MISSION weltweit 4/2026 17 LIEBENZELLER MISSION AKTUELL Anfang der 1970er-Jahre gab es über 330 Missionsschwestern, rund 270 davon berufstätig. Nun sind es 75, die Jüngste ist Mitte 50 und nur noch neun sind im aktiven Dienst, die anderen im Ruhestand. Welche Möglichkeiten siehst du heute für die Schwestern? Die Schwestern sind vor allem für ihr Gebet bekannt. Wir erhalten regelmäßig Anfragen von Menschen, die Gebet oder seelsorgerische Unterstützung wünschen. Diese Aufgabe übernehmen viele der Schwestern weiter gerne und dafür sind viele Menschen sehr dankbar. Zugleich unterstützen sich die Schwestern gegenseitig. Sie übernehmen Aufgaben, die eine einzelne Schwester nicht mehr selbst erledigen kann. Daher benötigen wir weniger Pflegedienste von außen. Die geringere Anzahl an Schwestern wirkt sich auch auf die Gebäude hier auf dem Missionsberg aus. Die Schwestern lebten einmal in drei Häusern: dem Jungschwesternhaus, dem Schwesternhaus und dem Feierabendhaus. Die ersten beiden wurden inzwischen zu Studierendenwohnheimen umgebaut. Denn zuletzt gab es sowohl im Schwesternhaus als auch im Feierabendhaus zunehmend leere Zimmer. Das war wirtschaftlich auf Dauer nicht tragbar. Das Leben der Schwestern konzentriert sich nun auf das Feierabendhaus. Für sie bedeutet es natürlich auch einen Verzicht und es war ein großer Einschnitt für sie, dass sie jetzt nur noch ein Haus zur Verfügung haben. Aber wir versuchen, das Beste daraus zu machen. Schwestern, die außerhalb von Bad Liebenzell wohnen, können jederzeit kommen. Langfristig soll das Feierabendhaus in „Schwesternhaus“ umbenannt werden, da nicht alle Schwestern im Ruhestand sind. So soll das Bewusstsein erhalten bleiben, dass zur Liebenzeller Mission Schwestern gehören. Wenn in ein paar Jahren Zimmer leer stehen, könnte man überlegen, ob Mitglieder der Geschwisterschaft der Liebenzeller Mission oder Studierende hier einziehen. Momentan studieren über 350 junge Menschen hier. Wie nimmst du das Miteinander von Schwestern und Studierenden wahr? Sowohl die Studierenden als auch die Schwestern schaffen immer wieder Begegnungsmöglichkeiten. So bieten wir gemeinsames Kaffeetrinken an und laden zu gemeinsamen Lobpreisabenden ein. Das wird sehr gerne angenommen. Auch regelmäßige gemeinsame Abendessen haben wir eingeführt. Einige Studierende helfen den Schwestern zudem in alltäglichen Aufgaben im Rahmen des Entlastungsbetrags beim Pflegegeld. Es gibt Studierende, die die Schwestern um Gebet oder Seelsorge bitten. Und immer wieder ergeben sich auch ganz natürliche Begegnungsmöglichkeiten beim Spazierengehen. Daraus entwickeln sich oft tiefe Gespräche und weitere persönliche Treffen. Das Gespräch führte Claudius Schillinger, Öffentlichkeitsarbeit Gebet, Gemeinschaft, Generationen: Wie die Liebenzeller Schwestern neue Wege gehen Marianne Stapfer ist seit dem 1. April 2023 Oberin der Liebenzeller Schwesternschaft. Wie sieht sie deren Zukunft? Beim Kindermissionsfest im Mai halfen die Schwestern freudig mit FOTO: AARON ZELLER FOTO: MARTIN HAUG Marianne Stapfer FOTO: ELKE WEISSSCHUH
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