MISSION weltweit – Ausgaben 2026

ZUM THEMA 8 JAPAN 1 Englisch, wörtlich: „süßer Punkt“. Damit bezeichnet man den Bereich, in dem etwas oder jemand seine optimale Wirkung entfalten kann. Ich stellte fest: Die Herausforderungen, den Glauben im Alltag zu leben und zu bezeugen, sind für mich als Missionar in Japan kaum anders als die meiner Zuhörer im Reisedienst – von sprachlichen und kulturellen Unterschieden abgesehen. Ein „missionarischer Lebensstil“ ist nicht nur Teil der Stellenbeschreibung eines Missionars, sondern Kennzeichen eines jeden, der Jesus leidenschaftlich nachfolgen möchte. Leidenschaftlich unterwegs – für Jesus Bei einer Kurzbibelschule wurde einmal die Frage gestellt: „Was ist Leidenschaft?“ Ein Jugendlicher antwortete: „Etwas, das mir Freude macht und kein Leiden schafft.“ Eine ehrliche Antwort – und doch greift sie zu kurz. Denn echte Leidenschaft hat mit Hingabe zu tun. Und Hingabe schließt Leidensbereitschaft ein. Wer leidenschaftlich liebt, gibt sich hin, leidet mit. Wer sich leidenschaftlich einsetzt, verlässt die Komfortzone. Das sehen wir in vielen Bereichen. Leidenschaft für Sport bedeutet nicht nur Spaß am Spiel, sondern tägliches Training, Erschöpfung, manchmal Schmerzen. Leidenschaft für Familie heißt nicht nur schöne Momente, sondern Verzichten und Dienen. Leidenschaft für Beruf oder Gemeinde zeigt sich nicht auf dem Lohnzettel oder in Anerkennung, sondern in der Bereitschaft, Verantwortung zu tragen – auch wenn es Kraft kostet. Leidenschaft, Berufung und Verantwortung decken sich nicht immer vollständig. Ich kann große Leidenschaft für Familie und Gemeinde haben, aber dennoch Verantwortung am Arbeitsplatz tragen müssen, der mir weniger liegt – oder umgekehrt. So konkurrieren unterschiedliche Bereiche im Alltag um Zeit und Kraft. Mir hilft hier der gute, wenn auch radikale, Ratschlag von Jesus als Schlüssel zu einer guten Balance: „Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen“ (Matthäus 6,33). Hätte sich Petrus an seinen „Sweet Spot“ gehalten, wäre er Fischer geblieben. Vor zwei Jahren war ich im Reisedienst in Deutschland unterwegs. Die Begegnungen waren sehr bereichernd und die Wertschätzung für die Arbeit sehr ermutigend. Dabei merkte ich, wie vertraut mir viele Fragen sind: Wie lebe ich meinen Glauben im Alltag? Wie halte ich meine geistliche Leidenschaft lebendig, ohne dass Familie, Gemeinde oder andere Verantwortung zu kurz kommen? Es muss nicht immer der „Sweet Spot“ sein FOTO: ISTOCK.COM/SEAN KUMA

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