AUSGABE 1/2 – JAnUAr / FEBrUAr 2017 www.liebenzell.org MiSSiON Danke, mir geht's schlecht! mit Krankheit leben Niger: Inschallah – Allah will es so Japan: Krebs – ein Tsunami? Sambia: Vom warum zum Lob Mit Sonderbeitrag von Hartmut Wacker
2 20 10 darum geht’s 4 Danke, mir geht's schlecht! Mit Krankheit leben Martin Auch 5 Tansania: glücklich im rollstuhl Emmi Riegert 6 Malawi: gott hält bei Krankheit und im tod Paul Kränzler 8 Frankreich: wenn sich schwache menschen an den starken gott wenden Norbert Laffin 10 Sambia: vom warum zum lob Julia Wittmann 12 Niger: Krankheit und tod: inschallah – allah will es so Dr. Esther Pflaum 14 Kanada: ich habe die hand des herrn gesehen Rita Mattmüller 16 russland: Nummer eins auf der wunschliste Schwester Sabine Matthis 17 Japan: Krebs – ein tsunami? Schwester Gretel Ruoff 19 interkulturelle Teams Deutschland: ein unglück im ausland Siegfried Ulmer soNderBeitrag 20 Krankheit und Leiden Hartmut Wacker KlarteXt 3 Auf diesen Stein können Sie bauen! Detlef Krause lieBeNZeller missioN aKtuell 22 Danke für ihre Hilfe! 22 Taufen in der Normandie 24 Mission wird (be)greifbar missioNare KoNKret 23 Neue Missionare vorgestellt ihl uNd ita KoNKret 26 Neue Studenten das emPfehleN wir 18 Buchtipps 24 medien der liebenzeller mission PersÖNliChes 28 abschied und Neuanfang 28 missionare unterwegs 28 geburten, hochzeit, hohe geburtstage, verstorben da BiN iCh willKommeN 29 tipps und termine die lm im tv 31 tv-Programm Januar/februar was maCheN eigeNtliCh … 32 … Werner und edith Bühler? 31 impressum das erwartet mich 8 Titelbild: Frauen in Bangladesch haben es oft besonders schwer. Foto: Wolfgang Stauß In Krankheitszeiten habe ich wie nie zuvor begriffen, was mit Gnade gemeint ist. Wenn man krank ist, verliert alles andere an Bedeutung. Gnade habe ich als mein absolutes Grundbedürfnis erlebt. Kristina Ziegler studiert gemeindepädagogik an der ihl Ich bekam mit gerade mal vier Jahren Diabetes Typ 1. Wirklich schlecht habe ich mich nie gefühlt, aber in der Kindheit manchmal benachteiligt gegenüber anderen Kindern. Doch je älter ich wurde, desto mehr konnte ich begreifen, dass Gott versorgt und einen guten Plan für einen hat, trotz Krankheit. Anna Fraschmacht eine ausbildung zur erzieherin Zum Thema dieser
missioN weltweit 1–2/2017 25 Sind wir „Fundamentalisten“? Es kommt darauf an, wie man das Wort versteht. Wer damit meint, dass jemand einer vorgegebenen Lehre anhängt, die für ihn exklusive Wahrheit ist, die er manipulativ und wenn nötig anderen gegenüber verbal oder auf andere Art durchsetzt, dann sind wir selbstverständlich keine Fundamentalisten. Eine derartige Denk- und Handlungsweise widerspricht dem, was wir bei Jesus gesehen und von ihm gelernt haben. Wir gehören nicht zu den Fanatikern, Streithähnen oder gar Bombenlegern. Wir sind Fundamentalisten, weil wir ein festes Fundament im Leben und im Glauben haben. Wir wissen, dass man im Leben ohne tragendes Fundament nicht auskommt. Wer am Fundament spart, zahlt später einen hohen Preis. Christen haben ein Fundament. Sie denken nicht fundamentalistisch, aber fundamental. Sie gehen den Dingen auf den Grund. Sie entscheiden nicht nur pragmatisch aus der Situation heraus und auf dem Hintergrund einer momentanen Nützlichkeit, sondern betrachten ihr Leben, die Gesellschaft und anstehende Entscheidungen im Zusammenhang mit dem, was Gott in seinem Wort gesagt hat. Das Fundament der Kirche und eines jeden Christen ist Jesus Christus. Paulus schreibt diesbezüglich an die Korinther: „Das Fundament ist bereits gelegt, und niemand kann je ein anderes legen. Dieses Fundament ist Jesus Christus!“ Kirche ist nicht die Erfindung und Spielwiese von charismatisch begabten und theologisch versierten Menschen. Paulus gründete die Gemeinde in Korinth, war aber nicht der Grund, auf dem sie stand. Er band die Menschen nicht an sich, sondern stellte sie und ihren Glauben auf das Fundament Jesus Christus. Immer wieder betont Paulus diesen Punkt in seinen Briefen: „Wir verkündigen nicht uns selbst, sondern Christus, dass er der Herr ist.“ Das Fundament aller Christen ist Jesus Christus: Gott, Mensch geworden, als Mensch gelebt, am Kreuz gestorben, von den Toten auferstanden. Er ist der Herr des Universums. Er wird wieder kommen und eine neue Welt schaffen. Wenn wir Jesus ansehen, schauen wir in Gottes Angesicht. In ihm ist die Freundlichkeit und Barmherzigkeit Gottes erschienen. Er spricht uns das Wort der Vergebung zu. Er spricht das Machtwort in unserem Leben und in dieser Welt. Bei Jesus Christus gilt: „Auf diesen Stein können Sie bauen!“ Das galt damals, und es gilt heute. Wer sein Leben auf ihn baut, wird fundamental anders handeln, als es gesellschaftlich üblich ist. Sein Maßstab heißt: „Liebet eure Feinde!“ Wer so denkt, handelt nicht fundamentalistisch. Ihr Pfarrer Detlef Krause Direktor auf diesen stein können sie bauen! aKtuelle iNfos O im internet unter: www.liebenzell.org O in der wöchentlichen Gebetsmail (bitte anfordern): www.liebenzell.org/ gebetsanliegen O vomBand abhören: telefon 07052 17-111 sPeNdeN liebenzeller mission sparkasse Pforzheim Calw iBaN: de27 666500850003 3002 34 BiC: PZhsde 66 die liebenzeller mission ist als gemeinnützig anerkannt. spenden, schenkungen und vermächtnisse müssen nicht versteuert werden. Bitte vermerken sie den beim artikel angegebenenSpendencode auf ihrer Überweisung, wenn sie diese arbeit unterstützen möchten. herzlichen dank! 3 Christen sind fundamentalisten! ich höre schon den leisen aufschrei im land: wussten wir es doch, wie die in liebenzell ticken! Klartext Mithelfen: SPEnDEnCoDE 1440-32 S 2 Mithelfen: SPEnDEnCoDE 1440-32
4 darum geht‘s Auch Christen sind von Leid, Unrecht und Elend betroffen. Sie sind nicht ausgenommen von den Folgen unserer gefallenen Welt (1. Mose 3) und tragen auch als Nachfolger des Siegers Jesu immer wieder sehr schwer an ihr. In diesem „Tragen mit Gottes Hilfe“ gehören Kranke und ihre Weggefährten zu den Helden des Glaubens heute. Viele von ihnen sind mir zum Vorbild geworden. Als im April 2016 Dorothea Seng, unsere frühere Japan- und Sambia-Missionarin, mit 44 Jahren an einem Hirntumor starb, prägte sich mir das Resümee ihres trauernden Vaters, Hermann Seng, ein: „Nicht Krankenheilung ist das größte Wunder, sondern dass Jesus einen neuen Menschen geschaffen hat – unsterblich.“ Krankheit und Heilung. Wir kennen beides – deshalb berichten wir über beides. Ich wünsche Ihnen, dass die folgenden Seiten zur differenzierten Hilfe, ja zum Segen für Ihren Lebensweg werden. Möge das in allen Situationen gelten. Im neuen Jahr und darüber hinaus. In herzlicher Verbundenheit Ihr Martin Auch, Missionsdirektor Aber diese Ausgabe ist ebenso ein Credo von Kämpferinnen und Kämpfern, von Mitkämpferinnen und Mitkämpfern, die ihren Kampf nicht in der „normalen“ Lebenswelt der Gesunden kämpfen und auch nicht in der Denkwelt der Starken. Hier schrieben keine Besserwisser, sondern Betroffene. Die Verfasser und Interviewpartner kommen aus aller Welt. Sie kämpfen mit der überall gleichen Sorge und Angst. Und auch in der Hoffnung sind sie eins: Sie alle suchen und finden in diesem Kampf ihren Halt in Jesus Christus. Er steht uns in Leid, Krankheit und Tod bei und steht immer über allem. l So werden Esther in Tansania, Barbara in Malawi, Julia in Sambia und Salifou im Niger zum Vorbild für ihr Umfeld dort – und auch für Sie (Seite 5, 6–7, 10–11, 12–13). l Eine Gemeinde in der Normandie wagt den mutigen Schritt und macht das Gebet für Kranke zum Gottesdienstthema (Seite 8–9). l Im Sonderbeitrag gibt Hartmut Wacker wichtige Einsichten weiter (Seite 20–22). l Die Situationen in Todesangst stehen zwei Missionarinnen immer noch vor Augen. Sie versuchen, die gelernten Erfahrungen lebendig zu halten – und teilen sie mit uns (Seite 14–15, 17). Wenn Blinde von der Farbe reden ist das, wie wenn Gesunde über Krankheit schreiben? Die Inhalte dieser „Mission weltweit“ wühlen auf. Es ist eine Ausgabe über den Kampf mit der Krankheit, die plötzlich übermächtig ins Leben tritt. Für sie typisch ist die Angst, die wie Schatten ins Innere der Seele kriecht. Es ist ein Heft über diese Grenzen im Leben, vor denen jeder von uns immer wieder steht. Danke, mir geht’s schlecht! mit Krankheit leben Tipp: Ich empfehle Ihnen zum Thema dieser Ausgabe die hörenswerte Doppel-CD von Eckart zur Nieden, „Hör mal her, liebe Seele“, SCM ERF-Verlag PS: Unter der Rubrik „Missionare konkret“ stellen wir Ihnen neue Missionare etwas ausführlicher vor. Vielleicht möchten Sie „die Neuen“ besonders umbeten und unterstützen?
5 missioN weltweit 1–2/2017 FoToS: EMMI rIEGErT Auf den Straßen Daressalams sieht man viel Elend. Die zerlumpten Bettler kämpfen ums Überleben. Wer nicht laufen kann, rutscht auf der heißen, staubigen Teerstraße zwischen den Autos herum. Blinde lassen sich von Kindern zu den Autos führen. Auch Menschen mit entstellten Händen hoffen auf spendierfreudige Fahrer. Behinderte Menschen empfindet man in Tansania vielfach als Last, und man will möglichst wenig mit ihnen zu tun haben. In unserer Werkstatt für 13 körperbehinderte Menschen ist das anders: Wir zeigen ihnen, dass sie wertvoll sind für Gott und für uns. Als ich Esther hier zum ersten Mal traf, staunte ich über ihre fröhliche Art. Die junge Frau beklagt weder ihr Schicksal, noch ist sie bitter – obwohl sie sich ohne Rollstuhl nicht bewegen kann und ans Haus gebunden ist, weil die Dreckstraßen mit den Wassergräben große Hindernisse sind. Esthers Vater starb, als sie vier Jahre alt war. Das Leid wurde noch größer, als die Verwandten des Vaters dessen Besitz für sich beanspruchten. Der Mutter wurde alles genommen. Sie musste mit ihren vier Kindern bei den Schwiegereltern in Mbeya im Süden bleiben und sich mit der Suche und dem Verkauf von Feuerholz über Wasser halten. Damals wurde Esther plötzlich krank. Sie fiel ins Koma und wurde auf der Intensivstation acht Monate lang künstlich ernährt und beatmet. Als sie erwachte, hatte sie kein Gefühl mehr vom Bauch an abwärts. Die Mutter brachte Esther in die Kirche, um für sie zu beten. Das Wunder geschah: Esther fühlte ihre Beine wieder! Aber sie wuchsen nicht weiter und blieben kraftlos. Nur in der Kirche bekam Esthers Mutter Unterstützung, und dort wurde auch Geld für die Fahrkarten zurück nach Daressalam gesammelt. Der Vater besaß dort ein Zimmer, von dem die gierigen Verwandten nichts wussten. Hier konnte die Mutter mit den Kindern bleiben. Der Pastor von Mbeya hatte ihr auch einen Brief an den Pastor in Daressalam mitgegeben. Dieser kannte eine Internatsschule für behinderte Kinder, und Esther konnte mit sieben Jahren endlich zur Schule gehen. Der Pastor und katholische Schwestern halfen, das Schulgeld aufzubringen, und die Mutter besuchte ihre Tochter oft. Esther lernte im Internat, sich selbstständig zu versorgen. Sie war eine gute Schülerin. Als die Mutter kein Geld für die Schuluniform an der weiterführenden Schule hatte und der Lehrer sie deshalb vom Unterricht ausschloss, schrieb Esther den Stoff drei Monate lang von Mitschülerinnen ab, bis sich eine Frau bei der Schulleitung für sie einsetzte. Aber dann starb die Mutter ganz plötzlich. Für Esther folgten vier schwere Jahre. Die Abschlussprüfung bestand sie nicht, sie hatte sich aufgegeben. Doch schließlich kam sie in Kontakt mit Missionaren und konnte eine zweijährige Ausbildung zur Sekretärin machen. Ihre Lebensfreude kehrte zurück. Nach einem guten Abschluss begann sie bei uns in der Werkstatt zu arbeiten. Esther ist unsere Schlüsselfigur, da sie viel weiß, Englisch spricht und Gebärdensprache beherrscht. Alle schätzen und achten sie. Mittlerweile ist sie verheiratet und hat einen kleinen Sohn. Oft gibt es in unserem Leben Dinge, die nicht so laufen, wie wir es uns vorgestellt haben oder wünschen. Jeder hat seinen eigenen Rucksack zu tragen. Aber Gott streckt uns seine Hand entgegen, er bietet uns seine Hilfe an, gerade auch auf den schwierigen Wegstrecken. Nehme ich sein Angebot an und wage Schritt für Schritt, an seiner Hand vorwärtszugehen? Vertraue ich ihm, dass er mein Leben doch noch zum Guten wenden kann? Oder gebe ich auf, weil ich keine Kraft mehr habe, enttäuscht und bitter bin? – Mir ist Esther ein Vorbild geworden, trotz Leid und Not an Gott festzuhalten. Auch wenn das Leben aus mehr Fragen als Antworten besteht! Gott ist da und möchte mit uns durch die guten und die schweren Tage,Wochen und Jahre gehen. Emmi Riegert l Markus und emmi riegert arbeiten seit 1997 in Tansania, zunächst im Missionsflugdienst, dann in einem Schülerheim für Missionarskinder und einem Projekt für behinderte Menschen in Daressalam. Markus ist Schlosser und Pilot und in Papuaneuguinea aufgewachsen, Emmi ist Hauswirtschafterin im ländlichen Bereich und stammt aus der Schweiz. Drei ihrer vier Kinder leben in Deutschland. glücklich im rollstuhl Kann man das sein in einem umfeld, in dem sich der stärkere und mächtigere mehr rechte nimmt und behinderte menschen als last angesehen werden? taNsaNia darum geht’s Esther sagt von sich: „Mir ging es so wie Josef, mir wurde alles genommen. Aber Gott war da. Er hatte einen guten Plan für mein Leben. Gott ist gut zu mir!“ Mithelfen: SPEnDEnCoDE 1749-32 Tansania
6 darum geht’s malawi Aber es geht ihm nicht gut. Neben dem Bett steht eine Schüssel mit vier oder fünf Litern Wasser. Ein Schlauch leitet es aus seinem Körper ab. Dadurch geht es ihm wieder besser. Aber schon einige Tage später wird sein Unterleib wieder prall voll sein, und er wird wieder ins Krankenhaus müssen. Wenn kein Wunder geschieht, wird er nicht mehr lange leben. Pastor Mwathunga arbeitete seit 2005 als Lehrer am „Chisomo Training Center“. Er war bei Beginn um die 30 Jahre alt, jung verheiratet und voller Eifer und Freude über seine Berufung als theologischer Lehrer. Er arbeitete sich schnell ein und lehrte mit Hingabe. Er prägte die Studenten, von denen jetzt viele Pastoren sind, und lebte ihnen vor, was es heißt, Christ zu sein. Er sagte ihnen auch immer wieder, dass man als Christ nicht zu traditionellen Heilern gehen sollte, weil unser Leben in Gottes Hand ist und Krankheit nichts mit dem Einfluss der Ahnen zu tun hat. Nach einigen Jahren stellte sich heraus, dass er Probleme mit der Leber hat. War es eine Hepatitis? Waren schimmelige Lebensmittel die Ursache? Hinterher kann man das nicht mehr feststellen. Jedenfalls bekam er Probleme mit Wasser im Bauch. Die Leber arbeitete immer weniger, und so war es ein langsames Sterben. Über den Tod redet man nicht Was mich gefreut hat, als ich ihn besuchte: Er war nicht verzweifelt, obwohl er wusste, wie es um ihn steht. Wir haben Johannes 14,1–6 gelesen und über die Wohnung geredet, die für ihn bereitsteht. Viele hätten abgeblockt und so getan, als ob alles gut wäre, erzählte er. Über den Tod redet man in Malawi nicht, auch wenn er hier zum täglichen Leben gehört. Aber Pastor Mwathunga war reif im Glauben. Er konnte mit seinem Leid umgehen, weil er die Gewissheit hatte, dass ihn nichts aus der Hand des guten Hirten reißen kann. Seine Eltern beschwerten sich nach der Beerdigung, dass niemand mit ihm zu einem traditionellen Heiler gegangen sei. Es wäre bei den meisten Leuten normal gewesen, selbst bei Christen, dass man angesichts einer unheilbaren Krankheit alles versucht, um doch noch Heilung zu finden. Doch weder Pastor Mwathunga noch seine Frau wollten das. Sie waren der Überzeugung, dass Gott es gut macht, so oder so. Krankheit und Tod sind in Malawi allgegenwärtig. Die durchschnittliche Lebenserwartung beträgt nur 55 Jahre, obwohl Aids inzwischen nicht mehr so vorherrschend ist wie noch vor zehn Jahren. Seit es antiretrovirale Medikamente gibt, die das Virus weitgehend ausschalten können, leben viele HIV-Infizierte länger und besser als um die Jahrtausendwende. Aber andere Krankheiten wie zum Beispiel Speiseröhrenkrebs nehmen zu. Tuberkulose ist nach wie vor häufig. Sie tritt dann auf, wenn der Körper durch andere Infekte geschwächt ist. Und auch Verkehrsunfälle führen in Malawi oft zum Tod, weil die Fahrer Geschwindigkeit und StraßenPaul und Dorothe Kränzler sind seit März 2016 erneut in Malawi im Einsatz und neben der Teamleitung in der Gemeindegründung unter den Yao tätig. Sie haben zwei erwachsene Kinder. Paul ist Industriekaufmann und hat die Ausbildung am Theologischen Seminar der Liebenzeller Mission absolviert. Dorothe ist Schreinerin. Von 1988 bis 2006 arbeitete Familie Kränzler in Afrika, zunächst in der Gemeindegründung in Liberia und Guinea, dann von 1993 an in verschiedenen Aufgaben in Malawi: Aufbau und Leitung des Chisomo-Zentrums, Mitarbeiterschulung, Aidswaisenprojekt, Bibelschulunterricht. Von 2006 bis 2015 waren Kränzlers in der Gemeindearbeit in Salzburg/Österreich tätig. Gott hält bei Krankheit und im Tod Nachdem ich im Büro der „Evangelical Baptist Church“, unserer Partnerkirche in Malawi, alles Nötige besprochen habe, fahre ich von Liwonde nach Zomba zurück. Unterwegs biege ich bei Malosa ab. Dort ist ein Missionskrankenhaus, in dem unser Mitarbeiter liegt. Im Krankenzimmer frage ich: „Muli bwanji?“ (Wie geht’s?). „Gut“, antwortet er.
7 missioN weltweit 1–2/2017 malawi darum geht’s zustand falsch einschätzen, leichtsinnig fahren oder der technische Zustand der Fahrzeuge mangelhaft ist. Dagegen ist die Kindersterblichkeit ziemlich gesunken. Als wir 1993 nach Malawi kamen, starben noch 264 von 1000 Kindern im Alter von bis zu fünf Jahren. Inzwischen sind es etwa 100. Sie bleiben trotz Querschnittslähmung Barbara ist viel mit dem Fahrrad unterwegs. Sie und ihr Ehemann Doug sind Missionare und haben ein Haus etwas außerhalb der Stadt Mangochi. Sie wohnen mitten unter den Leuten. Barbara macht Besuche bei Frauen und versucht, Bekanntschaft zu schließen. Die Sprache der Menschen in der Umgebung haben sie gelernt, und sie können sich gut verständigen. Im September 2006 passiert das Unglück. Barbara fährt mit dem Rad über eine Holzbrücke. Ein Brett ist lose, sie will die Seite wechseln. Aber das Vorderrad bleibt zwischen zwei Brettern hängen, es dreht ihr den Lenker herum, und sie kann das Gleichgewicht nicht halten. Sie stürzt vier Meter tief in ein trockenes Flussbett und liegt dort mit gebrochener Wirbelsäule. Trotz wochenlanger bester Versorgung in einem Spezialkrankenhaus in Südafrika bleibt sie am Ende querschnittsgelähmt. Wo wir gesagt hätten: „Okay. Das war dann der Einsatz in Malawi, jetzt müssen wir zu Hause in den USA bleiben“, da sagten Barbara, Doug und ihre fünf Kinder: „Gott hat uns in diese Arbeit gerufen, das gilt immer noch. Wir bleiben hier.“ Wir staunen über den Glauben dieser Familie. Sie halten aus, auch wenn manches komplizierter geworden ist für Barbara und auch die Familie. Sie kann nur dorthin, wo sie mit dem Rollstuhl hinkommt, aber Malawi ist weit davon entfernt, rollstuhlgerecht zu sein. Sie brauchen ein Auto, in dem sie den Rollstuhl mitnehmen können. Barbara hat häufig Schmerzen und fragt sich auch manchmal, warum das sein muss. Es geht ihr mal besser, mal hat sie mehr zu kämpfen mit ihrer Einschränkung. Vor allem, wenn ihr die Phantomschmerzen in den Beinen nachts den Schlaf rauben. In diesem Umfeld ist sie ein besonderes Zeugnis. Warum bleibt jemand als Missionarin in einem armen Land, wo sie es in den USA einfacher haben könnte? Auf diese Frage antwortet Barbara: „Wäre es wirklich einfacher? Ja, die Bewegungsfreiheit wäre vielleicht größer. Andererseits kann ich mir hier einen Koch und jemand für den Haushalt leisten. Das könnte ich zu Hause nicht. Und wir können den Menschen bezeugen, dass Gott auch dann da ist, wenn es uns körperlich nicht gut geht.“ Gerne würden wir von wunderbaren Heilungen in Malawi berichten. Aber die erlebten wir bis jetzt noch nicht. Vielmehr sind viele liebe Mitarbeiter an Aids gestorben. Das Leid in diesem armen Land ist groß. Aber im Evangelium ist die Hoffnung, dass es einmal anders werden wird. Dass das alles nur vorübergehend ist. Und wichtig ist es, dass so viele Menschen wie möglich dann dabei sein werden, wenn Gottes neue, vollkommene Welt anbricht! Paul Kränzler l In meines Vaters Hause sind viele wohnungen. wenn's nicht so wäre, hätte ich dann zu euch gesagt: Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten? Und wenn ich hingehe, euch die Stätte zu bereiten, will ich wiederkommen und euch zu mir nehmen, damit ihr seid, wo ich bin. JoHAnnES 14,2–3 Bild oben: Barbara und ihre Familie während der Rehazeit nach dem Unfall Bild unten: Barbara und Doug heute FoToS: JoACHIM BErGEr, DoUG MILLEr Mithelfen: SPEnDEnCoDE 1660-32 Malawi Pastor Mwathunga (Bildmitte) lädt zusammen mit Studenten vom Chisomo-Zentrum Sand auf. Die Aufnahme entstand vor zwei Jahren. Sie müssen nun damit zurechtkommen, dass der Vater fehlt: drei der vier Kinder von Ehepaar Mwathunga.
darum geht’s fraNKreiCh 8 Leiden, immer nur leiden; hat das denn kein Ende? Ist unsere Welt nicht wunderbar? Sollten wir nicht viel mehr für alles Schöne danken? Ohne Zweifel. Und doch stimmt das andere: Unsere Welt ist voller Schmerzen, Leid und Traurigkeit. Und ein Ende ist noch nicht in Sicht. Bibelleser wissen warum und auch, dass gläubige Menschen nicht einfach davon verschont bleiben. Sind unsere Kirchen nicht geradezu mit einem Lazarett zu vergleichen? Wie viele Kranke, Schwache, von Schwerem Gezeichnete kommen da zusammen! Ja, schon bei Jesus sammelten sich gerade die „Mühseligen und Beladenen“. Das ist bis heute so geblieben. Gerade deshalb macht die christliche Gemeinde einen Unterschied in dieser Welt. Sie ist der Ort, an dem sich schwache Menschen gemeinsam an den starken Gott wenden. Sie nimmt das Versprechen von Jesus ernst und bittet um seine Hilfe, betet auch um Heilung von Krankheit. Denn er selbst lädt dazu ein und sichert sein Eingreifen zu. Aus diesem Grund gibt es auch in der Gemeinde von Coutances eine wöchentliche Gebetsstunde. Im Gottesdienst werden ebenfalls Anliegen zur Fürbitte genannt, und es wird dafür gebetet. Wie oft haben wir erlebt, wie Gott sich von seinen Kindern erbitten ließ! Zweimal wurden wir als Älteste gebeten, bei einem Gemeindemitglied zu Hause in besonderer sonntag für sonntag hören wir im gottesdienst ein treues gemeindeglied denselben satz beten, und manche können es schon fast nicht mehr hören: „herr, wir bitten dich für all diejenigen, die leiden.“ Bild ganz oben: Coutances mit seinen unverwechselbaren Türmen der Kathedrale Bild oben: Strandhäuschen an der Küste bei Gouville Bild rechts: Gemeindeglieder aus Coutances: Philippe (links) erfährt nach einer schweren Lungen-Operation täglich die Durchhilfe Gottes. Michel ist jetzt bettlägerig. Yvette ist inzwischen verstorben. Bild Seite 9: Norbert Laffin predigt im Gottesdienst. wenn sich schwache menschen an den starken gott wenden Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. MATTHÄUS 11,28 Mithelfen: SPEnDEnCoDE 1460-32 Frankreich
frankreich darum geht’s 9 mission weltweit 1–2/2017 Fotos: norbert laffin Weise nach Jakobus 5 um Gesundheit zu bitten. Wir waren uns einig, dass diese Form des Gemeindegebets für die Kranken nicht exklusiv verstanden werden muss. In anders geprägten Kirchen wird zu regelmäßigen Heilungsversammlungen eingeladen. Wir haben oft Mühe, ihrer Lehre über Krankheit, Glauben und Heilung zu folgen und nehmen Abstand zu der daraus gewachsenen Praxis. Wollen wir deshalb das Kind mit dem Bad ausschütten? Als Verantwortliche waren wir uns einig, etwas Neues, für uns Ungewöhnliches zu wagen Wir gaben es vorher bekannt. Und wir luden ein. Wir nannten es nicht Heilungsgottesdienst, sondern Gottesdienst mit abschließendem Krankengebet. Die Predigt machte es noch einmal deutlich: Nicht alle Krankheit, nicht jeder Schmerz wird aus dieser Welt verschwinden, auch nicht, seitdem Jesus die Macht des Bösen überwunden hat. Erst wenn er kommt und alles neu macht, wird es keine Tränen, kein Leid, keine Angstschreie und keinen Tod mehr geben. Was für einen Ausblick gewährt Offenbarung 21,1–5: Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr. Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann. Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron her, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein; und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu! Und er spricht: Schreibe, denn diese Worte sind wahrhaftig und gewiss! Wir können unsere Gesundheit nicht ertrotzen, auch nicht durch unseren Glauben und unser Gebet. Aber wir dürfen vertrauensvoll und erwartungsvoll bitten, wie ein Kind seinen Vater. Und der ist gnädig und schenkt immer wieder Zeichen seiner Macht, nach seinem Willen. Was für ein Vorrecht, ihn zu kennen! Ein passendes Lied wird in besagtem Gottesdienst eingespielt, „I wait for you“ (Ich warte auf dich/rechne mit dir) von Michael W. Smith. Es leitet über zum besonderen Gebetsteil. Dann stellen sich die vier Ältesten vor die Gemeinde. Sie stehen stellvertretend für die versammelte Gemeinschaft. Wir bitten alle aufzustehen. Die folgenden Minuten werden schlicht, aber würdig gestaltet. Dann werden all diejenigen, die leiden und Gebet in Anspruch nehmen wollen, eingeladen, nach vorne zu kommen. Unser Pianist spielt leise im Hintergrund. Viele Gedanken und Fragen jagen mir durch den Kopf Wer wird es wagen? Wird überhaupt jemand kommen? Noch nie haben wir der Fürbitte diese Gestalt gegeben. Wir haben darin keine Erfahrung. Können wir Missverständnisse ausschließen? Nicht das Gebet von uns Gemeindeleitern garantiert die Heilung. Doch dort bewegt sich etwas! M. kommt uns entgegen. Sie ist als die Mutigste bekannt. M. ist immer wieder gesundheitlich angeschlagen. Schon nähert sich die nächste Person. Und so sind es vier, fünf, sechs, die nacheinander nach vorne kommen und leise einem von uns ihre Not vortragen. Wir legen unsere Hand auf ihre Schulter oder ihren Kopf und beten für sie, sodass nur sie es verstehen. Es ist ein feierlicher Moment, bewegend und doch ohne großes Aufheben. Nach einem letzten gemeinsamen Lied endet der Gottesdienst. Wir gehen voller Dank – und voller Erwartung an unseren großen Arzt – nach Hause. Er wird gesund machen oder uns stark machen, mit unserer Krankheit zu leben! Ja, Gott erhört unser Gebet Nicht alle, für die wir gebetet haben, sind (ganz) gesund geworden. Doch L., einer unserer afrikanischen Besucher, erzählte uns kürzlich, wie seine Beschwerden verschwunden waren, nachdem er das Gemeindegebet in Anspruch genommen hatte. Gloire à Dieu! Gott die Ehre! Wir sind ermutigt, unsere Fürbitte in dieser gezielten Zuwendung zu leidenden Menschen in unserer Gemeinde zu wiederholen. „Herr, wir bitten dich für all diejenigen, die leiden …“ betet S. weiterhin jeden Sonntag. Und wir stimmen in ihr Gebet von ganzem Herzen ein. Norbert Laffin l Norbert und Susanne Laffin sind seit 1990 in der Gemeindegründung und dem Gemeindeaufbau in der Kleinstadt Coutances (zwischen Mont St. Michel und Cherbourg) aktiv. Sie haben sechs, zum Teil erwachsene Kinder. Zurzeit bewegt sie die Schu- lung der verantwortlichen Mitarbeiter und der geplante Umzug im Sommer 2017 in eine neue Arbeit. Ist jemand unter euch krank, der rufe zu sich die Ältesten der Gemeinde, dass sie über ihm beten und ihn salben mit Öl in dem Namen des Herrn. Und das Gebet des Glaubens wird dem Kranken helfen, und der Herr wird ihn aufrichten; und wenn er Sünden getan hat, wird ihm vergeben werden. Jakobus 5,14–15
10 darum geht’s samBia Von Wien sah ich wirklich nicht viel. Ich verbrachte die meiste Zeit mit schrecklichen Bauchkrämpfen im Bett oder im Badezimmer. Nach diesem Urlaub kamen sie immer wieder – ohne irgendwelche Vorwarnung und völlig unvorhersehbar. Ich suchte einen Arzt nach dem anderen auf, aber alle schienen ratlos. Mein Leben wurde zur Qual, und ich konnte kaum etwas planen, weil ich nie wusste, wann mich die Bauchkrämpfe „ausschalten“ würden. Für meine Schule war ich ein Unsicherheitsfaktor geworden: Kommt sie oder kommt sie nicht? Auch unsere Freunde bekamen es zu spüren. Wir waren eingeladen, hatten zugesagt und mussten dann anrufen, dass wir leider doch nicht kommen können. Oder wir waren schon unterwegs, mussten aber wieder umkehren und absagen. Hatten wir Besuch eingeladen, konnte ich manchmal nicht fertig kochen, weil ich im Bett lag, bevor die Gäste kamen. Armer Frank, auch er war ratlos. Er sah, dass ich Schmerzen hatte, konnte aber nicht helfen und fand sich hilf- und nutzlos. Womit hab ich das verdient? Umden Bauchkrämpfen auf den Grund zu gehen, verbrachte ich etwa ein halbes Jahr im Krankenhaus. Schließlich und endlich kam die Diagnose: Endometriose (gutartige Wucherungen) im Darm. Was kann man machen? Nichts. Die Folge: eventuell Kinderlosigkeit. Wie lange? Wahrscheinlich für immer. – So, da saß ich nun! Ich hatte eine Antwort, aber viele, viele Fragen. Und die, die mich am meisten gefangen hielt und wütend machte, war: „Warum, warum ausgerechnet ich, womit hab ich das verdient?“ Frank und Julia Wittmann arbeiten seit Juni 2010 an der „Amano Christian School“ in Sambia. Frank ist für die Verwaltung verantwortlich und unterrichtet auch, weil Lehrermangel herrscht. Julia kümmert sich um die Kurzzeitmitarbeiter, den Einkauf für die Schule, hält Andachten, unterrichtet und bietet eine Kinderstunde an für die Kinder aus dem nahe liegenden Dorf. Ihren ersten Missionseinsatz hatten wittmanns von 2004 bis 2008 in Sierra Leone mit Christliche Fachkräfte International. Frank studierte wirtschaftsingenieurwesen und war in Deutschland als Unternehmensberater und Projektmanager tätig. Julia hat als Technische Lehrerin an einer beruflichen Schule unterrichtet. Jeden Morgen bat ich Gott, dass er mir hilft, meine Aufgaben zu erledigen und die Schmerzattacken aus seiner Hand zu nehmen. vom warum zum lob ich war fünf Jahre mit frank verheiratet und als lehrerin gerade auf lebenszeit verbeamtet worden. da fingen die Bauchkrämpfe an. ich war mit meiner freundin und ihrer tochter für ein paar tage nach wien gefahren. und, bum, da waren sie, aus heiterem himmel. Mithelfen: SPEnDEnCoDE 1456-32 Sambia In der Kinderstunde geht’s fröhlich zu.
11 sambia darum geht’s mission weltweit 1–2/2017 Fotos: frank und julia wittmann Während des Krankenhausaufenthaltes klammerte ich mich an zwei Dinge: an Gottes Aus- und Zusage aus Römer 8,28 und an das Gedicht „Spuren im Sand“. Schließlich bat ich Gott, mir am Ende das Gute für mich zu zeigen, warum ich so krank sein muss. Ich ging durch viele Tiefen und fand mein Leben nicht mehr lebenswert, da ich wusste, dass ich für mein Umfeld eine enorme Belastung war. Ich habe mich eingeigelt, habe keine Einladungen mehr angenommen, habe selbst auch niemanden mehr eingeladen. In kleinen Schritten lernte ich zwar, mit der Krankheit zu leben. Aber durch das abrupte und intensive Auftreten der Schmerzen war es unmöglich zu planen und schwierig, eine Lebensstrategie zu entwickeln. Wofür könnte ich Gott danken? So fing ich an, Gott stärker in meine Lebens- bzw. Tagesplanung einzubeziehen, denn aus mir heraus konnte ich nichts. Jeden Morgen bat ich Gott, dass er mir hilft, meine Aufgaben zu erledigen und die Schmerzattacken aus seiner Hand zu nehmen. Wieder und wieder wurde ich daran erinnert, dass wir Gott immer danken sollen. Ich hatte aber nichts zu danken! Oder vielleicht doch? So begann ich, wann immer meine Bauchkrämpfe kamen, nicht mehr ärgerlich zu sein, sondern Gott zu fragen, wofür ich denn jetzt bitteschön dankbar sein kann. Und Gott antwortete: Dafür, dass du zu Hause bist, für deine Wärmflasche, dass Frank gerade jetzt hier ist, für dein Bett, für das Bad … Ich lernte auf diese Weise, dass man auch in den schlimmsten Situationen etwas finden kann, wofür man dankbar ist. Trotzdem, wie Ihr Euch sicher vorstellen könnt, wollte ich doch auch gerne geheilt werden – Kinder bekommen können – frei sein zu planen. Doch dann hat sich meine Frage „Warum ich?“ geändert in „Wieso? Was muss ich lernen, was will Gott mir zeigen?“ Und Gott ist treu! ER hat mir geantwortet: Ich verstand, dass ich mein eigenes Leben geführt hatte. Ich hatte Gott nicht wirklich gebraucht. Ich war stark, selbstbewusst, konnte alles erreichen, was ich mir vorgenommen hatte, war verlässlich – und ich war stolz auf mich. Durch die Krankheit hat Gott mich auf den Boden der Tatsachen gestellt: Ohne IHN kann ich gar nichts. Das war eine harte Pille. Es hat lange gedauert, bis ich das annehmen konnte. Jetzt lebe ich 17 Jahre mit der Krankheit Und ich bin dankbar für sie, denn sie hat mich so viel näher zu Gott gebracht. Wenn mich heute jemand vor die Wahl stellen würde, würde ich mich vermutlich wieder für ein Leben mit der Krankheit entscheiden, weil ich durch sie so viel gewonnen habe an Glaubensstärke, Gewissheit, Abhängigkeit und Dankbarkeit. Ich glaube kaum, dass ich das ohne die Krankheit in dem Ausmaß gelernt und verstanden hätte. Gott hat es gut gemacht! Durch die Krankheit l habe ich gelernt, Gott in allem dankbar zu sein l hat meine Beziehung zu Gott eine Tiefe erhalten und eine Festigkeit, wie ich es früher nie erlebt habe l bin ich verständnisvoller geworden für Menschen, die leiden l kann ich Menschen in ihren Nöten besser helfen, weil ich aus der eigenen Erfahrung schöpfen kann. Seit einem Jahr scheinen mich die Bauchkrämpfe verlassen zu haben. Ich werde wieder selbstbewusster, fühle mich frei und merke, dass ich immer wieder selbst plane und in meine alten Muster zurückfalle. Hoffentlich bekomme ich das mit Gottes Hilfe auch ohne Bauchkrämpfe wieder auf die Reihe. Aber abhängig zu bleiben – ohne abhängig sein zu müssen – muss auch erst mal gelernt werden. Julia Wittmann l Durch die Krankheit hat Gott mich auf den Boden der Tatsachen gestellt: Ohne IHN kann ich gar nichts. Das war eine harte Pille. Beim Malen sind die Kinder aus dem Dorf ganz bei der Sache. Schüler und Mitarbeiter der Amano-Schule Auspacken in der Schulküche nach dem wöchentlichen Einkauf
12 darum geht’s Niger Es gibt viel Hunger, Unterernährung und häufig wiederkehrende Krankheiten. Das Leben ist hart. Die Kultur und die Religion tun ihr Übriges dazu. Dann heißt es „Inschallah“ – Allah will es so. Dabei wird die eigene Verantwortung völlig zurückgedrängt. Eine Begebenheit war mir sehr eindrücklich. Ich gebe sie aus meiner Erinnerung wieder. Den Namen der Frau und einzelne Details weiß ich nicht mehr. Ich nenne sie Hadiza. Hadiza, eine schwangere junge Frau, wurde nachts wegen Beschwerden ins Galmi-Hospital eingeliefert. Ihr Ehemann war mitgekommen. Ein Kollege nahm sie auf. Morgens traf ich Hadiza bei der Visite im Kreißsaal. Beim Untersuchen fiel auf, dass der Bauch druckempfindlich war. Schmerzen hätte sie kaum, gab sie auf meine Frage an. Eine kurze Ultraschalluntersuchung ergab die Diagnose „geplatzte Eileiterschwangerschaft“. Sie blutete also in den Bauchraum hinein. Ich erklärte ihr: „Du brauchst jetzt dringend eine Operation, damit wir die Blutung stoppen können.“ Hadiza wollte nicht: „Mein Mann ist nach Hause gegangen. Ohne seine Zustimmung kann ich mich nicht operieren lassen.“ „Hat er ein Handy, damit wir ihn anrufen können?“ „Nein, wir haben keines.“ Auch von Nachbarn oder Verwandten war keine Telefonnummer bekannt. Wann ihr Mann wiederkommen würde, war unklar. Heute Abend? Morgen? So lange konnten wir nicht warten, aber Hadiza bestand darauf, dass wir sein Kommen abwarten müssten. Ich versuchte, sie zu überzeugen: „Dein Mann hat dich doch gebracht, damit wir dir helfen. Wenn du nun stirbst, bevor er kommt, wird er mit uns nicht zufrieden sein.“ Sie blieb fest: „Inschallah“, dann hat Allah es so gewollt. Auch Argumente, dass Gott doch will, dass sie lebt und dass er sie deshalb zu uns gebracht Krankheit und tod: inschallah – allah will es so in vielen ländern und Kulturen gehören Krankheit und tod einfach zum leben dazu. in Niger ist das besonders ausgeprägt: dort sterben viele Babys und Kleinkinder, und auch kranke junge menschen überleben nicht und werden zu grabe getragen, weil sie nicht ärztlich versorgt werden konnten. Bei uns in deutschland hätte man sie behandeln können. Krankenhausalltag in Galmi Mithelfen: SPEnDEnCoDE 1520-32 niger
missioN weltweit 1–2/2017 13 Niger darum geht’s habe, halfen nicht weiter. Mir blieb das Gebet – und das erhörte Gott: Wider Erwarten erschien ihr Mann kurz darauf! Er gab die Einwilligung zur Operation und Hadiza überlebte. ergib dich in den Willen Allahs – Trauern ist verboten! Inschallah bedeutet auch: Wer trauert, zeigt damit seine Auflehnung gegen Allah, der doch diese Krankheit und den Tod geschickt hat. Sehr eindrücklich ist mir eines meiner ersten Erlebnisse in Galmi gewesen: Ein Kind lag im Sterben, und die Krankenschwestern der Station riefen mich. Es war nichts mehr zu machen. Eine Angehörige, die Oma oder Tante, war bei dem Kind. Ich musste schnellstens zurück in den Notfallraum nebenan. Dort lag ein junger Mann, der sehr starke Atemnot hatte und dringend eine Spritze brauchte. Als ich danach zu dem Kind zurückgehen wollte, war die Frau bereits verschwunden – mit dem toten Kind und ihren Habseligkeiten: Keine Träne, kein Klagen und Weinen. Ich war schockiert. Aber so war das nun eben. Diese Kultur des Nicht-trauern-Dürfens besteht auch oft noch bei Christen in Niger. Meine Haushaltshilfe Mariama hatte zwei Jungen. Der etwa Sechsjährige war gesund und munter, der jüngere Sohn war kränklich und oft im Krankenhaus. Eines Abends klagte der Ältere über Kopfschmerzen. Als sich sein Zustand verschlechterte, brachten die besorgten Eltern den Jungen gegen Morgen ins Hospital, wo er schon im Notfallraum starb. Unfassbar! Jemand überbrachte mir die Nachricht. Ich eilte zum Haus von Mariama und Salifou. Beide waren von Trauer überwältigt und weinten: sie draußen im Hof, er drinnen im Haus. Eine Christin aus der Gemeinde war auch da. Sie rügte den Vater: „Hör auf zu weinen! Das wird schon wieder gut.” Ich widersprach heftig: „Nein, er darf weinen. Jesus hat auch geweint am Grab von Lazarus!“ Ich versuchte, den beiden beizustehen und sie darauf hinzuweisen, dass wir nach dem Tod bei Jesus sind. Auch von anderen erhielten sie Unterstützung. ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet Sehr ermutigend ist es zu sehen, dass Christen in Niger, die schon lange im Glauben stehen, auch lernen zu trösten. So wie Salamatou, eine unserer Pflegehelferinnen. Sie hatte Dienst in der Geburtshilfe. Eine junge Frau wurde gebracht. Sie hatte unter der Geburt eine schwere Komplikation gehabt. Unsere Hilfe kam zu spät. Sie atmete schwer und hustete Blut. Auch eine sofort verabreichte Spritze half nichts, und sie starb innerhalb kurzer Zeit. Mit anderen Verwandten und Freunden war auch die Mutter dieser jungen Frau gekommen. Sie weinte. Salamatou ging auf sie zu, legte den Arm um sie und tröstete sie mit lieben Worten. Jesus Christus hat über viele Jahre hinweg das Herz Salamatous und ihr Verhalten verändert, sodass sie zur Trösterin werden konnte. Bitte beten Sie mit dafür, dass in Galmi Christen ein Wegweiser zu Jesus sein können, weil er ihr Leben und Verhalten prägt. Dr. Esther Pflaum l Dr. med. esther Pflaum ist Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe sowie Fachärztin für Allgemeinmedizin. Seit 1984 arbeitet sie als Missionsärztin. Ihr erster längerer Einsatz führte nach Liberia/westafrika. Auf eine Vertretungstätigkeit in Papuaneuguinea folgte eine erneute Ausreise nach Liberia, die durch den Bürgerkrieg beendet wurde. Anschließend mehrjährige Mitarbeit am KaleneHospital in Sambia. Seit Juni 2005 ist Esther Pflaum in der Gynäkologie und Geburtshilfe am 130BettenKrankenhaus in Galmi in niger/westafrika tätig. Zurzeit ist sie zur Pflege ihrer Eltern beurlaubt. Niger hat eine fläche von rund 1,267 millionen Quadratkilometern und ist damit über dreieinhalbmal so groß wie deutschland. ein großteil der rund 18,5 millionen einwohner lebt in der sahelzone im süden. die größte ethnische gruppe, die haussa, macht fast die hälfte der Bevölkerung aus. Niger war französische Kolonie und ist seit 1960 unabhängig. seither gab es mehrere umstürze, die aber relativ friedlich verliefen. Niger ist eine säkulare republik, obwohl 94 Prozent der Bevölkerung muslime sind und eine hinwendung vom volksislam zum konservativen islam stattfindet. Niger belegt im weltweiten vergleich letzte Plätze bei der lebenserwartung, der Kindersterblichkeit und dem Pro-Kopf-einkommen. der anteil der analphabeten ist sehr hoch: drei viertel der frauen und die hälfte der männer können nicht lesen und schreiben. ein drittel der mädchen wird vor erreichen des 15. lebensjahres verheiratet. eine von 16 frauen stirbt an den folgen einer schwangerschaft. Diese Kultur des nichttrauernDürfens besteht auch oft noch bei Christen. Bild oben: Mariama hat einen Sohn verloren. Bild unten: Patienten und viele Angehörige auf einer Station FoToS: ESTHEr PFLAUM, GALMI-HoSPITAL
darum geht’s KaNada 14 Etliche Jahre sind seither vergangen, aber die Erinnerungen sind immer noch präsent, als wäre es erst gestern gewesen. Durch den Schrei aufgeschreckt umfasse ich in jener Nacht unsere 14 Monate alte Lara. Sie glüht am ganzen Körper. Neben mir wird auch Daniel unruhig. Er hatte versucht, zusammengekauert bei unserer damals knapp siebenjährigen Tochter Anna im Kinderbett zu schlafen. Wir wissen, was der Schrei bedeutet: Ein Kind ist gestorben. Jeweils drei Babys liegen auf der „Intensivstation“ zusammen in einer Art Kiste. Unzählige Mütter schlafen an diese „Bettchen“ gelehnt oder auf dem Boden. In der Kammer neben uns liegen zwei schwache Säuglinge zwischen veralteten Apparaturen, während der Inhalt von Blutkonserven langsam in ihre kleinen Körper sickert. Eins der Babys hat es wohl nicht geschafft. Lange schreit die Mutter verzweifelt nach ihrem Kind, bis sie nur noch heiser wimmern kann und mit dem toten Kind weggebracht wird. Die Schreie tun mir in der Seele weh. Wir sind völlig erschöpft Tage- und nächtelang haben wir unsere kranken Kinder versorgt. Wir sind selbst noch geschwächt von wiederholter Malaria und dem anstrengenden Alltag mit vielen Besuchern in einer Gegend, in der wir gerade gegen eine Hungersnot kämpfen. Wir lechzen nach ein bisschen Schlaf, haben aber Angst, einzuschlafen. Was, wenn sich der Zustand unserer Kinder verschlechtert? Der Kinderarzt hatte Malaria und gefährliche Blutarmut bei beiden diagnostiziert. Jetzt haben die Ärzte Feierabend. Die resoluten Schwestern geben zwar lautstark Medikamente aus, zuständig für die Versorgung der Kranken ist aber die Begleitperson, nicht das Personal. Gut, dass wir wenigstens ein kleines Zimmer bekommen haben und nicht auf dem Boden schlafen müssen. Gut, dass Daniel noch hergebracht wurde. Ein schmerzhaftes Geschwür am Bein hatte es ihm unmöglich gemacht, selbst zu fahren. Unsere Kathi, fast vier Jahre alt, musste spontan alleine bei Kollegen bleiben. Ich hatte eigentlich nur „kurz“ mit unserer ältesten und „mwana wanga!“ „mein Kind!“ der schrei reißt uns aus dem schlaf. endlich war es auf der Kinderstation still gewesen, und wir waren eingeschlafen. doch jetzt bin ich wieder hellwach, und mein herz klopft wild. atmet unser Kind noch? JESUS JESUS HEILT ETTET ich habe die hand des herrn gesehen Fiebermessen gehörte in der „Malariasaison“ zum Alltag unserer immer wieder kranken Kinder.
15 KaNada darum geht’s missioN weltweit 1–2/2017 jüngsten Tochter zur deutschen Ärztin ins zwei Stunden entfernte Zomba fahren wollen, war aber nach Blantyre in ein besseres Krankenhaus geschickt worden. So wurde eine weitere Stunde holperige Fahrt nötig. Lara und Anna waren am Ende ihrer Kräfte. Ein Bus vor uns fiel mir auf. Auf der Heckklappe war ein riesiger Aufkleber angebracht, auf dem stand: „Jesus rettet, Jesus heilt“. Galt das mir? Wir liegen in unseren Kleidern in unserer Kammer und lauschenauf die beunruhigendenGeräusche auf der Station. Kaum ist es uns wieder gelungen, in einen Halbschlaf hinwegzudämmern, schreit die nächste Mutter die Klage über ihr gerade verstorbenes Kind heraus. „Ist Lara noch da?“, fragt Daniel bang. Ich weiß, was er meint. Der Tod scheint so nah in diesem Moment. Der Morgen bringt jedoch Gutes Anna geht es besser, und auch Lara ist nicht mehr so heiß. Daniels Bein schwillt ab, er kann das Nötigste einkaufen: Handtuch, Zahnbürsten, Trinkwasser. Die nächste Nacht zieht er mit Anna zu Bekannten in die Nähe. Lara und ich bleiben in der Klinik. Trotz Erschöpfung zieht es mich hinaus zu den anderen Müttern. Es macht mir nichts mehr aus, angestarrt zu werden. Ich erfahre Mitgefühl, weil gleich zwei Kinder so offensichtlich krank sind. Unter diesen armen Frauen fühle ich mich verstanden und angenommen. Als ich nachts wieder in der Kammer liege und über Laras Atemzügen wache, quälen mich viele Gedanken. Von den Ärzten fühle ich mich missverstanden. Nein, wir haben unsere Kinder nicht vernachlässigt. Trotzdem schmerzen Selbstvorwürfe: Warum habe ich die Blutarmut der Kinder nicht erkannt? Zu mir kommen doch auch die Kranken im Dorf! „Jesus rettet, Jesus heilt“, fällt mir immer wieder ein. Ich weiß, dass Jesus heilen kann. Aber ich weiß nicht, ob er es dieses Mal will! Nach weiteren Tests werden wir am nächsten Tag entlassen. Eindringliche Warnung vom Arzt: Anna und Lara sind noch blutarm, die Abwehrkräfte sehr geschwächt. Es sei „sehr knapp“ gewesen dieses Mal. Mir wird übel, als ich das so höre. Im Auto fängt Anna an zu singen: „Ndaliona dzanja l’Ambuye“, „Ich habe die Hand des Herrn gesehen“. Dieses malawische Lied erzählt vom Eingreifen Gottes. Daniel und mir kommen fast die Tränen. Vorgestern waren wir diesen Weg getrennt gefahren, voll Sorge um das Leben unserer Kinder. Gott schickte die Botschaft: „Jesus rettet, Jesus heilt!“ Jetzt fahren wir schon wieder Richtung Heimatdorf. Anna ist schon in der Lage zu singen. Daniel kann wieder selbst Auto fahren. Lara ist über dem Berg. Gott hat tatsächlich eingegriffen! Doch nach Hause kommen wir noch lange nicht Bei unseren Kollegen finden wir nun auch Kathi mit hohem Fieber vor. Daniel muss alleine heim ans Chisomo-Zentrum, wo wir damals arbeiteten. Ich fahre mit Kathi zum Arzt. Die Diagnose ist unklar: Malaria oder Grippe? Ein tagelanger Kampf beginnt. Kathi würgt und weint, erbricht und tobt. Ihr Körper kann die bitteren Malariatabletten nicht bei sich behalten. Auch Laras Temperatur ist immer noch erhöht. Irgendwann sprechen Freunde es aus: Wäre es nicht sicherer, für eine Weile nach Deutschland zu fliegen? Nur Tage später sitzen wir im Flugzeug. Die Kinder freuen sich, ich aber bin zerfressen vor Sorge. Gleich am nächsten Morgen stehen UntersuchungenimTropeninstitutan.DerLehrtextfürdenTag lautet: „Fürchte dich nicht, glaube nur, so wird deine Tochter gesund.“ Darf auch ich das glauben? – Nach einigen Stunden ist es amtlich: Unseren Kindern geht es gut! Sie brauchen nur noch Schonung und gute Ernährung. Was sind wir erleichtert! Jetzt kann das Erholen losgehen! Mir fällt das schwer. Einerseits habe ich Schuldgefühle, weil wir die Menschen in Malawi verlassen haben. Andererseits spüre ich, wie anstrengend die vergangenen Monate waren und dass ich selbst nicht ganz gesund bin. Nach vier Wochen fliegt Daniel wieder nach Malawi. Ich bleibe mit den Kindern für zwei weitere Monate in Deutschland zurück. Eiskalte Angst packt mich noch einmal, als ich erfahre, dass ein Malariaausbruch Daniel schon während des Fluges in Lebensgefahr gebracht hat. Wieder bleibt mir nichts anderes übrig, als alles in Gottes Hand zu legen. Wieder gilt: Jesus rettet, Jesus heilt. Drei Monate, nachdem ich „kurz“ aus dem Haus geeilt war, können wir schließlich gesund und froh in unser malawisches Zuhause zurückreisen. Gott hat uns durch diese besondere Zeit getragen, Wunder bewirkt und uns sehr beschenkt. Jetzt ist es zu mir durchgedrungen: Jesus rettet, Jesus heilt! Rita Mattmüller l Daniel und rita Mattmüller haben vier Kinder, leiten seit 2012 das Vorbereitungsprogramm für Missionare in Kanada und sind verantwortlich für das Auslandssemester der Interkulturellen Theologischen Akademie (ITA). Daniel ist werkzeugmacher und war nach der Ausbildung am Theologischen Seminar der Liebenzeller Mission einige Jahre ECJugendreferent. rita ist realschullehrerin. Von 2003 bis 2011 waren sie Missionare in Malawi. Damals im Frühjahr 2009 war die Not so groß, dass Lebensmittelverteilungen nötig waren. FoToS: DAnIEL UnD rITA MATTMÜLLEr Mithelfen: SPEnDEnCoDE 1110-32 Kanada Nach vier Wochen in Deutschland hatten sich alle schon etwas erholt, zumindest körperlich.
16 darum geht’s russlaNd Die Menschen haben nicht die Absicherung durch ein Gesundheitssystem, wie wir es kennen. Es kann lange dauern, bis man einen Arzttermin bekommt. Eine gute Behandlung hat ihren Preis, und Medikamente müssen oft aus eigener Tasche bezahlt werden. Krankheit kann die Existenz bedrohen. In einem Artikel war zu lesen, dass Berufstätige sich nicht krankschreiben lassen aus Angst vor finanziellen Einbußen. Kein Wunder, wenn Gesundheit an erster Stelle aller Wünsche steht. Bei Krankheit ist das Netzwerk von Familie, Freunden, Nachbarn und Gemeinde eine große Hilfe. Es kann auffangen, was der Einzelne nicht leisten kann, vor allem bei chronischer oder akuter Krankheit. Es ist immer wieder erstaunlich und schön zu sehen, wie das funktioniert. Gemeinschaft und Zugehörigkeit spielen hier eine große Rolle. Ich erlebe sie ganz praktisch in der Nachbarschaft. Abends höre ich jemanden rufen: „Sabine, Sabine!“ Auf dem Spielplatz vor unserem Haus ist niemand. Dann merke ich, dass der Ruf aus der Nachbarwohnung kommt. Die allein lebende Nachbarin hatte einen Schwächeanfall und konnte sich nicht selbst helfen. Da ihre Wohnungstüre nicht abgeschlossen war, war es mir möglich, in die Wohnung zu kommen. Am nächsten Tag wurde sie vorsorglich in eine Klinik überwiesen. Manche älteren, alleinstehenden Personen erleben solche Situationen. Wenn Kinder da sind, müssen sie die Versorgung übernehmen. Ein Altenheim wäre zu teuer. Manche werden vom Sozialdienst unterstützt, der aber auch bezahlt werden muss. Für eine Familie ist es ein großer Aufwand, einen älteren Menschen zu pflegen. Einen Eindruck davon bekam ich bei meinen Hausbesuchen bei Erna (Name geändert). Sie gehört zu unserer Gemeinde und wurde durch einen Unfall und eine hinzukommende Krebserkrankung pflegebedürftig. Beim Besuch erfahre ich, dass die Tochter die Pflege übernimmt und unterwegs ist auf den Ämtern, um eine andere Einstufung der Invalidität zu bekommen. Damit hat Erna Anspruch auf mehr kostenlose Medikamente. Alles, was sie nicht bekommt, muss aus eigener Tasche beigesteuert werden. In liebevoller Weise kümmern sich die Tochter und die Familie um Erna. Meine Aufgabe ist die geistliche Unterstützung. Bei den Besuchen gibt es manche Fragen: Was soll ich lesen? Bete ich richtig? Wir sprechen offen über den letzten Weg, das Gehen zu Jesus. Vor langer Zeit haben wir von der Gemeinde ein Heftchen mit Gebeten verschenkt. Das finde ich nun bei Erna. „Das lese und bete ich jeden Tag“, sagt sie. „Herr, meine Kraft schwindet. Ich denke, das Ende ist nahe. Ich lege mein Leben in deine Hand. Danke für all das Gute, das du mir geschenkt hast. Danke für deine Liebe. Vergib mir, wo ich nicht recht gehandelt habe an dir und Menschen. Hilf mir, in Frieden nach Hause zu kommen. Herr Jesus, dein bin ich im Leben und im Sterben. Amen!“ Ich war sehr erstaunt über das, was in ihrem Leben gewachsen war: Vertrauen zu ihrem Herrn Jesus Christus. Für mich war es ein ermutigender Einblick in Gottes Wirken im Herzen eines Menschen. Es ist für mich der Ansporn für meine Arbeit hier in Russland: Menschen zu helfen, die persönliche Verbindung zu Jesus zu finden. Schwester Sabine Matthis l Schwester Sabine Matthis lebt seit September 2006 in russland. nach dem Sprachstudium arbeitete sie zunächst in der Gemeinde in Jekaterinburg mit. Seit 2009 ist sie in der Gemeindegründung in Berjosowski engagiert. Ihr Beruf ist Altenpflegerin, ihre Berufung führte in die Ausbildung an der Bibelschule und in die Schwesternschaft der Liebenzeller Mission. Von 1989 bis 2005 war Schwester Sabine in der Gemeinschaftsarbeit in Deutschland tätig. Nummer eins auf der wunschliste hauptsache gesund! ich wünsche dir gesundheit! Bleib gesund! – das sind die wünsche, die hier in russland an erster stelle stehen. was steckt dahinter? FoTo: S. SABInE MATTHIS Mithelfen: SPEnDEnCoDE 1820-32 russland Menschen in Berjosowski entdecken die Bibel.
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