MISSION weltweit – Ausgaben 2026

13 ZUM THEMA SPANIEN MISSION weltweit 3/2026 FOTOS: MARTIN HAUG Sichtbar werden Viele unserer Freunde wissen inzwischen, was wir hier tun. Einige haben bereits Gemeindeveranstaltungen besucht, eine Familie ist sogar geblieben. Gleichzeitig merken wir, dass das Denken über Kirche in Spanien stark katholisch geprägt ist. Man fragt uns nach der Uhrzeit unserer „Messe“ oder stellt sich unsere Veranstaltungen im katholischen Ritus vor. Ein Freund bezeichnete die evangelische Kirche einmal als „Kirche der Ausländer“. Das ist nicht ganz falsch: Viele evangelische Christen stammen aus Lateinamerika oder anderen Regionen. Gleichzeitig macht diese Aussage deutlich, dass evangelische Gemeinden noch kein selbstverständlicher Teil der spanischen Kultur sind. Heute werden sie zwar weitgehend toleriert, stehen aber vor der Herausforderung, für ihr gesellschaftliches Umfeld relevant zu sein. Gemeinden müssen nahbar sein und Gelegenheiten schaffen, bei denen Menschen sie kennenlernen und Vorurteile abbauen können. Sie dürfen sich nicht verstecken, sondern sollten sichtbar und ansprechbar präsent sein. Ein erster Schritt für uns als Gemeinde war es, letzten September unser jährliches Paella-Essen auf die Straße vor unserem Kirchengebäude zu verlegen. Ursprünglich feierten wir den Gottesdienst mit anschließendem Essen im Garten einer Familie der Gemeinde. Aber dort blieben wir unter uns und wurden nicht wahrgenommen. Um sichtbar zu werden, meldeten wir unsere Veranstaltung im Rathaus an und ließen die Straße dafür sperren. In Zukunft wollen wir das wiederholen. Besonders wichtig ist es uns, in Freundschaften zu investieren. Auf unsere Gemeindefreizeit im letzten Jahr begleiteten uns auch Mario* und seine Familie. Wir kennen uns seit über vier Jahren. Seine Frau und er kommen aus Brasilien. Sie ist katholisch aufgewachsen, er ohne Bezug zum christlichen Glauben. Während der Freizeit führten wir ein Gespräch, während dessen Mario mir tief bewegt anvertraute: „Es ist, als ob ich alles hätte, aber irgendwie habe ich nichts. Irgendetwas fehlt mir.“ An Ort und Stelle entschied er sich für ein Leben mit Jesus. Nun kommt er mit seiner Familie regelmäßig in unsere Kirche. Vorurteile lassen sich abbauen und Toleranz wächst, wenn persönliche Beziehungen entstehen und Glaube authentisch gelebt wird. Wenn wir als Gemeinde Gott lieben und unseren Nächsten, wird unser Umfeld wahrnehmen, dass evangelischer Glaube nichts mit einer Sekte zu tun hat. Unsere Mitmenschen werden erfahren, dass es um eine lebendige Beziehung zu Jesus Christus geht – eine Form des Glaubens, die für viele hier neu ist und Menschen tief berühren kann. Felix Unger Felix und Jessica Unger leben seit April 2021 in Spanien. Dort leiten sie die Iglesia Evangélica de Cullera, südlich von Valencia. Beide haben an der Internationalen Hochschule Liebenzell studiert (Evangelische Theologie bzw. Theologie / Soziale Arbeit im interkulturellen Kontext) und sammelten anschließend Erfahrung als Jugendreferenten beim SWD-EC-Verband. Felix und Jessica haben drei Kinder. Rundbriefe und mehr: www.liebenzell.org/unger Vorurteile lassen sich abbauen und Toleranz wächst, wenn persönliche Beziehungen entstehen und Glaube authentisch gelebt wird. Anders als in Deutschland spielt im traditionell katholischen Spanien die evangelische Landeskirche kaum eine Rolle. Es existieren zahlreiche unterschiedliche evangelische Prägungen. Insgesamt machen evangelische Christen nur 1 bis 3 Prozent der Bevölkerung aus – jedoch mit steigender Tendenz. Genaue Zahlen sind schwer zu ermitteln. Ein Teil der Gemeinden ist in der Evangelischen Allianz organisiert, einem Netzwerk von Kirchen verschiedener Denominationen. Seit der Demokratisierung Spaniens 1978 und insbesondere durch die Federación de Entidades Religiosas Evangélicas de España (FEREDE, gegründet 1986) werden evangelische Gemeinden heute auch offiziell rechtlich vertreten. Für eine solche Minderheit ist das von großer Bedeutung. *Name geändert Oben: Raus aus den Gemeinderäumen (Gebäude links) und sichtbar werden am Tag der Paella FOTO: FELIX UNGER Unten: Glaubenskurse bieten eine gute Möglichkeit für Interessierte, Jesus besser kennenzulernen

RkJQdWJsaXNoZXIy NjU1MjUy