MISSION weltweit – Ausgaben 2026

28 RATLOS Dave Jarsetz ist verheiratet mit Anette und hat einen Sohn. Als Missionar der Liebenzeller Mission startete er die impact-Arbeit sowie das sozial-missionarische Projekt „Shape Life“ in Papua-Neuguinea. Er leitete von 2016 bis 2019 die Studien- und Lebensgemeinschaft und ist seit September 2020 in der Leitung der Mission, seit 2023 als Missionsleiter. Diese Beschreibungen helfen, das Spannungsfeld zu verstehen, in dem sich viele junge Menschen bewegen. Einsichten der Glaubens- und Persönlichkeitsentwicklung Der Religionsphilosoph Romano Guardini (1885–1968) beschreibt das junge Erwachsenenalter als „Idealistenphase“: geprägt von Energie, Kreativität und der Sehnsucht nach radikaler Hingabe. Zugleich wächst die Angst vor Fehlentscheidungen. Berufung wird intensiv reflektiert, oft überhöht wahrgenommen, Visionen müssen sich erst an der Realität bewähren. Diese Phase ist ambivalent – und zugleich hochproduktiv. Sie eröffnet Räume für geistliches Wachstum, für Klärung und Reifung. Hingabe ist in dieser Lebensphase häufig innerlich stark ausgeprägt, während biografische Festlegungen vorsichtig abgewogen werden. Das hilft zu verstehen, warum geistliche Leidenschaft nicht automatisch in langfristige missionarische Bindung mündet. All dies ordnet meine eigene Ratlosigkeit ein. Und es öffnet den Blick für eine tiefere geistliche Perspektive. Wegweisungen Gottes Die Bibel gibt klare Leitlinien für das Miteinander der Generationen in der Gemeinde. Sie ruft dazu auf, vorschnelle Urteile zu vermeiden, einander mit Respekt zu begegnen und das Gute sorgfältig zu prüfen. Geduld und Verständnis gehören dazu – im Wissen, dass jede Generation blinde Flecken hat und zugleich bewusst von Gott in ihre Zeit gestellt ist. Geistliche Reife zeigt sich nicht darin, Widersprüche schnell aufzulösen, sondern darin, Mehrdeutigkeit auszuhalten. Ambiguitätstoleranz wird so selbst zu einer geistlichen Stärke: Nicht alles muss sofort verständlich sein, um im Reich Gottes fruchtbar zu werden. Was Menschen zum Guten dient, kann sich oft erst im Rückblick erschließen. Zugleich bleibt klar: Gottes Mission ist immer Teil des christlichen Glaubens. Jede Generation wird in ihre Welt gesandt, um den Glauben zu leben und weiterzugeben – weil Gott will, dass alle gerettet werden (1. Timotheus 2,4). Nachfolge stellt keine von vielen Optionen dar, sondern die Antwort auf den Ruf Jesu. Sie kann bedeuten, Unsicherheit auszuhalten, sich selbst zurückzunehmen und auch Risiken einzugehen. Gerade junge Menschen, die Orientierung suchen und Bindung zugleich vorsichtig prüfen, brauchen dafür Vorbilder, verlässliche Begleitung und Räume, in denen Glaube konkret und tragfähig gelebt werden kann. Ratlos, aber hoffnungsvoll Die zum Lobpreis erhobenen Hände bei zugleich zögerlichen Füßen sind kein Zeichen von Gleichgültigkeit oder geistlicher Oberflächlichkeit. Sie erzählen von einer Generation, die intensiv sucht, viel reflektiert und sich nicht mehr selbstverständlich in klassische Berufs- und Rollenbilder einfügt. Was bleibt? Hoffnung. Die Hoffnung, dass Gott mit jeder Generation seinen Weg geht. Dass er junge Menschen ruft – auch dann, wenn wir ihre Haltungen und Wege nicht immer verstehen. Dass ihr Leben Frucht bringt für sein Reich, oft anders als erwartet. Darum gilt es, weiter in sie zu investieren: mit Vertrauen statt Appellen, mit ermutigender Herausforderung statt vorschneller Bewertung – und mit der Bereitschaft, selbst zu lernen. So endet meine Ratlosigkeit nicht mit einer Lösung, sondern mit einem Gebet: Herr, bewege die Herzen der jungen Menschen und schenke uns Weisheit im Umgang miteinander, damit wir gemeinsam etwas sind zum Lob und zur Ehre deines Namens – auch dann, wenn vieles paradox, ambivalent und widersprüchlich bleibt. Amen. Bezeichnung Charakteristik Chancen Herausforderungen Generation Google Wissen jederzeit verfügbar, schnelle Lernprozesse Lösungen schnell umsetzen Oberflächliches Wissen, fehlende Tiefe Generation Maybe Zögerlich, Optionen offen Flexibel, explorativ Schwierige Entscheidungen, Unsicherheit Generation Always On Ständig online, verschmolzen mit digitalem Alltag Digitale Kompetenz, Vernetzung Reizüberflutung, Stress Generation Purpose Sinnorientiert, wertegetrieben Engagement für Mission, Gerechtigkeit Enttäuschung bei nicht erfüllten Werten Generation Selfcare Fokus auf mentale Gesundheit Resilienz, nachhaltige Spiritualität Egozentrik, Überempfindlichkeit Generation Swipe Kurze Aufmerksamkeit, schnelle Entscheidungen Effizienz, Kreativität Geringe Geduld, oberflächliche Beziehungen Generation Post-Trust Misstrauen gegenüber Institutionen Starke Peer-Beziehungen, Authentizität Schwierige Bindung an Institutionen Generation Polykrise Aufgewachsen in Krisen (Klima, Pandemie) Anpassungsfähigkeit, Resilienz Zukunftsangst, Unsicherheit Generation Lobpreis Spirituell-emotional, Glaube durch Erfahrung und Musik Tiefe Gottesbeziehung, Zugang über Lobpreis Gefahr von Gefühl statt Reife

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