DEUTSCHLAND 11 ZUM THEMA MISSION weltweit 4/2026 Tom kam schon als Kind in die Oase im Neubrandenburger Reitbahnviertel. Inzwischen besucht er die Teeniegruppe – und ist einer von vielen Gründen, warum ich die Arbeit hier liebe. In der Oase lassen sich Glaube und praktische Hilfe hervorragend verbinden. Wir wollen Gemeinde mitten im Brennpunktviertel leben und dabei auf die Nöte der Menschen eingehen. Wir bieten Gruppen für alle Altersstufen, ein offenes Frühstück, zu dem Senioren und Mütter mit Kindern kommen, und unseren Gottesdienst. Viele möchten am liebsten täglich in die Oase kommen. Für sie ist sie längst ein zweites Zuhause – ein Ort, an dem sie angenommen sind. Die Oase ist aus dem Viertel nicht mehr wegzudenken. Durch Zusammenarbeit mit anderen sozialen Einrichtungen, Netzwerken und der Kommune entstehen Beziehungen und gemeinsame Projekte. So bot das Jobcenter in unseren Räumen einen Frauenbewerbertag an, bei dem auch wir aktiv waren, und gemeinsam mit anderen sozialen Akteuren organisierten wir ein Kinderfest im Rahmen der interkulturellen Wochen. Gott hat keine Eile Im Zentrum unserer Arbeit stehen Beziehungen. Ich liebe es, Menschen über Jahre hinweg zu begleiten und ihnen von Jesu Liebe zu erzählen. Viele unserer Teenies steigen selbst begeistert in die Arbeit ein. Oft staune ich, wie viel sie über die Jahre vom Glauben verstanden haben. Tom wird von den unbedachten Worten seiner Mutter immer wieder tief getroffen. Doch vor zwei Jahren entschied er sich für Jesus. Beim Teenagermissionstreffen im Mai erlebte ich ihn beim Lobpreis, die Augen geschlossen, die Hände erhoben, ganz bei Jesus. In diesem Moment wurde mir bewusst – Tom kennt die Wahrheit: Er ist geliebt und gewollt. Und auch wir Mitarbeiter haben ihn in unsere Herzen geschlossen. Solche Veränderungen geschehen nicht schnell. Viele Menschen tragen tiefe Verletzungen in sich, die sie an die nächste Generation weitergeben. Deshalb braucht es Geduld und Vertrauen. Wir gehen kleine Schritte mit den Menschen, aber sie führen vorwärts. Gott hat keine Eile, nur ganz viel Liebe, Barmherzigkeit und Zeit. Bei allen Herausforderungen bin ich überzeugt: Es lohnt sich, dranzubleiben. Ich wünsche mir für die Menschen hier, dass sie Heilung erleben und erfahren, dass Jesus sie liebt. Und ich bin dankbar für alle, die diese Arbeit im Gebet oder praktisch mittragen. Denn hier wächst Hoffnung – nicht spektakulär, aber beständig. Anna Marasco Anna und Adriano Marasco leben in Neubrandenburg. Anna hat an der Internationalen Hochschule Liebenzell Theologie und Soziale Arbeit im interkulturellen Kontext studiert. Seit Januar 2020 arbeitet sie im sozial-missionarischen Projekt „Oase im Reitbahnviertel“. Besonders die Kinder und Teenager dort hat sie ins Herz geschlossen. In ihrer Freizeit spielt sie gerne Rugby. Rundbriefe und mehr: www.liebenzell.org/marasco Das Neubrandenburger Reitbahnviertel gilt als sozialer Brennpunkt. Die Arbeitslosigkeit ist hoch, viele der zahlreichen jungen Familien leben von Sozialleistungen. Die Mitarbeiter der „Oase im Reitbahnviertel“ möchten Menschen jeder sozialen Herkunft für Jesus Christus begeistern sowie sie befähigen, selbst Verantwortung für ihr Leben zu übernehmen und ihr Umfeld positiv zu prägen. Langfristig Hoffnung säen „Du warst ein Fehler.“ Diesen Satz bekam Tom* von seiner Mutter an den Kopf geworfen. Zwar nahm sie die Worte später zurück, doch sie saßen bereits tief in seinem Herzen. *Name geändert Jeden Dienstag freuen sich die 6 bis 12 Jährigen auf ein buntes Programm Im Gottesdienst erarbeiten sich Kleingruppen den Bibeltext FOTOS: FELIX BUDERER
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