MISSION weltweit – Ausgaben 2026

20 dass wir von seiner Hilfe Gebrauch machen. Wir sollten ihn einladen, zu wirken – und unsere Pläne notfalls zu durchkreuzen. Meine hochgesteckten Ziele erreichte ich auf diesem Flug nicht. Meine Todos blieben unerledigt. Aber ich merkte erneut, dass Jesus Menschen mehr am Herzen liegen als die Durchführung meiner Projekte, mögen sie auch noch so durchdacht sein. Bei diesem Erlebnis spürte ich, dass Jesus mich bewusst herausforderte, unbequemer zu werden und mehr Risiken einzugehen. Und das nicht nur auf Missionsreisen mit klarem Enddatum, wo man sich eher auf solche Abenteuer einlässt. Ich sollte auch im Alltag bewusst Menschen dienen und ihnen Jesus in Wort und Tat vorleben. Wenn wir Jesus sagen: „Ich will dir nachfolgen“, nimmt er uns beim Wort. Er schenkt uns Gelegenheiten, die uns wachsen lassen – auch dann, wenn wir nicht damit rechnen. Dessen sollten wir uns bewusst sein. Muss ich das aus eigener Kraft schaffen? Auf gar keinen Fall! Gott hat sich entschieden, die Menschen zu lieben. Wir klinken uns in seinen Plan ein. Gott lädt uns ein, dort unterwegs zu sein, wo er die Menschen schon vorbereitet hat. Ob im Nagelstudio, im Flugzeug, bei der Arbeitsstelle oder beim Einkauf bei Aldi: Es ist Gottes Mission – Missio Dei. Wir müssen nicht unter Druck missionarisch unterwegs sein. Wir dürfen von Gott erzählen, weil er die Menschen liebt. Nachfolge im Alltag ist kein großes Programm. Sie beginnt dort, wo wir gerade stehen. Mit offenen Augen, offenen Händen und einem Herz, das sagt: „Jesus, hier bin ich. Gebrauche mich.“ Dr. Evi Rodemann, Jahrgang 1971, lebt im Großraum Hamburg und arbeitet als Theologin, Eventmanagerin und Coachin. Sie engagiert sich in der internationalen Arbeit der Lausanner Bewegung, in ihrem Verein „LeadNow“ und nun auch bei der FeG Deutschland mit Schwerpunkt auf junge Leitende in Deutschland und Europa. Bei der Liebenzeller Mission ist sie Teil der Mitgliederversammlung. www.evirodemann.com WEITERDENKEN >> SONDERBEITRAG ZUM THEMA VON EVI RODEMANN bensachen ins obere Gepäckfach zu verstauen. Ich bot ihr Hilfe an, aber sie lehnte ab. Mit einem Mal schreckte sie wieder auf und begann, wie verrückt in ihrem Gepäck zu kramen. Panisch suchte sie ihren Pass. Ich holte ihr Gepäck wieder herunter, suchte mit ihr und redete besänftigend auf sie ein: „Wir finden den schon.“ Endlich tauchte der Pass auf, und sie beruhigte sich langsam. Auf meine Frage, ob nun alles in Ordnung sei, brach sie in Tränen aus. Damit hatte ich nicht gerechnet. Und eigentlich wollte ich auch nichts davon wissen. Unter Tränen erzählte sie: „Mein Sohn ist ganz plötzlich verstorben. Ich fliege zu seiner Familie, um für meine Schwiegertochter und Enkelkinder da zu sein. Mein Mann ist in eine Depression verfallen, deshalb muss ich ohne ihn fliegen.“ Ich versuchte, die Dame zu trösten, und sie gewann wieder etwas Fassung. Sie begann, einen Film anzuschauen, und ich konzentrierte mich auf meine EMails. Als ich einige Zeit später wieder hochschaute, sah ich, wie ihr Tränen über die Wangen liefen. „Mist, Evi!“, dachte ich. „Klapp den Computer zu und sei ganz bei ihr.“ Die nächsten vier Stunden redeten wir über ihre Familie, ihren Sohn, über das Leben, über schöne und schwere Erlebnisse. Mittendrin flüsterte mir der Heilige Geist zu: „Evi, erzähle ihr von mir. Sag ihr, dass ich sie trösten kann wie niemand sonst.“ Über den Gang des Flugzeugs hinweg erzählte ich ihr also von Jesus, der auf die Welt gekommen ist, um Menschen zu suchen, zu finden, zu trösten: „Er erspart uns nicht alles Leid, aber er ist mittendrin.“ Aufmerksam hörte sie zu. Dann erzählte sie von ihrem fast nicht existenten Glauben an einen Gott. Inmitten des Fluges und unerledigter EMails übernahm Gott die Situation und schenkte ihr Trost. Nach der Landung vergewisserte ich mich, dass sie auch wirklich all ihre Sachen mit aus dem Flugzeug nahm, und begleitete sie bis zum Wiedersehen mit ihrer Schwiegertochter. Zum Abschied drückte sie mich fest. Mehrfach habe ich in dieser Begegnung das Flüstern des Heiligen Geistes vernommen, der mich einlud, ihn bewusst an diesem Gespräch zu beteiligen und ihm die Kontrolle zu übergeben. In völlig alltäglichen Situationen ist er anwesend und wünscht sich, Wenn wir Jesus sagen: „Ich will dir nachfolgen“, nimmt er uns beim Wort. FOTO: ISTOCK.COM/TAKOSAN

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