ZUM THEMA 12 SPANIEN 1 Schule, die man schon ab dem Kindergartenalter besucht. Als wir 2021 nach Spanien kamen, sagte man uns, dass die Arbeit in evangelischen Gemeinden sehr mühsam und herausfordernd sein werde. Einen hohen gesellschaftlichen Stellenwert, wie ihn ein Pastor oder Missionar beispielsweise in Afrika genießt, habe man hier nicht. Im Gegenteil: Evangelische Gemeinden würden oft als Fremdkörper oder sogar als Sekte wahrgenommen. Toleranz? Eher gering ausgeprägt. Fünf Jahre später haben wir als Familie erste Erfahrungen in der Kleinstadt Cullera mit 25.000 Einwohnern gesammelt. Wir können die damalige Einschätzung zum Teil bestätigen. Gleichzeitig haben wir aber auch erlebt, dass sich manches verändert hat. Eine innere Hürde Bis heute gibt es Menschen, die an unserem Gemeindegebäude vorbeigehen und sagen: „Ah, ich wusste gar nicht, dass das eine Kirche ist.“ Dabei existiert es seit rund 40 Jahren und trägt gut sichtbar den Schriftzug „Iglesia Evangélica“. Das ist bezeichnend – selbst wenn das Gebäude nicht so auffällig ist wie eine typische katholische Kirche. Für viele Spanier ist es nach wie vor eine große Hürde, eine evangelische Gemeinde zu betreten. Sie wird im Allgemeinen nicht als gleichwertig mit der katholischen Kirche akzeptiert. Häufig müssen wir hier in Cullera erklären, dass evangelische Gemeinden in Deutschland eine ähnlich selbstverständliche Rolle spielen, wie es die katholische Kirche in Spanien tut. Unsere Kinder besuchen ein katholisches „Cole“1, da uns die dort vermittelten Werte mehr zusagten als die einer staatlichen Einrichtung. Eines Tages bat uns eine Lehrerin, einmal von unserer „Religion“ zu erzählen – als wäre unser evangelischer Glaube grundsätzlich anders als der katholische. Im Jahr darauf durften wir bei einer Projektwoche Kindern im Alter von vier bis sechs Jahren unseren Beruf vorstellen, wofür wir sehr positive Rückmeldungen bekamen. Gemeinden dürfen sich nicht verstecken, sondern sollten sichtbar und ansprechbar präsent sein. Kürzlich suchte ich das Gespräch mit einem katholischen Priester und seinem Diakon in unserem Viertel. Der Priester vertraute mir an: „Es ist das erste Mal, dass ich einen evangelischen Pastor näher kennenlerne.“ Einen Austausch zwischen der katholischen und der evangelischen Kirche hat es in Cullera bislang nicht gegeben. Kein Wunder – evangelische Christen stellen hier in Spanien eine exotische Minderheit dar. Cullera, eine Kleinstadt an der Mittelmeerküste, ist seit fünf Jahren die Heimat von Familie Unger Kirche als Fremdkörper?
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