MISSION weltweit – Ausgaben 2026

LIEBENZELLER MISSION AKTUELL MISSION weltweit 3/2026 WEITERDENKEN >> SONDERBEITRAG ZUM THEMA VON STEFFEN KERN 19 Steffen Kern, Jahrgang 1973, ist Präses des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes. Der Pfarrer und Journalist lebt mit seiner Familie in Walddorfhäslach bei Tübingen. Er engagiert sich in Kirche, Stiftungen und freien Werken, unter anderem ist er Mitglied der Synode der EKD und unterwegs als Sprecher und Autor zahlreicher Bücher. Besondere Aufmerksamkeit findet derzeit sein Podcast „HOFFNUNGSMENSCH“. Schrift bezeugt wird, ist das eine Wort Gottes, das wir zu hören, dem wir im Leben und im Sterben zu vertrauen und zu gehorchen haben.“Aus dieser positiven Bestimmung ergibt sich konsequent das Anathema: „Wir verwerfen die falsche Lehre, als könne und müsse die Kirche als Quelle ihrer Verkündigung außer und neben diesem einen Wort Gottes auch noch andere Ereignisse und Mächte, Gestalten und Wahrheiten als Gottes Offenbarung anerkennen.“ Es geht um die Einzigartigkeit Jesu Christi. Damit ist jedes „WIE“ und jedes „UND“ ausgeschlossen. Nicht „Jesus WIE …“ Nicht „Jesus WIE andere Menschen“: Jesus geht im Vergleichsmodus nicht auf. Er war nicht nur ein besonders guter, besonders geistreicher oder inspirierender, ein besonders mutiger oder wirksamer Mensch – obwohl er das alles auch gewesen sein mag, zumindest jeweils in gewisser Hinsicht. Aber Jesus ist nicht WIE andere. Das wäre ein „linkes Missverständnis“. Er lässt sich nicht vereinnahmen. Was er gesagt und getan hat, war intellektuell und politisch höchst bedeutsam, aber er lässt sich nicht instrumentalisieren. Vor allem: Er geht im Menschlichen nicht auf, obwohl er ganz Mensch geworden ist. Jesus ist einzigartig. – Das andere gilt auch: Nicht „Jesus UND …“ Nicht „Jesus UND andere Menschen“: Nicht „Jesus is my Lord AND Trump is my president“. Nicht „Jesus ist Herr UND …“ in einem zum Bekenntnis stilisierten Satz, den Protestierende etwa beim Sturm aufs Kapitol am 6. Januar 2021 in Washington auf Schildern und Plakaten vor sich hergetragen haben. Nicht „Gottes Reich UND Deutsches Reich“. Nicht „Jesus-Bekenntnis UND Kulturkampf“. Nicht „Jesus UND christlicher Staat“. Nicht „Jesus UND christliches Abendland“. Nicht „Jesus UND“! Das ist ein „rechtes Missverständnis“. Jesus ist einzigartig. Sein Reich ist nicht von dieser Welt. Die verächtliche Rede alter und neuer „Influencer“ Jesus lässt sich politisch nicht vereinnahmen, auch wenn die Vereinnahmung des Christentums für parteipolitische Zwecke und gesellschaftspolitische Kämpfe zu einem Massenphänomen geworden ist. Ja, vor allem im US-amerikanischen Raum. Aber zunehmend auch in Westeuropa. Social Media, populistische bis extremistische Parteien und manche(!) der sogenannten „Christfluencer“ auch in Deutschland schlagen die Brücke. Einige derer mit größter Reichweite und Resonanz unter jungen Evangelikalen in Deutschland zeigen eine offene Nähe zu rechten Ideologien und Parteien. Sie vermischen Glaube und Politik. Auch manch prominente Alt-Evangelikale oder „Katholikale“ gehen diesen Weg – oft mit Zynismus, Häme und verächtlichem Reden über andere Menschen, vorzugsweise über Amtsträger in Kirche und Politik. Die Vermischung von Glaube und Politik Entscheidend: Hier geht es nicht um politische Positionen, über die man verschiedener Meinung sein und gerne jederzeit trefflich streiten kann. Es geht vielmehr um die fehlende kritische Wahrnehmung für die Instrumentalisierung des Glaubens und die Ideologisierung des Politischen. Es geht um die Vermischung von Gottesdienst und Kulturkampf, von Glaube und Politik. Die Vermischung ist das Problem! Am Scheideweg Theologie ist die Kunst der Unterscheidung. Sie beginnt mit dem Hören. Hören auf das eine Wort Gottes, auf Jesus Christus selbst. Diese Hör- und Unterscheidungskunst ist von Leitenden in diesen Tagen wieder neu gefragt, auch von Verantwortlichen in evangelischen Kirchen und im weiten Gnadauer Raum auf allen Leitungsebenen. Der Protestantismus in Deutschland und der Evangelikalismus weltweit stehen am Scheideweg: Entweder „Jesus als Heil der Welt“ oder „Jesus als selbst konstruierte politische Ikone“. Es bleibt dabei: Jesus lässt sich politisch nicht vereinnahmen – weder von links noch von rechts. Darum kann der entscheidende Move für „intensiv evangelische Christen“ nur einer sein: Zurück zu Jesus! Zurück zu Jesus: Wie wird das konkret? Dazu fünf Impulse: 1. Wir bekennen neu: Jesus allein ist Herr der Zeiten. Sein Reich ist nicht von dieser Welt. 2. Wir unterscheiden zwischen Glauben und Politik, zwischen existenzieller Hoffnung und verantwortlichem Handeln in dieser Welt. 3. Wir widersprechen polit-religiösen Ideologien und markieren rote Linien. 4. Wir suchen das Gespräch und öffnen Räume der Verständigung: Wir laden Menschen mit verschiedenen Positionen und Haltungen ein. Wir hören zu, halten aus und bringen dabei auch unsere Unterscheidungen ins Gespräch. Das tun wir mit Respekt vor Personen und Klarheit in der Sache. 5. Wir machen als Christen von unserer Freiheit als Bürgerinnen und Bürger Gebrauch und engagieren uns im Gemeinwesen. So nehmen wir Verantwortung in dieser Welt wahr. FOTO: MARTIN HAUG Respektvoll streiten ist möglich

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