ZUM THEMA 6 ZENTRALASIEN Wie reagiert man in so einem Moment? Vielleicht denkst du: Für Missionare ist das einfach. Die haben das gelernt und werden dafür bezahlt! Ja, manche sind echte „Haudegen“ – Glaubenshelden, die scheinbar mühelos über Jesus reden. Aber die meisten, die ich kenne, sind normale Typen. Unsicher, was gerade richtig ist. Zögerlich, wenn es darum geht, Gottes Liebe sichtbar zu machen. Manchmal wollen sie lieber ihre Ruhe, als Jesus zu fragen, wie sie mit dem Taxifahrer ins Gespräch über den Glauben kommen. Enttäuschend ungeduldig mit ihren Mitmenschen. All das kann ich jedenfalls von mir sagen. Darum glaube ich: Für Missionare ist es genauso leicht oder schwer, missionarisch zu leben wie für jeden Jesusnachfolger. Jeder hat andere Begabungen und Vorlieben. Aber alle sind eingeladen, jeden Tag unter der Herrschaft von Jesus und aus seiner Vergebung zu leben. Genau da fängt missionarisches Leben für mich an: Mit dem Wunsch, dass durch mich sein Wille in meinem Umfeld geschieht und so sein Reich kommt. Wort und Tat gehören zusammen Je mehr ich mich nach diesem Ziel ausstrecke, um so natürlicher wird mein Leben missionarisch. Gott gebraucht meine Art, Beziehungen zu knüpfen. Ich tue mein Bestes, seine Werte zu leben. Daraus ergeben sich Möglichkeiten, über meinen Glauben zu sprechen. Und genau das fällt mir oft am schwersten. Besonders, wenn ich vermute, dass mein Gegenüber anders denkt. Dann rede ich lieber über das Wetter oder schimpfe über schlechte Straßen. Aber ich weiß: Im Reich Gottes gehören Wort und Tat zusammen. Ich muss mich entscheiden, den Mund aufzumachen – im Vertrauen, dass Gott mir beisteht. So auch im Gespräch mit dem Familienvater: Ich erzählte von meinem Glauben an Jesus. Er war besorgt, dass ich mich nicht Allahs Willen unterwerfe. Seine Überzeugungen drängten mich in die Enge. Hatte es Sinn, weiter zu diskutieren? Ich betete still um Leitung durch den Heiligen Geist. Plötzlich konnte ich wertschätzend zuhören, das Anliegen des Mannes verstehen und zugleich klar sagen, wo ich mit seiner Sicht nicht übereinstimmte – und was mir Jesus bedeutet, die menschgewordene Liebe Gottes. Wie gut, dass ich nicht überzeugen, sondern bezeugen muss! Ich kann fröhlich sagen, woran ich glaube, was Jesus in meinem Leben getan hat und wie groß Gottes Liebe für alle Menschen ist. Wenn Gott es schenkt, entsteht daraus mehr. Johannes lebt und arbeitet mit seiner Familie in Zentralasien. Gib mir die richtigen Worte Eine junge Familie kam mit einem Anliegen zu uns: Ihr Kind brauchte medizinische Hilfe. Wir fanden schnell eine Lösung, das Gespräch war freundlich. Beim Abschied sprach ich dem Kind gute Worte zu. Sofort murmelte der Vater eine arabische Formel gegen den „bösen Blick“1. „So verhindere ich, dass etwas Schlimmes passiert“, erklärte er. 1 In einigen Kulturen glaubt man, dass, besonders nachdem eine Person gelobt wurde, eine gesprochene Abwehr gegen den „bösen Blick“ nötig ist. Unter dem „bösen Blick“ versteht man dort eine Art Zauber, der aus Neid und Missgunst anderer Menschen entspringt und jemandem Schaden zufügen kann. Gesprächsgelegenheiten gibt es viele. Nutze ich sie auch? FOTO: ISTOCK.COM/ANASTASIJA VUJIC FOTO: PRIVAT
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