MISSION weltweit 2/2026 9 ZUM THEMA JAPAN Leidenschaftlich unterwegs – außerhalb der Komfortzone In einem Leiterschaftsseminar hörte ich einmal den Rat: „Konzentriere dich auf die Aufgaben, die nur du tun kannst.“ Um nicht im Vielerlei des Alltags das Wesentliche aus den Augen zu verlieren und auszubrennen, ist dies sicher hilfreich – solange es nicht missverstanden wird. Im Gespräch über Nachfolge und Berufung geht es oft um die passenden Gaben und den richtigen Platz („Sweet Spot“1). Gabenorientierung ist wichtig. Doch leidenschaftliche Nachfolge schließt Leidensbereitschaft ein. Deshalb lasse ich mich nicht durch meinen „Sweet Spot“ einschränken. Hätte sich Petrus an seinen „Sweet Spot“ gehalten, wäre er Fischer geblieben. Jesus ruft in die Nachfolge – und fordert dabei heraus, auch dort zu dienen, wo es nicht leichtfällt. Wie ermutigend es sein kann, Jesus in der eigenen Begrenzung zu folgen, zeigt das Zeugnis von Frau S. Im vergangenen Herbst nahm sie an einem missionarischen Einsatz teil – trotz gesundheitlicher Einschränkungen. Sie schreibt: „Ich hatte mein Bein verletzt und war mir unsicher, ob meine Kraft reicht. Als ich von dem Einsatz hörte, dachte ich daher zuerst: Das betrifft mich nicht. Doch ein Satz blieb mir im Herzen: ‚Für die Gemeinde ist es die größte Ermutigung, wenn wir gemeinsam kommen und miteinander Gott anbeten.‘ Beim Beten wuchs in mir der Gedanke: Vielleicht kann ich nicht viel tun – aber gemeinsam Gottesdienst feiern, das kann ich.“ Frau S. entschied sich zur Teilnahme. Vor Ort erlebte sie tiefe Gemeinschaft, intensives Gebet und unerwarteten Segen. Trotz Regen kamen über 80 Gäste zu dem Event. Sie berichtet: „Ich war fast nur in der Küche, aber dort sah ich, wie viele Besucher kamen, um die Missionare zu begrüßen. Da wurde mir neu bewusst, wie treu sie über Jahre Beziehungen aufgebaut hatten. Ich selbst wurde im Glauben ermutigt und neu zum Gebet bewegt.“ Am Ende schreibt sie: „Für mich war es eine kostbare Erfahrung. Und in diesen Tagen blieb ich sogar schmerzfrei. Der Herr war da.“ Dieses Zeugnis bewegt mich, denn es zeigt: Leidenschaftlich mit Jesus unterwegs zu sein, bedeutet nicht, perfekt zu sein. Es bedeutet, sich trotz Einschränkungen senden zu lassen, die Komfortzone zu verlassen. Gottes Kraft wirkt gerade in unserer Schwachheit. Leidenschaftlich unterwegs – in Schwachheit Als Missionar erlebe ich das oft – sprachlich, kulturell, persönlich. Nicht alle Aufgaben liegen in meinem „Sweet Spot“. Doch Nachfolge heißt für mich, mit dem zu dienen, was Gott mir anvertraut hat. Nicht aus eigener Kraft, sondern in seiner Kraft. Leidenschaftlich für Jesus unterwegs zu sein, heißt nicht: immer perfekt, immer bequem. Manchmal heißt es: hinaus aus der Komfortzone, in eigener Schwachheit allein auf Gottes Kraft vertrauen und sich ihm zur Verfügung stellen. „Lass dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft vollendet sich in der Schwachheit“ (2. Korinther 12,9a). Andreas Gross Andreas und Rahel Gross leben seit Dezember 2009 in Japan. Sechs Jahre arbeiteten sie im Gemeindeaufbau in Ome. Seit 2020 ist Andreas Teamleiter für Japan und verantwortlich für die Anleitung neuer Missionare. Andreas und Rahel haben die Ausbildung am Theologischen Seminar der Liebenzeller Mission absolviert und waren zwei Jahre beim Liebenzeller Gemeinschaftsverband tätig. Sie haben vier Kinder. Rundbriefe und mehr: www.liebenzell.org/gross Eine große Gruppe ließ sich für den missionarischen Einsatz in Sakuragawa begeistern. 80 Gäste folgten der Einladung in die kleine Gemeinde. Das „Oktoberfest“ bot Musik, Essen und die Hoffnung bringende Nachricht von Jesus FOTOS: ANDREAS GROSS FUNDSTÜCK „Die Entdeckung Gottes liegt im Alltäglichen und Gewöhnlichen, nicht im Spektakulären und Heldenhaften.“ RICHARD J. FOSTER 1 Englisch, wörtlich: „süßer Punkt“. Damit bezeichnet man den Bereich, in dem etwas oder jemand seine optimale Wirkung entfalten kann.
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