18 LIEBENZELLER MISSION AKTUELL WEITERDENKEN >> SONDERBEITRAG ZUM THEMA VON EVI RODEMANN Wie jeden Monat saß ich im Nagelstudio und ließ mir die Nägel von einer vietnamesischen Mitarbeiterin machen. Als Nachfolgerin von Jesus ist mein sehnlicher Wunsch, dass Menschen Jesus kennenlernen. Aber wie sollte das gehen, wenn ich schlicht übersehen wurde? Konnte mir das nicht auch egal sein? Wenn man viele unterschiedliche Menschen in einer Woche trifft, macht doch eine Person keinen Unterschied, oder? Dabei müsste es mir als ausgebildeter Theologin und Missionarin eigentlich leichtfallen, über Jesus ins Gespräch zu kommen. Schließlich bin ich davon überzeugt, dass Jesus das Beste ist, was einem Menschen passieren kann. Wie sollte es mir also egal sein können, dass ich bei dieser Frau einfach keinen Zugang fand? Nachfolge braucht eine Entscheidung In den folgenden Monaten nahm ich mir vor, für die Inhaber und Angestellten des Nagelstudios zu beten. Man könnte es liebevolle Bestechung nennen: Mal brachte ich ihnen Süßigkeiten mit, mal ein Blümchen, gab großzügiges Trinkgeld und segnete sie im Stillen, während sie vor mir saßen. Immerhin hatte ich 45 Minuten Zeit zu beten, während die Nägel behandelt wurden. Mit der Zeit tauten die Vietnamesinnen auf. Vor allem die Chefin, die mir besonders am Herzen lag, begann, von ihrem Leben zu erzählen. Sie zeigte mir Fotos ihres ersten Enkelkindes und sprach über ihre Familie in Vietnam. Unser Verhältnis wurde immer herzlicher und die Gespräche ehrlicher. Einige Monate später – die Chefin war gerade von einer Vietnamreise zurückgekehrt – sah sie mich an ihrem Laden vorbeigehen, stürmte heraus, umarmte mich und schien richtig glücklich, mich zu sehen. „Wow, was für eine Veränderung!“, dachte ich. „Von einer ignorierten bin ich zu einer geschätzten Kundin geworden.“ Wir redeten über den Glauben und was er mit unserem Leben macht. Sie sprach von Reiki, ich von Jesus. Vor Kurzem bediente mich ihre Schwester. Nach all der Zeit als Kundin in diesem Nagelstudio stellte ich nun im Gespräch fest, dass sie ebenfalls Jesus nachfolgt und in eine Gemeinde in Hamburg geht – ihren Pastor kenne ich sogar. Am Ende tauschten wir Nummern aus und beschlossen, ab jetzt gemeinsam für ihre Schwester zu beten. Wenn schon zwei Personen in ihrem Umfeld an Jesus glaubten und für sie beteten, was mochte daraus nur entstehen? Wo zwei oder drei in Jesu Namen zusammenkommen ... Ich bin gespannt, wie Jesus in ihrem Leben wirken wird. Diese Entwicklung begann mit einer Entscheidung: die Entscheidung, Jesus bewusst immer wieder in meinen Alltag zu integrieren und der leisen Stimme im Herzen zu folgen, die sagt: „Ich will, dass alle Menschen mir nachfolgen.“ In 1. Timotheus 2,4 heißt es: „Gott will, dass alle Menschen gerettet werden und seine Wahrheit erkennen.“ Nicht nur diejenigen, die „Das kann doch nicht wahr sein! Seit über einem Jahr bin ich hier regelmäßige Kundin, und trotzdem werde ich – bis auf meine Hände – komplett ignoriert. Wie soll ich hier ein Zeugnis für Jesus sein, wenn niemand überhaupt Notiz von mir nimmt?“ Alltag mit Auftrag Wie tägliche Nachfolge gelingt Sonderbeitrag von Evi Rodemann
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