13 JaPan darum geht’s mission weltweit 5–6/2017 und 34 Jahren! Neet steht im Englischen für „Not in education, employment or training“: Man befindet sich weder in einer festen Anstellung noch in einer Ausoder Weiterbildung. Ein richtiger Neet hat auch kein großes Verlangen danach, daran etwas zu ändern. Im Normalfall wohnt er bei seinen Eltern und wird von ihnen ausgehalten. Versuche der Eingliederung in die Arbeitswelt scheitern in der Regel. Vor einigen Jahren haben jedoch mehr als 150 Neet beschlossen, einen neuen Weg zu gehen: Sie gründeten eine eigene Aktiengesellschaft, unter deren Dach Dienstleistungen und Produkte jeder Art angeboten werden. So bietet ein junger Mann für umgerechnet acht Euro pro Stunde seine Zeit an – wer keine sozialen Kontakte hat, kann ihn für gemeinsame Aktionen wie Restaurantbesuche, Karten und Computerspiele oder Ausflüge mieten. Es ist ein Versuch, in einer Gesellschaft, in der man nicht anerkannt ist, sich selbst etwas mehr Akzeptanz und Orientierung zu geben. Noch einen Schritt weiter geht die Gruppe der Hikikomori, die sich teilweise über Jahre komplett von der Gesellschaft zurückziehen. Gemeinde als Orientierungspunkt Als Gemeinde stellt sich uns die Frage, wie wir angemessen auf die Nöte der Menschen in Japan reagieren und Orientierung geben können. Wir verstehen Gemeinde als festen Ort, an dem Menschen aus allen Gesellschaftsschichten durch Gottes Wort Orientierung für ihr Leben finden können. Um Kindern und Jugendlichen bei ihrer Orientierungssuche zu helfen, hat unsere jetzige Gemeinde vor Jahren eine Schule gegründet. Hier erfahren auch diejenigen Hilfe und Wertschätzung, die schon früh aus der Spur geraten sind. So wie Shinji (Name geändert), der sich in der normalen Schule nicht mehr dem täglichen Leistungsdruck und Mobbing aussetzen wollte. Er blieb einfach zu Hause, wusste aber nicht, was er mit seinem Leben anfangen sollte. In der Gemeindeschule bekam sein Leben langsam wieder eine Richtung. Seine positive Veränderung wurde für viele eine große Ermutigung. Unser Wunsch ist es, dass weiterhin viele Menschen in Japan bei Jesus Orientierung finden und auf seinem Weg gehen. Lothar Sommer l Das Wort Bushido setzt sich aus drei Einzelschriftzeichen zusammen: 武 Bu: Kämpfer, militärisch, ritterlich 士 Shi: Samurai, Ehrenmann 道 dō: Weg, Moral, Lehre Fotos: lothar sommer Samurai gehörten dem japanischen adel an und waren die „ritter Japans“. sie trugen inländische konflikte aus und dienten ihrem Fürsten bis zum tod. man schätzt die Zahl der samurai vom 17. bis 19. Jahrhundert auf zwei millionen. ihre ideologie wurde stark vom Zen-buddhismus beeinflusst. Mithelfen: speNdeNcode 1340-32 Japan 武 士 道 halten auch Schande über die Familie und die Ahnen bringt. der Weg beginnt zu bröckeln Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts bildeten der Zusammenschluss von östlichen Moralvorstellungen (Bushido) und westlicher Wissenschaft und Technik das Fundament für den beispiellosen wirtschaftlichen Aufstieg Japans. Mit der Finanzkrise in den 1990erJahren geriet dieser abrupt ins Stocken. Japan erlebte nicht nur wirtschaftlich einen tiefen Einschnitt. Auch traditionelle Werte und Sicherheiten gerieten ins Wanken. Eine Anstellung auf Lebenszeit und die finanzielle Versorgung konnten von den Firmen nicht mehr gewährleistet werden. Auf das, was bisher Richtung und Orientierung gab, konnte man sich auf einmal nicht mehr verlassen. Nicht wenige Japaner wurden dadurch aus der Bahn geworfen. Auch die bedingungslose Hingabe und Aufopferung für die Firma wurden zunehmend in Frage gestellt. Durch die Veränderungen im Land und den immer stärker werdenden Einfluss aus dem Westen begannen sich neue Wege und Lebenskonzepte zu formen. Freeter, neet und Hikikomori „Studierst du jetzt auch an der Uni?“, frage ich einen jungen Mann in der Gemeinde. „Nein, ich bin ein Freeter und arbeite in einem BurgerLaden“, antwortet er. „Freeter“ (vom englischen free=frei) steht für junge Menschen, die sichmitGelegenheitsjobs über Wasser halten. Meist haben sie sich bewusst entschieden, sich nicht dem üblichen Arbeitsdruck auszusetzen. Oft könnten sie eine feste Anstellung bekommen, aber die eigene Freiheit steht für sie über den Fesseln der Arbeitswelt. Noch extremer leben die „Neet“ ihr Freiheitsgefühl aus. Zu ihnen zählen sich 500.000 bis 850.000 Japaner zwischen 15
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