MISSION weltweit 2/2026 DEUTSCHLAND 11 ZUM THEMA FOTO: TRISTAN ERICKSON Zuerst koche ich mir einen Kaffee. Ich zünde eine Kerze an und bin still. Ankommen bei Gott. Danach lese ich einen Abschnitt aus der Bibel und dazu eine Erklärung. Anschließend bete ich für die Menschen in meinem Umfeld und für den anstehenden Tag. Ich spreche einen Segen und mache mit meiner Hand ein Kreuz auf meine Stirn: Ich gehöre zu Jesus, egal was heute passiert. Danach mache ich mir Lobpreismusik an, singe lautstark mit und der Tag beginnt … Übrigens: Erst danach nehme ich mein Handy in die Hand. Alltagsbegegnung im Café Vor Kurzem kam mir ein Gedanke, während ich auf diese Weise Zeit mit Jesus verbrachte. Ich dachte an eine bestimmte Frau und Jesus sagte mir: „Schreibe diese Frau an.“ Sie leitete das Stadtteilzentrum in unserem Kiez, bis sie einen Burnout bekam. Ich schrieb sie an, sie freute sich und wir verabredeten uns in einem Café. Nach nur wenigen Minuten redeten wir über Gott. „Für mich ist das nichts. Ich habe es ausprobiert, es hat nicht funktioniert“, sagte sie. Ich fragte nach, wollte verstehen, wie es dazu kam. „Ich war schon mal in einem Gottesdienst. Dort fühlte ich mich völlig fremd. Irgendwie konnte ich mit alledem nichts anfangen.“ Wir sprachen weiter – über die Sehnsucht, anzukommen, angenommen zu sein und nichts leisten zu müssen. Sie stellte gute Fragen und ich konnte ihr von meinem Alltag und von Gott erzählen. Manchmal ergeben sich solche Gespräche einfach – und wer weiß, was Gott daraus macht? Sich Zeit nehmen, zuhören, mich für mein Gegenüber interessieren und von meinem Glauben in einer Sprache erzählen, die er oder sie versteht. Das sind kleine Schritte, die du und ich jeden Tag gehen können. Bist du dabei? Ich bin gerne in Berlin und gleichzeitig fühle ich mich überfordert. In wen sollen wir investieren und in wen nicht? Die soziale Not schreit zum Himmel. Wir als Team brauchen Weisheit: Was sollen wir tun und was lassen? Mein Lieblingsbibelvers ist: „Seid stille und erkennt, dass ich Gott bin“ (Psalm 46,11). Fragen zum Nachdenken: Wann ist für dich eine gute Zeit am Tag, um bei Gott anzukommen? Welche Rituale könnten dir helfen? Welche Person aus deinem Umfeld, die Jesus noch nicht kennt, könntest du auf einen Kaffee treffen? Jana Kontermann Jana Kontermann war bis 2021 Teil des Pastorenteams der Jungen Kirche BerlinTreptow. Im Sommer 2022 begann sie mit einem Team ein Gemeindegründungsprojekt im Osten Berlins, die Kiezkirche Weißensee. Sie ist gelernte Jugend- und Heimerzieherin, studierte an der Internationalen Hochschule Liebenzell Theologie und Soziale Arbeit im interkulturellen Kontext und hat einen Master in Culture and Theology (AWM Korntal). Rundbriefe und mehr: www.liebenzell.org/ kontermann Ich habe viele Ideen im Kopf, bin gerne in Bewegung und liebe Action. Mir fällt es schwer, zur Ruhe zu kommen. Gleichzeitig habe ich für mich meine morgendliche Routine schätzen gelernt. Zwischen Action und Stille Ich gehöre zu Jesus, egal was heute passiert. FUNDSTÜCK „Dem Gebet den zweiten Platz zu geben, heißt, Gott im alltäglichen Leben zweitrangig zu machen.“ EDWARD MCKENDREE BOUNDS
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