ZUM THEMA 4 SPANIEN Vor vielen Jahren besuchte eine Gruppe der Jüngerschaftsschule „Lebenstraum“ unsere Gemeinde und schenkte uns eine Grußkarte mit der Aufschrift „einfach da sein“. Diese Aufschrift habe ich mir zu Herzen genommen. Sie umschreibt kurz und innig meinen Alltag. Das „Einfach“ ist nicht immer leicht, aber das „Dasein“ dafür umso intensiver. Ich stelle alle Chats im Handy auf lautlos, um für die Kinder, andere Menschen oder meine Aufgaben ganz da zu sein. Das macht unseren Alltag nicht weniger chaotisch. Nach der Schule warten das Material der Deutschen Fernschule und die Hausaufgaben. Ich muss den Bedürfnissen der Kinder nachgehen, Zeit zum Spielen ermöglichen, den Haushalt auf Vordermann bringen und nebenher in Beziehungen und Gemeinde investieren. Natürlich herrscht dabei oft Chaos. Der Montag holt uns immer ein. Begegnungen auf dem Markt Doch montags ist Markt, und der hat etwas Besonderes an sich. Die Frau am Honigstand weiß schon, wie viele Bonbons ich kaufe. Am Olivenstand rufe ich mit einem Zwinkern: „Wie immer!“, und der Verkäufer weiß genau, welche Oliven meine Kinder lieben – die mit den sauren Gürkchen nämlich. Viele Jahre habe ich bei Paco* Obst gekauft, ein Vater, den wir aus der Schule kannten. Durch die montäglichen Marktbesuche bekam ich mit, wie frustriert Paco wegen seiner Arbeit war. Die Chefin missbrauchte seine Treue und ließ ihn unversichert und übermäßig lange arbeiten, und das als Spanier.1 Dies merkte Paco erst, als er einen Arbeitsunfall hatte und plötzlich keine Erstattung für die Krankheitsphase bekam. Gleichzeitig erkrankte seine Frau Rosamari* an Krebs und es folgte eine lange Therapie. Diese Situation belastete die Familie sehr, doch unsere Freundschaft wurde in dieser Zeit enger. Mittlerweile besuchen wir uns gegenseitig zu Hause, eine sehr untypische Sache hier in Spanien. Ich rede mit Rosamari oft über Jesus und über meinen Glauben. Unser Weihnachtsgottesdienst ist seit drei Jahren für sie zur Tradition geworden und letztes Jahr haben sie standesamtlich geheiratet mit der Aussage: „Eure Ehe hat uns dazu bewegt, Daniel und Rosita Suchalla wünschen sich, dass Spanier Jesus persönlich kennenlernen. Sie arbeiten seit 2015 in einer Gemeindeentwicklung in Spanien mit. Daniel hat an der Interkulturellen Theologischen Akademie in Bad Liebenzell studiert und leitet sowohl die Gemeinde in Benicarló als auch das Missionarsteam in Spanien. Rosita ist Gesundheits- und Krankenpflegerin. Die beiden haben vier Kinder. Rundbriefe und mehr: www.liebenzell.org/suchalla Alle Kinder sind im Bett. Gerade will ich anfangen zu schreiben, da werde ich von einem Ruf aus dem Kinderzimmer unterbrochen: „Mama, warum hat Herodes alle Kinder unter zwei Jahren töten lassen?“ – Den Begriff „Feierabend“ gibt es für Eltern nicht, das weiß jeder, der Kinder hat. Fieber sucht sich am liebsten unpassende Momente aus. Wichtige Fragen kommen meist an müden Abenden. *Namen geändert 1 Für Einwanderer, v. a. aus Südamerika, ist es nicht ungewöhnlich, zunächst einer illegalen Beschäftigung nachzugehen, bis sie ihre Aufenthaltsgenehmigung erhalten. Vor dem Schulstart geht es, wie in vielen Familien, besonders chaotisch zu Erst langjährige Freundinnen, jetzt auch Glaubensgeschwister: Rosita und Andrea (rechts) FOTO: ROSITA SUCHALLA FOTO: ROSITA SUCHALLA Einfach da sein!
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