„Mission in Frankreich ist heute leichter, aber nicht einfacher“

Ein lächelndes Paar mittleren Alters, das gemeinsam posiert.
Susanne und Norbert Laffin

Nor­bert und Susan­ne Laf­fin arbei­ten seit 1990 in Frank­reich. Der ers­te Ein­satz­ort war Cou­tances. Dort grün­de­ten sie eine Gemein­de, die mitt­ler­wei­le selbst­stän­dig ist. Seit Som­mer 2017 sind sie in Alen­çon tätig. Mit knapp 30.000 Ein­woh­nern ist sie die größ­te Stadt im Land­kreis Orne in der Regi­on Normandie.
Nor­bert hat die Aus­bil­dung am Theo­lo­gi­schen Semi­nar der Lie­ben­zel­ler Mis­si­on absol­viert. Susan­ne ist gelern­te Kran­ken­schwes­ter. Sie haben sechs erwach­se­ne Kinder.
Wir haben ihnen eini­ge Fra­gen gestellt.

Ihr seid seit 1990 in Frank­reich. Was hat sich in der Zeit für euch in der Mis­si­ons­ar­beit verändert?
Unse­re Auf­ga­be ist heu­te kei­ne rei­ne Pio­nier­ar­beit mehr. Wir haben damals in einer länd­li­chen Gegend bei null ange­fan­gen und vie­le Jah­re gebraucht, bis eine sta­bi­le Zahl an Chris­ten zu einer Gemein­de zusam­men­ge­wach­sen ist. Seit neun Jah­ren sind wir nun in Alen­çon in der Gemein­de­ent­wick­lung. Hier haben wir die Struk­tur über­ar­bei­tet, einen Ver­ein gegrün­det, eine recht­li­che Vor­ga­be, und dür­fen mehr Mit­ar­bei­ter för­dern. Und wir erle­ben immer öfter, dass suchen­de Men­schen dazustoßen.
Rück­bli­ckend wür­den wir sagen: Mis­si­ons­ar­beit ist leich­ter gewor­den, wenn auch nicht ein­fa­cher. Leich­ter, weil man heu­te unvor­ein­ge­nom­me­ner über den Glau­ben reden kann. Weni­ger Men­schen haben Vor­ur­tei­le gegen­über Chris­ten als frü­her, und sie sind oft neu­gie­rig. Das bedeu­tet nicht auto­ma­tisch, dass es ein­fa­cher ist, dass sie zum per­sön­li­chen Glau­ben kom­men. Mit Gott von Mensch zu Mensch zu arbei­ten, bedeu­tet immer, in Bezie­hun­gen zu inves­tie­ren. Es geht nach wie vor um Ein­zel­ne, und jeder hat sei­ne eige­ne Geschich­te. Es bleibt eine Diaspora-Arbeit.

Wo erlebt ihr Hun­ger nach Glau­ben und Orientierung?
In den letz­ten Jah­ren vor allem bei jün­ge­ren Men­schen, Stu­den­ten, jun­gen Erwach­se­nen. Manch­mal auch bei älte­ren Leu­ten, die schon mal in einer Gemein­de waren und vor­sich­tig fra­gen, ob sie auch ein­mal bei uns vor­bei­schau­en dürf­ten. Außer­dem gibt es auch vie­le Men­schen aus ande­ren Län­dern, die zu uns kom­men. Sie sind oft schon Chris­ten und auf der Suche nach einer Gemeinde.

Arbei­tet ihr auch mit ande­ren Gemein­den zusammen?
Unse­re Gemein­de hat sich fol­gen­den Namen gege­ben: „Con­nect“. Das ist auch das, was wir leben wol­len: In unse­rer moder­nen Gesell­schaft Men­schen mit­ein­an­der, mit Gott ver­bin­den. Wir tref­fen uns regel­mä­ßig mit ande­ren Gemein­den auf der Basis der Evan­ge­li­schen Alli­anz. Das ist ein gutes Mit­ein­an­der. Für uns hat das auch eine öku­me­ni­sche Sei­te, mit der refor­mier­ten und der katho­li­schen Kir­chen­ge­mein­de. Die Zahl der evan­ge­li­ka­len Chris­ten und Gemein­den in Frank­reich ist in den letz­ten Jah­ren enorm gewach­sen. So ist mitt­ler­wei­le eine Begeg­nung auf Augen­hö­he und ein respekt­vol­les Mit­ein­an­der mög­lich. Zur­zeit berei­ten wir jedes Jahr eine Pas­si­ons­an­dacht am Kar­frei­tag und einen gemein­sa­men Gebets­abend vor.

Was hat euch gehol­fen, über so vie­le Jah­re moti­viert zu bleiben?
Der Wech­sel in eine neue Stadt vor ein paar Jah­ren hat gut­ge­tan. Wir kamen in einen klei­nen bestehen­den Kreis. Hier soll­ten und konn­ten wir neu krea­tiv wer­den – in einer neu­en Stadt, in einer neu­en Situa­ti­on und wir fan­den an ver­schie­de­nen Stel­len bereits fähi­ge Leu­te vor. Und wir haben gemerkt, dass wir gebraucht wer­den. Das moti­viert. Wir haben viel Ermu­ti­gung erfah­ren und immer wie­der zu hören bekom­men, dass es gut ist, dass wir da sind. Wir stan­den zusam­men und erleb­ten Got­tes kon­kre­te Hil­fe, gera­de in schwe­re­ren Zei­ten. Und jedes Mal, wenn wir Zeu­ge davon sind, wie ein Mensch den Weg in die Gemein­de fin­det und über sie zum Glau­ben an Jesus, sind wir sicher, am rich­ti­gen Platz zu sein.

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