MISSION weltweit – Ausgaben 2026

ZUM THEMA DEUTSCHLAND 10 FOTOS: NORBERT LAFFIN Deborah Schutte hat an der Internationalen Hochschule Liebenzell Theologie und Soziale Arbeit im interkulturellen Kontext studiert. Sie arbeitet als Sozialarbeiterin in den Hoffnungshäusern in Bad Liebenzell. Dabei unterstützt und begleitet sie Asylsuchende in ihrem Integrationsprozess, sodass sie in Deutschland Fuß fassen. Rundbriefe und mehr: www.liebenzell.org/schutte Neulich im Treppenhaus: Eine Mutter aus dem oberen Stockwerk des Hoffnungshauses schickt ihr Kind zu der ostafrikanischen Frau im Untergeschoss. Es soll nach einer Zitrone fragen. Als mir das Kind entgegenkommt, trägt es ein Netz voller Zitronen. Fern der Heimat Wo viele Menschen zusammenkommen, gibt es oft Grund zu feiern: das afghanische Neujahrsfest, das Eid-Fest zum Ende des Ramadans oder der monatliche Bewohnerabend, bei dem die Hausgemeinschaft gemeinsam isst. Uns als Team ist es ein Anliegen, Begegnungsräume in den Hoffnungshäusern zu schaffen, damit Nachbarn miteinander in Kontakt kommen. Das geschieht bei Veranstaltungen oder auch beim Unkrautjäten im Garten. Wir wünschen uns, dass Beziehungen entstehen und Menschen in unserer Gesellschaft Heimat finden. Hilfe zur Selbsthilfe Zu meinen Hauptaufgaben gehört es, Bewohner mit Migrationshintergrund in ihren alltäglichen Herausforderungen zu unterstützen. Nach dem Prinzip der Hilfe zur Selbsthilfe arbeiten wir uns durch den Bürokratiedschungel, suchen Arbeit oder besprechen gesundheitliche Themen. Durch die Flucht wird vielen Menschen die Autonomie geraubt. Zu Hause waren sie aktiver Teil eines sozialen Netzes, in der Fremde erleben sie Abhängigkeit in einem System, das sie nicht sofort verstehen. Es begeistert mich, zu beobachten, wie sich die Bewohner diese Autonomie nach und nach zurückerobern. Jeder Mensch ist wertvoll, denn er ist von Gott gemacht. Wir wünschen uns, dass die Bewohner seine Liebe durch uns erfahren. Immer wieder ergeben sich Gespräche über unseren Glauben an Jesus Christus. Wir beten, dass viele Menschen von der Hoffnung und Liebe berührt werden, die Gott schenkt. Die Bewohner drücken oft ihre Dankbarkeit aus, in den Hoffnungshäusern wohnen zu können. Kürzlich sagte ein junger Mann: „In meinem Heimatland hatte ich immer eine Familie, die mich unterstützte. Auf der Flucht war ich überall allein. Hier im Hoffnungshaus habe ich wieder einen Ort, an dem wir so etwas wie Familie sind.“ Deborah Schutte In den Hoffnungshäusern leben Familien aus unterschiedlichen Sprach- und Kulturkreisen. Mich begeistert, wie großzügig sie einander im Alltag unterstützen, ob mit Lebensmitteln oder bei der Kinderbetreuung. Genau dafür sind die Hoffnungshäuser gedacht: Geflüchtete, Studierende der Internationalen Hochschule Liebenzell und deutsche Familien wohnen unter einem Dach, helfen sich und teilen ihr Leben. Aus Fremden sollen Freunde werden. Gastfreundschaft wird in unserer Gemeinschaft großgeschrieben: Die ostafrikanischen Frauen laden im Sommer zur Kaffeezeremonie ein. Dann sitzen Frauen – und gelegentlich auch Männer – bei schönem Wetter draußen und es gibt drei Runden frisch gerösteten Ingwerkaffee. Anhand von Alltagsgegenständen lernen die Bewohner, ihr Deutsch zu verbessern Gemeinsam feiern in den Hoffnungshäusern FOTO: SARAH ZINSER FOTO: CHRISTOPH KIESS

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