MISSION weltweit – Ausgaben 2017

mission weltweit 3–4/2017 papua-neuguinea darum geht’s 7 Pastor Mwathunga (Bildmitte) lädt zusammen mit Studenten vom Chisomo-Zentrum Sand auf. Die Aufnahme entstand vor zwei Jahren. Zum einen hat der Wunsch „nach mehr“ oft eine Sogwirkung: Wer am Geld geschnuppert hat, will mehr davon. Somit führt mehr Wohlstand nicht automatisch zu mehr Hilfs- und Spendenbereitschaft. Mir scheint eher das Gegenteil der Fall zu sein. Zweitens kommt hinzu, dass sich mit mehr Geld auch Wünsche erfüllen lassen, die nicht zum Guten dienen. So erzählte mir ein Pastor, dass junge Männer aus seinem Dorf beim Neubau des Flughafenterminals mitarbeiten. Sie verdienen zum ersten Mal in ihrem Leben eigenes Geld – und setzen einen Großteil davon in hochprozentigen Alkohol um! Drittens scheint das Interesse an Gemeinde und Kirche völlig in den Hintergrund getreten zu sein. Gerade die Leute, die im Flüchtlingslager arbeiten, werden oft frühmorgens mit dem Bus abgeholt und kommen erst spätabends nach Hause. Für viele ist es schwierig, daneben einen Sinn für Gemeindeleben zu behalten. Ansteckungsgefahren … Die Gefahr, Materiellem zu viel Wert beizumessen, lauert bei uns auf Manus auch noch von zwei anderen Seiten: Zum einen gab es in der Vergangenheit immer wieder sogenannte Cargo-Kulte: Menschen sammelten sich um einen „Propheten“, der den Anbruch paradiesischer Zustände mit „Cargo“ (Fracht, Gütern) in unbegrenztem Maß versprach. Viele Menschen fielen auf solche Bewegungen herein, und auch heute noch sind viele Neuguineer anfällig, wenn schneller Reichtum versprochen wird. Zum anderen gibt es religiöse Bewegungen, die den christlichen Glauben als Mittel zum Zweck der Gütervermehrung sehen. Sie lehren:Wer Gott etwas gibt, der sät eine Saat, die vielfach belohnt werden wird. ImMittelpunkt dieser Lehren steht nicht mehr Gott, sondern der Mensch, der sich mit Hilfe von Gott seine Wünsche erfüllen kann. … und was wir bedenken sollen Wie kann ein Manuese und wie können wir verantwortungsvoll mit Materiellem umgehen? Es ist nicht ganz leicht, als wohlhabender Deutscher in Papua-Neuguinea vom rechten Verhältnis zum Besitz zu reden. Dennoch haben wir bei uns an der Bibelschule seit einigen Jahren im Fach Biblische Theologie eine lange Einheit genau darüber eingebaut. Unsere Orientierung muss von Gottes Wort kommen! Wir gehen die biblischen Texte durch und sehen den eher positiven Bezug des Alten Testaments zu Besitz, aber auch den eher kritisch-warnenden Ton des Neuen Testaments zum Thema. Ich nenne einige Punkte unserer Entdeckungsreise: l Keiner kann zwei Herren dienen; wer Geld oder Besitz an erste Stelle setzt, nimmt Gott seinen Platz. l Wer seinen Bruder Not leiden sieht und ihm nicht hilft, sündigt. l Gier wird gebrandmarkt, Großzügigkeit gelobt. l Wer zu viel sorgt, dem mangelt es an Gottvertrauen. l Gott ist treu und kümmert sich um uns, aber er ist uns nie etwas schuldig. l Zu einem verantwortungsvollen Leben gehört auch der eigene Einsatz; nirgends ist uns ein Schlaraffenland versprochen. l Ein gutes, biblisches Bestreben ist, genügend zu haben; aber wer permanent im Überfluss lebt, der muss sich fragen, inwiefern sein Lebensstil noch biblisch gedeckt ist. Meine Studenten und ich bleiben bei diesem Thema Lernende. Ich lerne von ihrer Großzügigkeit und der Bereitschaft, mit anderen zu teilen. Meine Studenten lernen von mir, dass es manchmal dran ist, finanzielle Abstriche zu machen, um im Reich Gottes zu dienen. Wir merken auch, dass es kaum möglich ist, bei dem Thema allgemeingültige und eindeutige Regeln aufzustellen, die es zu befolgen gilt; dafür sind die Lebenswelten und -umstände einfach zu unterschiedlich. Dennoch sind wir Gott gegenüber verantwortlich. Unsere Studenten sind die Pastoren von morgen. Wir wünschen uns sehr, dass sie den Menschen hier auf Manus helfen können, keinem blinden Materialismus zu verfallen, sondern ihre neuen Möglichkeiten zu Gottes Ehre und zum Nutzen aller einzusetzen. Simon Herrmann l Simon und Yvonne Herrmann leben mit ihren drei kindern auf der insel manus. Simon ist lehrer an der Bibelschule, Yvonne unterrichtet ihre kinder mit Fernschulmaterial. Beide sind außerdem in der Jugendarbeit aktiv. Der frühere Fachangestellte für Arbeitsförderung und die industriemechanikerin haben die Ausbildung am theologischen Seminar der liebenzeller mission absolviert und waren in Deutschland in der EcJugendarbeit engagiert. Geld zählen nach dem Gottesdienst FotoS: GErhArD StAmm, SimoN hErrmANN

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