27 MISSION weltweit 2/2026 RATLOS entscheiden sich nur wenige für einen pastoralen oder missionarischen Dienst. Und von jenen, die diesen Weg einschlagen, verbleiben viele nicht langfristig im Beruf. Im freikirchlichen Kontext wechseln bis zu 50 Prozent der Pastorinnen und Pastoren vor Erreichen des Ruhestands das Berufsfeld. Die Krise des Theologiestudiums ist damit eng mit der Krise des pastoralen Amtes verbunden. Ein wesentlicher Faktor liegt im gegenwärtigen Berufsbild. Hohe Arbeitsbelastung bei vergleichsweise geringer Vergütung, diffuse Erwartungshaltungen, eine erhöhte Burnout-Gefährdung sowie begrenzte Familienfreundlichkeit prägen vielerorts die Wahrnehmung. Aspekte gesunder Work-Life-Balance geraten dabei häufig unter Druck. Unter diesen Rahmenbedingungen verliert der pastorale und missionarische Dienst für viele junge Menschen an Attraktivität. Hinzu kommt ein weiterer gesellschaftlicher Trend: Langfristige Festlegungen werden seltener. Drei bis vier Jahre gelten bereits als große Bindung. Arbeitgeber werden bewusst ausgewählt, institutionelle Loyalität nimmt ab. Diese Entwicklung betrifft nicht nur die allgemeine Arbeitswelt, sondern wirkt ebenso in Kirche und Mission hinein. Besonders aufschlussreich sind in diesem Zusammenhang die Ergebnisse des State of the Great Commission Report 20241 der Lausanner Bewegung. Junge Christinnen und Christen setzen klare geistliche Prioritäten: persönliches Gebet, Einsatz für Benachteiligte, Fragen von Gerechtigkeit sowie tragfähige Beziehungen zu Gott und zu anderen Menschen. Die Weitergabe des Glaubens tritt demgegenüber – zumindest in ihrer klassischen missionarischen Konsequenz – zurück. Mission wird weniger als explizite Sendung verstanden, sondern stärker als Ausdruck gelebter Spiritualität und sozialer Verantwortung. Diese Verschiebung wird durch generationsspezifische Prägungen verstärkt. Studien zeigen die hohe Bedeutung enger familiärer Bindungen für junge Erwachsene. Nähe wird intensiv gelebt, räumliche Distanz hingegen als belastend erfahren. Langfristige internationale Einsätze verlieren dadurch an Attraktivität, insbesondere wenn missionarisches Engagement zunehmend ganzheitlich verstanden wird. Wo „alles Mission“ ist, erscheint Mission im eigenen sozialen und kulturellen Umfeld für viele als stimmige und zugleich lebensnahe Option. Diese Entwicklungen markieren keine vorübergehenden Phänomene, sondern tiefgreifende Veränderungen. Sie stellen uns vor grundlegende Fragen nach Berufsbild, Berufungsverständnis, Verbindlichkeit und nachhaltigen Formen missionarischen Lebens und Arbeitens in einer sich wandelnden Welt. Perspektiven aus der Generationenforschung Die Generation Z – heute etwa 16 bis 29 Jahre alt – entzieht sich einfachen Zuschreibungen. Tobias Faix, Rektor der CVJM-Hochschule in Kassel und empirischer Jugendforscher, beschreibt sie treffend: Sie ist öffentlich präsent und zugleich schwer greifbar, digital vernetzt, aber oft beziehungsunfähig, optimistisch und gleichzeitig zurückhaltend. Ihr Glaube ist eher „light“, ihre Suche intensiv. Sie liebt Freiheit und sehnt sich nach Familie, setzt auf Öko und isst dennoch bei McDonald’s. Eine Mischung, die fasziniert – und ratlos machen kann. Diese Spannungen haben der Generation in der Populärwissenschaft den Namen „fragil und stark“ eingebracht. Die Generationenforschung bietet hilfreiche Deutungsangebote, um diese Ambivalenzen besser zu verstehen. Dabei handelt es sich nicht um feste Etiketten, sondern um Beobachtungsmuster, die unterschiedliche Facetten sichtbar machen: FOTO: ISTOCKPHOTO/VEJAA Eine Generation, die singt „Sende mich“, sich aber schwer tut mit dem konkreten Gehen. FOTO: HEIDI RENTSCHLER 1 www.lausanne.org/report
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