Zur Begründung der Mission

6 3. Ist es noch nötig, weiter Missionare aus dem Westen zu entsenden? Seit dem Beginn der modernen protestantischen Missionsbewegung vor etwa 250 Jahren, hat sich die Zahl der Christen im Globalen Süden vervielfacht, während die Zahl der Christen in Europa zurückgeht. Da könnte man denken: ‚Mission accomplished! Jetzt müssen wir uns auf uns selbst konzentrieren!‘ Dass es aber immer noch viele Menschen gibt, die gar keine Chance haben, das Evangelium zu hören, kann uns nicht egal sein. Ebenso wenig die Tatsache, dass Kirchen uns bitten, sie mit unseren spezifischen Gaben und Diensten zu unterstützen und zu ergänzen, wie zum Beispiel im Bereich der Jüngerschaft oder der theologischen Ausbildung. 3.1 Wie sieht der Zustand der Christenheit in globaler Perspektive aus? Auch wenn Christen heute in vielen Gegenden der Welt leben, gibt es immer noch ca. 5000 Volksgruppen mit insgesamt etwa 2 Mrd. Menschen, die so gut wie keinen Zugang zum Evangelium haben.1 Andernorts gibt es schon Gemeinden und Kirchen, aber einzelne Aspekte christlichen Lebens kommen zu kurz, z.B. die christliche Lehre, die Begleitung von Menschen, ihr Leben als Jünger Jesu zu gestalten, die Kinder- und Jugendarbeit, das Engagement im Schutz von Frauen und Kindern vor dem Menschenhandel oder nachhaltige Landwirtschaft. Wir sind überzeugt, dass Christen in Deutschland ihre Fähigkeiten und Ressourcen einsetzen sollten, um zur Verbreitung des Evangeliums, zur Stärkung von Christen in anderen Ländern und zur praktischen Hilfe als Zeichen von Gottes Liebe für die Welt beizutragen. Solange wir Möglichkeiten haben, sehen wir uns in der Verantwortung, diese Aufgaben wahrzunehmen. 3.2 Ist es sinnvoll aus einem zunehmend entchristlichten Europa Missionare in die Welt zu senden, anstatt sich auf unsere eigenen Länder zu fokussieren? Heute sieht die Welt anders aus als zur Zeit der Gründung der Liebenzeller Mission. So leben beispielsweise in Afrika mittlerweile mehr Christen als in Europa, während es in Deutschland Landstriche mit nur noch wenigen lebendigen Christen und Gemeinden gibt. Zum einen tragen wir diesen Entwicklungen Rechnung, indem wir unser Engagement und unsere Ressourcen auch in Deutschland einsetzen, etwa in der Gemeindegründung, im Einsatz in Brennpunktvierteln und in der Arbeit unter Migranten. Zum anderen wollen wir aber nicht über die eigenen Bedürfnisse das Gute vergessen, was uns anvertraut wurde. Trotz aller Herausforderungen im eigenen Land sind wir in vielen Bereichen – z.B. im Blick auf Wirtschaft, Bildung, Medizin – reich gesegnet, während viele Menschen dieser Erde nur wenig haben. Weil wir uns an Jesus ein Beispiel nehmen und unsere Mission ganzheitlich sehen (Mt. 4,23), wollen wir diesen Segen in unserem Handeln und Reden als greifbare Zeichen des Reiches Gottes mit anderen teilen. Wir wissen, dass sich Christen mit unterschiedlichem Hintergrund manchmal reiben. Dennoch liegen in dieser Verschiedenheit auch Möglichkeiten. Die Glieder am weltweiten Leib Christi ergänzen sich. So wie wir von Christen anderer Herkunft und Prägung profitieren, 1 Joshua Project: Frontier Unreached Peoples, https://joshuaproject.net/frontier.

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