MISSION weltweit – Ausgaben 2026

MISSION weltweit 3/2026 MALAWI 15 ZUM THEMA 1 Vgl. 2. Mose 20,5; 34,7; Richter 17,1–3; 1. Samuel 14,24–30. war bewusst, dass es auch für ihn schwierig sein würde, meine Fragen zu beantworten. Da der „fluchende“ Pastor in der kulturellen wie auch kirchlichen Hierarchie deutlich höher stand als er, konnte er diesem nicht in den Rücken fallen. Dennoch hoffte ich auf eine ehrliche Einordnung. Was sagt die Bibel dazu? Mein Freund erklärte mir, was in malawischen Dörfern mit Gräbern und den Verstorbenen alles passieren kann. Er wies mich auch darauf hin, in welcher Gegend die Beerdigung stattgefunden hatte. Für Zauberei und animistische Bräuche werden dort regelmäßig Knochen von Verstorbenen ausgegraben. Wir sprachen auch über die alttestamentliche Praxis des Verfluchens1. In den letzten Jahren hatte ich mich theologisch damit nicht auseinandergesetzt. Jakobus weist in seinem Brief in Kapitel 3,9–10 darauf hin, was die Zunge alles kann, aber nicht unbedingt sollte. Aber in solchen Zeiten leben wir doch nicht mehr, oder doch? Jesus ist auferstanden. Das zählt. Auch für uns in Malawi. Er hat den Fluch gebrochen, wir sind frei (Johannes 8,36; Galater 3,13–14). Mein geschätzter großer Bruder meinte: „Letztlich wollte der Pastor allen Anwesenden vermitteln, dass sie der Verstorbenen nichts anhaben können, weil Gott sie durch den Segen, aber auch durch den Fluch schützt.“ Die malawische Kultur ist von Angst, Dunkelheit und Macht geprägt. Entscheidend ist, welcher Macht man sich unterordnet und wem gegenüber man sich loyal zeigt. In diesem Zusammenhang wird durch den Fluch zwar Angst unter den Menschen geweckt, aber eben auch Gottes Macht demonstriert. Dies wird wiederum dem Segen und Schutz Gottes zugerechnet. Was der Pastor tat, sollte alle anwesenden Menschen davon abschrecken, sich an diesem Grab zu schaffen zu machen. Sollten sie es trotzdem tun, würde sie der Zorn Gottes treffen. Kurz: Er stellte das Grab unter den Schutz des Allmächtigen, ja, er heiligte es. Der Pastor stellte klar, dass die Verstorbene nicht schutzlos ist, da sie in einer direkten, loyalen Beziehung mit dem Allmächtigen steht. Hätte er dies nicht auch anders tun können? Hätte er nicht auch einen „kräftigeren“ Segen aussprechen können? Ganz bestimmt! Dennoch verstehe ich ihn heute besser als damals. Ich selbst würde mich zwar immer noch nicht zum Schutze von Menschen eines Fluches bedienen. Aber ich toleriere sein Handeln, weil ich seine gute Intention, seine theologische Reflexion und seine tiefe kulturelle Kenntnis schätze. Ich bin dankbar, dass ich erst darüber reflektieren konnte, was ich für richtig und was für falsch halte. Dankbar bin ich auch für theologisch und kulturell gut reflektierte malawische Geschwister, die uns Missionaren helfen, das Evangelium in diesem Kontext besser zu verstehen. Auf diese Weise können wir den Gott der Bibel kulturell relevanter verkündigen. Wie gut, dass wir solch tiefe Beziehungen leben können, die schwierige Fragen und Reflexionen aushalten. Denn davon profitieren wir alle. Joachim Berger Joachim und Mirjam Berger leben seit 2009 in Malawi und haben drei Töchter. Zu Joachims Aufgaben gehören Dienste in der Partnerkirche und Unterrichtseinheiten am Chisomo-Zentrum. Zuvor waren er und Mirjam für die theologische und handwerkliche Ausbildung malawischer Pastoren in Chisomo verantwortlich. Seit 2019 leitet Joachim das Team der Liebenzeller Mission in Malawi und seit 2024 den Fachbereich Afrika. Rundbriefe und mehr: www.liebenzell.org/berger Jesus ist auferstanden. Das zählt. Auch für uns in Malawi. Ein schlichtes malawisches Grab In vielen Dingen ähneln Beerdigungen in Deutschland denen in anderen Ländern (hier Sambia) Wie gut, wenn man sich in kulturellen Fragen von Insidern beraten lassen kann FOTO: HANS-PETER HERTLER FOTO: SIMON HEIDT FOTO:MONIKA WEINMANN

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