Zur Begründung der Mission

8 4. Wie kann Mission nach der Kolonialzeit verantwortungsbewusst geschehen? Die Rolle der Mission in der Kolonialzeit ist komplex. Manchmal arbeiteten Kolonialmächte und Missionen eng zusammen, manchmal agierten sie unabhängig voneinander, und manchmal stellten sich Missionare auf die Seite der einheimischen Bevölkerung gegen die Kolonialmächte. Heute kann Mission nur sensibel und in Verantwortung gegenüber der Vergangenheit erfolgen. Unrecht darf nicht einfach übergangen werden. Gleichzeitig bleibt der Auftrag des globalen Zeugnisses von Jesus Christus bestehen. Dieses Zeugnis wird besonders überzeugend, wenn Christen aus Nationen, die sich früher entgegenstanden, heute zusammenarbeiten. 4.1 Wie kann die Missionsarbeit als Ausdruck der Versöhnung und der Einheit des Leibes Christi verstanden werden? Dies kann geschehen, wenn Missionare der ehemaligen Kolonialmächte ihre Vergangenheit und ihr Erbe bewusst reflektieren und aufarbeiten. Partnerschaftliche Beziehungen entstehen durch Buße, Bitte um Vergebung für verursachtes Leid sowie durch die Zusage der Vergebung seitens der lokalen Kirchen der ehemals kolonisierten Völker. Diese Versöhnung zeigt sich in gemeinsamen missionarischen Aktivitäten, durch die das Evangelium der Vergebung Gottes sichtbar wird. Gleichzeitig verdeutlicht die Mission die Einheit des Leibes Christi weltweit (Röm 12,4-6; Eph 4,1-6), da alle Christen, unabhängig von Herkunft und kulturellem Erbe, Glieder am Leib Christi sind. Jesus bittet in Johannes 17 um die Einheit seiner Jünger, die sichtbar gelebt werden muss, um nicht nur ein Lippenbekenntnis zu bleiben. Mission bedeutet, gemeinsam unterwegs zu sein. Diese gelebte Einheit zeigt, dass Jesus unter seinen Jüngern lebt. 4.2 Wie können Christen im Westen mit der ungleichen Ressourcenverteilung in der Welt umgehen? Christen im Westen sind in einem großen Maß materielle und immaterielle Ressourcen anvertraut, um sie mit anderen zu teilen, Verhältnisse zu bessern und das Evangelium zu verbreiten (Jak 4,17; Hebr 13,16). Christen aus dem Westen dürfen sich dabei nicht als Retter inszenieren. Die Mitarbeit von Missionaren geschieht in Partnerschaft mit Christen vor Ort, in Wertschätzung und Einbeziehung der lokal verfügbaren Ressourcen und mit dem Ziel der Befähigung lokaler Leiter und Mitarbeiter. Ressourcen nicht zu teilen, wäre falsch, aber sie dürfen nicht zur Abhängigkeit oder Bevormundung führen. Daher arbeiten unsere Missionare daran, im Gespräch mit Menschen vor Ort herauszufinden, wie die Ressourcen so eingesetzt werden können, dass sie Menschen dienen und Gott ehren.

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