MISSION weltweit 2/2026 SAMBIA 7 ZUM THEMA Ähnlich geht es mir mit dem Bibellesen. In meiner Vorstellung sitze ich – idealerweise mit einer warmen Tasse Kaffee in der Hand – entspannt in einem Sessel und trete bewusst in die Gegenwart Gottes. Ein heiliger Raum, in den man für eine Weile eintreten darf. Doch bevor ich mich darauf einlassen kann, will ich erst das Leben sortiert wissen: Die Betten müssen gemacht, das Frühstücksgeschirr gespült, die Wäsche aufgehängt, das Mittagessen vorbereitet, EMails beantwortet werden. Erst wenn das äußere Chaos unter Kontrolle ist, finde ich innerlich zur Ruhe. Leider ist es in der Realität sehr oft so, dass die Beseitigung des Alltagschaos viel Zeit in Anspruch nimmt. Für die Stille Zeit, der ich den ganzen Morgen romantisch entgegenfiebere, bleiben nur wenige Momente, bevor ich mich wieder aufmachen muss, um die Kinder von der Schule abzuholen. Wo begegne ich Jesus im Alltag? Der Autor John Mark Comer beschreibt in seinem Buch Leben vom Meister lernen, dass Nachfolge Jesu bedeutet, unser ganzes Leben auf drei Ziele auszurichten: mit Jesus zusammen zu sein, ihm ähnlich zu werden und so zu handeln, wie er gehandelt hat. Das geschieht nicht primär in einer idealisierten „Stillen Zeit“, einem separaten Zeitfenster im Tagesablauf, sondern in der Schlichtheit des Alltags. Genau dort, wo sich Wäsche und Geschirr stapeln, Kinder Hilfe bei den Hausaufgaben brauchen, eine einheimische Mitarbeiterin an die Tür klopft oder der Schlafmangel spürbar wird. Gerade dann möchte Gott Gemeinschaft mit uns haben und uns verändern. Der heilige Raum, in dem wir ihm begegnen dürfen, muss nicht erst mühsam geschaffen werden. Wer Jesus nachfolgt, weiß: Es ist der Raum, in dem wir uns ständig bewegen dürfen. Gott ist nicht darauf aus, dass wir Zeit für ihn „reservieren“. Er möchte unsere Gedanken und unser Sein ganz erfüllen – in jedem Augenblick, auch im Chaos und im profanen Alltag. Mit oder ohne Kaf fee. Debora Wagner Benjamin und Debora Wagner leben seit 2016 in Sambia und haben drei Kinder. Benjamin ist Bankkaufmann und hat Theologie in Bad Liebenzell studiert. Debora ist Rechtsanwaltsfachangestellte. Seit Sommer 2017 ist Benjamin verantwortlich für das sozialmissionarische Projekt „Hilfe zum Leben“ in Mushili. Debora arbeitet in der Frauenstunde, im Girls Club und bei der Betreuung der Schüler mit. Rundbriefe und mehr: www.liebenzell.org/wagner Das Projekt „Mushili – Hilfe zum Leben“ wird von einheimischen Mitarbeitern und Missionaren der Liebenzeller Mission verantwortet. Vor Ort kennt man es unter dem Namen „Dawn Trust Community Care“. Schwerpunkte sind die Arbeit unter Kindern und Jugendlichen und die Ausbildung in alternativem Feldbau, beispielsweise unter Verwendung von Kompost und Biokohle. Mushili liegt am Stadtrand von Ndola im Kupfergürtel Sambias. Die meisten der rund 80.000 Einwohner sind arm, ernähren sich einseitig und haben kaum Zukunftsperspektiven. Mehr: www.liebenzell.org/mushili Ich liebe Kaffee – schon immer! In Sambia gibt es sehr guten. Meistens trinke ich ihn aus einem To-go-Becher im Auto auf dem Weg zur Schule. Viel lieber würde ich meinen Kaffee jedoch in Ruhe aus einer schönen Tasse trinken, jeden Schluck genießen und im besten Fall nebenher eine gepflegte Unterhaltung führen. Doch der Alltag sieht oft anders aus. Der heilige Raum, in dem wir ihm begegnen dürfen, muss nicht erst mühsam geschaffen werden. Der heilige Raum FOTOS: BENJAMIN WAGNER Mit ihrer Freundin Florence trifft Debora sich regelmäßig zum gemeinsamen Bibellesen So viel Ruhe bei der Stillen Zeit hat Debora Wagner nicht jeden Tag
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