ZUM THEMA FRANKREICH 10 FOTOS: NORBERT LAFFIN 1 Bezeichnung für die französischen Protestanten im 16. Jahrhundert. 2 Von oikoumene, griechisch: „die ganze bewohnte Erde“. Bewegung mit dem Ziel der weltweiten Zusammenarbeit und Einigung der verschiedenen christlichen Konfessionen. Unsere Antwort: Viele Kirchen sind leer, Frankreich ist ein nachchristliches Land geworden. Und: Unsere Mission besteht nicht im Kampf gegen „die Kirche“, wie sie hier (noch) genannt wird. Im Gegenteil. Getrennt Als junge Missionare betraten wir ein für uns unbekanntes Land: Deutsche in der einst besetzten Normandie und Evangelische in einer katholischen Bischofsstadt. Eine Provokation? Wir wollten nur die Botschaft der Bibel verkündigen ohne „unbiblische“ Kompromisse. Eine Zusammenarbeit mit anderen Kirchen kam nicht in Frage. Wir hatten doch nicht denselben Glauben! Dem Bischof unseres Städtchens sagte ich: „Von Ökumene2 halte ich nichts.“ Doch schon mein Antrittsbesuch stellte das infrage. Und es folgten weitere Schlüsselbegegnungen: Brüder Zum evangelistischen Konzert des Ensembles „Adoramus“ aus London luden wir gemeinsam mit der katholischen Gemeinde in die Kathedrale ein. Sie war voll besetzt. Das Programm war eine einzige Einladung zum Glauben an Jesus. Kurz vor unserer Verabschiedung aus Coutances besuchte mich ein betagter Priester. Mir wollte er unbedingt ein Segenswort mitgeben. Er sprach von seiner Freude auf den Himmel. In Alençon bat mich ein Journalist des katholischen Radios RCF spontan zum Interview: „Wir dienen doch beide Jesus!“, meinte er. Könnte der jährliche ökumenische Gebetsabend nicht auch einmal in unserer Gemeinde stattfinden? Er wurde auf YouTube übertragen und fand großen Anklang. Gemeinsam sprachen wir das Glaubensbekenntnis an den dreieinigen Gott und riefen Jesus als den Herrn an. Machte uns das nicht zu Brüdern im Glauben? Seite an Seite Die Gemeinschaft mit dem katholischen Kollegen (und der reformierten Pfarrerin) wird bei jedem Treffen herzlicher. Wir reden über unseren Dienst, lachen und beten miteinander. Bei der Karfreitagsandacht lesen die Gemeinden einmütig die Evangelien und entdecken den lebendigen Glauben der „anderen“. Wir sind nicht in allem einig. Manches in Lehre und Glaubensleben bleibt mir unverständlich und mit der Bibel unvereinbar. Eine institutionelle Einheit der Kirchen befürworte ich nicht. Wir gehen getrennte Wege, aber als Schwestern und Brüder, die einander ermutigen. Gegeneinander kämpfen wir nicht. Wir tun es Seite an Seite für das menschliche Leben, von seinem Anfang bis zum Ende, für die Ehe zwischen Mann und Frau. Und für das Zeugnis in einer Welt, die nach Jesus hungert. Norbert Laffin Als „getrennte Brüder“ wurden nichtkatholische Christen nach dem 2. Vatikanischen Konzil (1964) bezeichnet. Dieser wertschätzende Begriff markierte einen Wandel in der katholischen Wahrnehmung von Protestanten und Orthodoxen. Zuvor wurden diese als vom wahren Glauben Abtrünnige betrachtet. Getrennte Brüder „Missionare in Frankreich?“ werden wir gefragt. „In jedem Dorf steht doch eine Kirche!“ Oder aber: „Habt ihr etwas mit der katholischen Kirche zu tun? Sie lehrt doch nicht das Evangelium und hat die Hugenotten1 verfolgt!“ Oben: Gemeindeausflug nach Carrouges; im Hintergrund das Schloss aus dem 14. Jahrhundert Rechts: Gelebte Geschwisterlichkeit: Norbert Laffin mit dem katholischen Priester und der reformierten Pfarrerin Norbert und Susanne Laffin sind seit 1990 als Missionare in der Normandie/Frankreich tätig. Die von ihnen gegründete Gemeinde in Coutances steht mittlerweile auf eigenen Beinen. Seit 2017 begleiten sie eine Gemeinde in Alençon. Norbert hat die Ausbildung am Theologischen Seminar der Liebenzeller Mission absolviert. Susanne ist gelernte Krankenschwester. Rundbriefe und mehr: www.liebenzell.org/ laffin-norbert-susanne
RkJQdWJsaXNoZXIy NjU1MjUy