22 LIEBENZELLER MISSION AKTUELL Gottes Wege sind oft unfassbar Am 21. November 1952 verunglückte der holländische Missionar Johannes de Roo in Manus (PapuaNeuguinea) tödlich bei einem Autounfall. Der Vater von acht Kindern im damaligen Alter von zehn bis 25 Jahren war 1949 allein nach Manus ausgereist, weil man im Blick auf die Personalsituation dringend einen erfahrenen Missionar für die Überbrückung benötigte. Seine Familie ließ er für diese Zeit in Holland zurück, da seine Frau Maria gesundheitlich angeschlagen war. Wie sein ältestes Kind, Renate de Roo, das alles erlebt hat, schildert ihr Sohn, der 62-jährige Finanzmanager Joachim Gerritsen. FOTOS: MISSIONSARCHIV, PRIVAT Renate de Roo als Kleinkind in PapuaNeuguinea. Im Vorgänger der Kinderzeitschrift „GO!“, dem „Missionsglöcklein“, wird ausführlich von ihr berichtet Joachim, wie hat deine Mutter es verkraftet, ihren Vater während seines Dienstes in Manus zu verlieren? Meine Mutter hatte eine sehr enge Beziehung zu ihrem Vater. Sie schrieb ihm fast jede Woche einen Brief. Ich habe noch sehr viele davon. In einem bat ihr Vater sie sogar, ihrer Mutter zum 25. Hochzeitstag 25 rote Rosen zu kaufen, da er zu dieser Zeit alleine in Manus war. Meine Mutter selbst wurde ein Jahr nach der ersten Ausreise ihrer Eltern 1927 in Manus geboren. Sie wuchs in den 1930er-Jahren im Kinderheim der Liebenzeller Mission im südbadischen Müllheim auf. Sie hat nicht viel davon erzählt, nur, dass es für sie aufgrund der Trennung von ihren Eltern eine sehr schwere Zeit war. Denn das Zusammensein mit ihrer Familie war ihr immer sehr wichtig. Wo hat deine Mutter mit ihren Eltern und Geschwistern den Zweiten Weltkrieg erlebt? Da während des ersten Heimataufenthalts meiner Großeltern der Zweite Weltkrieg ausbrach, konnten sie vorerst nicht wieder ausreisen. So lebte meine Mutter mit ihren Eltern und Geschwistern von 1939 bis 1946 im Schwarzwaldhaus auf dem Missionsberg. Wie hat deine Mutter an diese Zeit zurückgedacht? Meine Mutter hat immer gerne an die Zeit auf dem Missionsberg und in Deutschland zurückgedacht. Sie hat in Bad Liebenzell viele Freunde gefunden. Immer wieder verbrachten wir später Urlaube mit ihr in Deutschland. Der Kontakt zur Liebenzeller Mission hielt bis zum Tod meiner Mutter 2006 an. Wir besuchten die Liebenzeller Mission immer wieder. Es hat uns sehr berührt, dass ein Vertreter der Liebenzeller Mission an der Beerdigung meiner Großmutter 1999 teilnahm. Dein Großvater war viele Jahre als Missionar für die Liebenzeller Mission tätig. Doch während der Besatzungszeit taten die Deutschen den Niederländern Schreckliches an. Wie hat deine Mutter es erlebt, als Halbwaise in der Nachkriegszeit in den Niederlanden aufzuwachsen? Meine Mutter hegte nie Groll gegen Gott, weil sie ihren geliebten Vater so früh verloren hatte. In der Nachkriegszeit in Holland erlebte sie auch nicht viele Anfeindungen, da ihr Vater bekanntermaßen weit vor dem Aufstieg und der Machtübernahme Adolf Hitlers für die Liebenzeller Mission
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