MISSION weltweit – Ausgaben 2026

Irmgard, wo lebt ihr heute und wie geht es euch? Wir leben seit zehn Jahren in Mittelfranken, im Heimatort von Ernst, bei Dinkelsbühl. Er hat sich hier eine Werkstatt eingerichtet und durch praktische Hilfe schnell Anschluss gefunden. Für mich war es schwieriger, in Ammelbruch Fuß zu fassen, weil mir die Menschen fehlten, mit denen ich vorher das Leben geteilt hatte. An welche Zeit in eurem Leben erinnerst du dich am liebsten? Sehr gerne denke ich an Papua-Neuguinea zurück. Dort konnten wir uns als Familie finden und als Ehepaar unser Leben gestalten. Unsere Arbeit wurde geschätzt und wir hatten immer ein offenes Haus. Die Jahre in Bad Liebenzell waren aber prägender. In dieser Zeit kam unser Leben zur Entfaltung. Ernst arbeitete auf dem Missionsberg, ich in der Frauenarbeit. Dabei durfte ich erfahren, wie Gott mein Leben bereichert. Auch durch die 15 Jahre als Stadträtin in Bad Liebenzell war ich gut verwurzelt. Unser Reichtum lag nicht im Finanziellen, sondern in unseren Beziehungen. Was vermisst du? Vor allem habe ich die Menschen vermisst und oft Heimweh nach Liebenzell gehabt. Auch die Veranstaltungen und andere Einladungen, ohne die wir viele schöne Momente verpasst hätten. Außerdem ist man in Liebenzell Teil einer Weltorganisation. Ich vermisse diesen Weitblick. ERNST UND IRMGARD SCHÜLEIN lebten 16 Jahre auf der Insel Manus/PapuaNeuguinea. Als Landmaschinenmechaniker und Krankenschwester waren sie auf ihre Aufgaben dort gut vorbereitet. Danach folgten 24 Jahre im technischen Bereich auf dem Missionsberg (Ernst) und die deutschlandweite Arbeit unter Frauen (Irmgard). Im Ruhestand engagierten sich beide noch einmal zwei Jahre in Papua-Neuguinea. Die beiden haben drei erwachsene Kinder und sechs Enkel. Irmgard ist weiter mit Vorträgen für Frauen unterwegs. Was prägt euren Alltag heute? Unser Alltag wird stark von Ernsts Demenz geprägt. Aktuell ist es nicht einfach und auch nicht schön, aber ich empfinde es noch nicht so schwer, wie manche berichten. Wir können hier im Umkreis und in der Kirchengemeinde noch einiges machen, besonders durch Lektorate und Paarcoaching. Gleichzeitig muss und will ich jetzt ganz für Ernst da sein. Ich gebe ihm täglich die Aufgaben Schritt für Schritt vor und begleite ihn. Was macht dir aktuell Freude? Mit Ernst singen und beten. Gitarre spielen kann er noch, und auch die Liedtexte unserer englischen Lieder. Ich bekomme immer noch gesagt, dass ich geliebt bin und wie dankbar er ist für das, was ich tue. Ich bin froh, dass wir diese gute Gemeinschaft in vielen Ehejahren eingeübt haben. Das sagen wir auch immer den jungen Ehepaaren, die wir coachen: Übt ein gutes Miteinander ein. Wir haben Geschwister mit Familie vor Ort, unsere Kinder wohnen etwas weiter entfernt. Die stehen uns zur Seite. Eine besondere Rückendeckung sind unsere Freunde aus dem Hauskreis. Sie denken für uns mit und helfen uns. Das zeigt mir, dass mein Herr jetzt da ist, auch in dieser Situation. Wie hilft dir in den alltäglichen Herausforderungen deine Beziehung zu Gott? Mir hilft meine Stille Zeit und das Gespräch mit meinem Herrn. Das ist für mich essenziell. Bei ihm kann ich alle meine Sorgen und Ängste loswerden. Außerdem gehe ich dreimal die Woche laufen. Wenn mir dabei die Sonne ins Gesicht scheint, ist es für mich, als würde mein Herr mich anschauen. Ich spüre ihn in der Natur. Die Fragen stellte Elke Weißschuh, Mitarbeiterin der Öffentlichkeitsarbeit Übt ein gutes Miteinander FOTO: DORO DAUS

RkJQdWJsaXNoZXIy NjU1MjUy