DARUM GEHT’S JAPAN 14 Beim Rückblick auf diese lange Zeit beschäftigen mich Fragen wie: Habe ich eine gute Balance gefunden zwischen Opfer bringen und auf mich selbst achten? Wie habe ich das Miteinander im Team erlebt und gelebt? Wie gehen Japaner mit diesem Thema um? Auf mich selbst achthaben Fest steht, dass es mir nicht immer gelungen ist, eine ausgewogene Balance zu finden. Ich habe es als bleibende Herausforderung empfunden, zu wissen, wann meine eigenen Bedürfnisse Vorrang haben und wann die meiner Mitmenschen. Manchmal habe ich zu wenig darüber nachgedacht und mich einfach von den Bedürfnissen anderer bestimmen lassen. Ich musste lernen, dass Vernachlässigung meiner selbst immer auch negative Auswirkungen auf meine Beziehungen und meinen Dienst hat. Bernhard von Clairvaux drückte das so aus: „Wenn alle Menschen ein Recht auf dich haben, dann sei auch du selbst einMensch, der einRecht auf sich selbst hat. Warum solltest einzig du selbst nichts von dir haben? Wie lange noch schenkst du allen anderen deine Aufmerksamkeit, nur nicht dir selbst? Wer mit sich selbst schlecht umgeht, wem kann der gut sein?“ Als ich 2012 für meinen letzten Term nach Japan reiste, machte ich einen Zwischenstopp in Thailand, um in einem Internat für Missionarskinder zu hospitieren. Die letzte Woche in Chiang Mai verbrachte ich in einem christlichen Gästehaus. Der dortige Manager sagte mir beim Abschied sinngemäß: „Sag deiner Missionsleitung, dass du nicht zu hart arbeiten solltest. Ohne Entspannung kannst du keine gute Hausmutter sein.“ Ich gab ihm folgende Antwort: „Ich denke nicht, dass ich das nur meinen Vorgesetzten sagen muss, sondern in erster Linie mir selbst.“ An diese Begegnung habe ich in den vergangenen Jahren immer wieder gedacht. Ich vermute, dass dieser Mann an seinem Arbeitsplatz immer wieder Missionaren begegnet ist, die ausgelaugt waren. Ich musste lernen, dass Vernachlässigung meiner selbst immer auch negative Auswirkungen auf meine Beziehungen und meinen Dienst hat. Rechts: Japaner bei der Pflaumenblüte im Park Unten: S. Regina Kraft und Samuel Strauß backen Weihnachtsplätzchen im Schülerheim. Mithelfen: SPENDENCODE 1350-32 Japan Achtet auf euch! Während ich diese Zeilen schreibe, bin ich ziemlich am Ende meines fast 30-jährigen Dienstes in Japan angelangt. Die letzten 25 Jahre habe ich Missionarskinder im Schülerheim betreut, die wegen der Schulausbildung von ihren Eltern getrennt sind.
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