Zur Begründung der Mission

9 4.3 Wie betrachten Menschen in ehemals kolonialisierten Ländern die Arbeit von Missionaren während der Kolonialzeit? Die Antwort auf diese Frage fällt je nach Situation unterschiedlich aus. Manchmal wird die Ablehnung der einheimischen Kultur durch Missionare in der Kolonialzeit bemängelt. Auch die bevormundende Haltung gegenüber der lokalen Bevölkerung oder der Eingriff in gesellschaftliche Strukturen werden mitunter kritisiert. Auf der anderen Seite wird von vielen Menschen der Beitrag von Missionaren, auch während der Kolonialzeit, geschätzt: Die Verschriftlichung der Sprache, die Verkündigung des Evangeliums und die Gründung von Gemeinden, die Völker übergreifende und damit versöhnende Arbeit, die Etablierung eines Bildungssystems und die Einführung medizinischer Arbeit werden oftmals selbst bei einer großen Kritik der Kolonialzeit als wichtige und wertvolle Beiträge für die Entwicklung betrachtet. 4.4 Warum ist die pauschale Forderung nach einem Ende der Mission eine andere Form der Bevormundung? Es gibt Stimmen in westlichen Gesellschaften, die Mission von Seiten westlicher Kirchen und Organisationen grundsätzlich ablehnen, vor allem auf dem Hintergrund der Kolonialgeschichte. Hier muss aber doch zurückgefragt werden, ob nicht gerade in der pauschalen Forderung nach einem Ende der Mission eine moderne Form der Bevormundung zu erkennen ist. Es wird angeblich im Interesse anderer argumentiert und entschieden, ohne diese selbst einzubeziehen. Die Entscheidung darüber, ob Kirchen/Organisationen aus dem Westen in ehemals kolonialisierten Ländern missionarisch tätig sein dürfen, sollte den Menschen in diesen Ländern selbst überlassen werden. Wenn sie die Zusammenarbeit ablehnen, muss dies respektiert werden. Eine von westlicher Seite aus geforderte Einstellung aller Missionsarbeit würde allerdings die Menschen des Südens erneut entmündigen, indem ihnen vermittelt wird: „Wir entscheiden, was gut für euch ist.“

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