MISSION weltweit – Ausgaben 2026

ZUM THEMA SAMBIA 6 FOTO: HANS-PETER HERTLER Zwei Jahre zuvor waren wir eingeladen zur Einführung von Pastor Mutale* in seiner ersten Gemeinde. Ich hatte ihn während seines Studiums kennengelernt und freute mich nun, dabei zu sein. Er hatte sein Studium erfolgreich abgeschlossen, aber – wie sich später herausstellte – nicht das studiert, wofür er mit Spendengeldern finanziert wurde. Der Gottesdienst wurde ausgelassen gefeiert. Endlich hatte die Gemeinde ihren eigenen Pastor. Die Gemeindeglieder strengten sich außerordentlich an, Pastor Mutale einen würdigen Empfang zu bereiten. Große, wertvolle Geschenke wurden unter Tanz und Gesang hereingebracht. Was keiner ahnte: Zu diesem Zeitpunkt hatte der Pastor seine Bewerbung beim Schulamt bereits eingereicht. Einige Monate später packte er bei Nacht und Nebel seine Sachen und verschwand. Das Schulamt hatte ihm eine Anstellung angeboten – deutlich besser bezahlt als sein Dienst als Pastor. Möglich war das, weil er neben der Theologie – entgegen der Vereinbarung – einen weiteren Schwerpunkt auf Pädagogik gelegt hatte. Die Enttäuschung und der Ärger der Gemeinde waren groß. Sie brauchte lange, um sich davon zu erholen. In der Jahreshauptversammlung kam das Problem zur Sprache. Pastor Mutale hatte einen Vertrag unterschrieben, der ihn verpflichtete, nach dem Studium in einer unserer Kirchen zu arbeiten. Bei Vertragsbruch musste er die Kosten für die Ausbildung erstatten. Einige plädierten dennoch für Nachsicht: „Machen wir keinen Aufstand. Was passiert ist, ist passiert.“ Da stand ich: Der junge Missionar, einer der wenigen „Bleichgesichter“ im Raum. Mit vor Aufregung zitternder Stimme sagte ich: „Wir können das nicht einfach tolerieren. Vergebung ist nichts, was man hinterherwirft.“ Das Thema wurde vertagt und später nicht mehr aufgegriffen. Geklärt wurde die Situation nicht. Bis heute tue ich mich schwer damit. Vergebung ist keine Schleuderware. Doch an Wut und offenen Rechnungen festzuhalten, ist auch nicht der Weg, den Jesus gelehrt hat. Ich bin überzeugt: Unrecht muss benannt werden. Nicht, um Recht zu behalten, sondern um Einsicht und Veränderung zu ermöglichen. Jesus toleriert Schuld nicht. Sie hat immer Konsequenzen. Vergebung kann einen Neuanfang ermöglichen, aber nicht auf Kosten von Wahrheit und Verantwortung. Sonst leben wir das, was Dietrich Bonhoeffer „billige Gnade“ nannte: Vergebung ohne Auswirkung auf unser Leben. Das ist unter der Perspektive der Ewigkeit lebensgefährlich. Wo musst du aufhören, von anderen Toleranz für dein Fehlverhalten einzufordern? Jesus will echte Veränderung für uns – auch wenn sie viel kostet. Billige Gnade ist keine Alternative. Hans-Peter Hertler Hans-Peter und Britta Hertler leben seit 2009 in Sambia. Nach etlichen Jahren in der Schulung von ehrenamtlichen Gemeindeleitern haben sie 2019 die Leitung des Missionarsteams übernommen. Hans-Peter war Bankkaufmann und Layouter und studierte Theologie in Bad Liebenzell. Britta studierte dort Gemeindepädagogik. Ihre drei Kinder besuchen die Amano-Schule. Rundbriefe und mehr: www.liebenzell.org/ hertler-hans-peter-britta So geht das doch nicht! Ich war stinksauer. Das konnte ich nicht stehen lassen. Als mir das Wort erteilt wurde, stand ich auf. Meine Stimme zitterte … *Name geändert Geschenke im Gottesdienst haben in Sambia auch Symbolcharakter

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