandsiedlung von Ndola. Dort bestimmen wenige Berufsmöglichkeiten und einseitige Ernährung den Alltag vieler Menschen. Durch Schulungen im alternativen Feldbau bekommen Kleinbauern Tipps, wie sie die Umwelt schonen und die Erträge steigern können. Jugendliche bekommen durch Sport- und Bildungsangebote neue Perspektiven.
Am Nachmittag konnten die jungen Menschen aus verschiedenen Seminaren auswählen. Michael Kirchdorfer, Dozent an der Interkulturellen Theologischen Akademie, sprach darüber, wie man eine gesunde Leidenschaft für den Glauben von Fanatismus unterscheiden kann. Lena und Florian Küpper gaben Tipps, wie man Glauben im Alltag teilen kann. Prof. Dr. Roland Deines, Dozent an der Internationalen Hochschule Liebenzell, sprach darüber, was es heißt, die Bibel „christozentrisch“ zu lesen.
In einem Live-Podcast sprachen Lena Küpper, Missionarin in Sambia, und Wirtschaftsingenieur Josua Dürrstein darüber, wie sie Glaubenszeuge im Alltag sind. Lena Küpper sagte, dass man auch als hauptamtliche Mitarbeiterin immer wieder geistlichen Input brauche. Sie profitiere zum Beispiel von christlichen Podcasts, die sie regelmäßig höre. Sein Alltag sei häufig durch Stress geprägt, sagte Josua Dürrstein. Bewusste Ruhepausen und den Mut, Anfragen auch mal abzusagen, würden ihm helfen – genauso wie ein kleiner enger Kreis, der einen tief und ehrlich kennt: „Gemeinschaft ist wichtig. Wir sind nicht berufen, Einzelkämpfer zu sein.“
Den ganzen Tag über gab es verschiedene Sport- und Aktivangebote wie Spikeball, Wikingerschach, Torwandschießen, Slackline, Kreativwerkstatt oder Exit Game. Einige junge Leute nahmen am Nachmittag an einem missionarischen Einsatz teil. Ein extra für die Konferenz eingerichteter Gebetsraum lud die Teilnehmer zum persönlichen oder gemeinsamen Gebet ein. In diesem Jahr fand die „eXchange conference“ zum letzten Mal statt. Der Personal- und Finanzaufwand sei im Vergleich zu den Teilnehmerzahlen zu hoch, so die Veranstalter. Es stünden Überlegungen für ein neues Format an.
