18 LIEBENZELLER MISSION AKTUELL WEITERDENKEN >> SONDERBEITRAG ZUM THEMA VON STEFFEN KERN FOTO: FABIAN REINHARDT Die Huldigung durch weiße Evangelikale Es mutet wie eine bitterböse Karikatur an, die das quasi-religiöse Selbstbewusstsein des Präsidenten überzeichnet – doch es ist nicht Satire, sondern Realität: Trump selbst postet das Bild. Eine solche Form von geistlichem Narzissmus ist singulär. Ich kann mich an keine auch nur annähernd vergleichbare Form der tollkühnen Gotteslästerung von einem führenden Politiker der westlichen Welt erinnern. Es gibt nur eines, was angesichts dieser Hybris noch schwerer wiegt: Nach wie vor unterstützen namhafte Evangelikale den Präsidenten und sehen in ihm eine Art polit-religiöse Heilsgestalt. Paula White ist als religiöse Agitatorin angestellt. Franklin Graham, einst Evangelist in den Spuren seines Vaters Billy Graham, hat sich längst in einen politischen Aktivisten der TrumpHuldigung verwandelt. Er verteidigt Trump auch nach dem Post des inzwischen gelöschten Bildes vehement und versteigt sich zu der Aussage, es habe in der Geschichte der USA keinen christlicheren Präsidenten als Trump gegeben. Sie alle lassen sich blenden vom großen Blender aus dem Oval Office. Der Evangelikalismus in den USA ist in weiten Teilen zu einer rechts-ideologischen Kulturkampf-Bewegung verkommen. Dabei wäre es längst an der Zeit, das Gebaren des Präsidenten als das zu benennen, was es in Wahrheit ist: eine antichristliche Selbst-Vergötzung. Doch es geht um mehr als um einzelne skurrile Persönlichkeiten rund um das Weiße Haus in Washington. Es geht um eine Bewegung. Sie hat sich in den USA geformt und wirkt weit darüber hinaus. Es ist die Bewegung des „christlichen Nationalismus“, die weltweit Kreise zieht, aber vor allem in den USA wirksam ist. Was steckt dahinter? Die Ideologie des „christlichen Nationalismus“ Der „christliche Nationalismus“, wie er uns gegenwärtig vor allem in den USA neu begegnet, setzt auf eine „christliche“ Nation, einen „christlichen“ Staat, also auf ein „Reich in dieser Welt“. Damit vertritt er das Gegenteil dessen, was Jesus von Nazareth verkündigt hat und was mit dem Glauben an Jesus, den Christus, essenziell verbunden ist: Das Reich Gottes ist nicht von dieser Welt. Stattdessen verfolgt der „christliche Nationalismus“ eine strikte theokratische Staatsidee, die weltliche Fragen zu geistlichen Fragen macht und politische Debatten spirituell auflädt. Es geht immer ums Ganze, um Schwarz oder Weiß, um Licht oder Finsternis. Politische Gegner werden zu Feinden stigmatisiert und dämonisiert. Je stärker Glaubende von einem apokalyptisch dualistischen Weltbild geprägt sind, desto anfälliger sind sie für solche Dämonisierungen. Schnell werden Bibelstellen aus dem Zusammenhang gerissen. Man habe „nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit Mächten und Gewalten“ (vgl. Epheser 6,12). Damit ist jeder nüchternen, diskursiven und das Gegenüber achtenden sachpolitischen Auseinandersetzung der Boden entzogen. Entsprechend bestimmt Verachtung des politischen Gegners die Haltung. Hass und Häme prägen die Rhetorik. Politische Debatten werden zu einem geistlichen Kampffeld. Eine nüchterne abwägende Argumentation, das Aushalten von Spannungen, die Suche nach Kompromissen – all das hat keinen Raum mehr. Es geht darum, eine Nation nach Gottes Willen zu gestalten. Damit überhebt sich die Bewegung nicht nur gegenüber anderen politischen Konzepten, sondern instrumentalisiert den christlichen Glauben für die eigenen politischen und oft sehr persönlichen Zwecke. Es geht um Macht, um zutiefst irdische Macht. Genau dadurch aber, durch dieses Verzwecken des Glaubens, wird der Glaube selbst in seiner Substanz verändert. Es wird „ein anderes Evangelium“ verkündet. Hier stellt sich die Bekenntnisfrage Es geht hier um die Fundamente einer freiheitlichen und rechtsstaatlichen Demokratie, mehr noch – ich formuliere bewusst von der Christologie her – es geht um die Frage: Wer ist Herr? Wer regiert? Und worin besteht sein Reich? – Damit stellt sich die Bekenntnisfrage. Die Barmer Theologische Erklärung formuliert in ihrer ersten These: „Jesus Christus, wie er uns in der Heiligen Darum kann der entscheidende Move für „intensiv evangelische Christen“ nur einer sein: Zurück zu Jesus!
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