MISSION weltweit – Ausgaben 2026

Dr. Reinmüller, was macht Ihnen bei Ihrer Aufgabe als Vorsitzender des Süddeutschen Gemeindeverbandes Freude und was sind die Herausforderungen? Im SV habe ich meinen Traumberuf und meine berufliche Erfüllung gefunden. Klar gibt es auch Aufgaben, die ich wie das Zahnweh mag. Aber das meiste macht mir Freude. Besonders gerne bin ich im SV-Land unterwegs. Wenn ich spät nachts von einer Sitzung aus einer Gemeinde zurückkomme, der Gemeindekonflikt behoben ist oder die Gemeinde besser dasteht als zuvor, dann macht mich das extrem glücklich. Aber: Überall, wo es Konflikte gibt, landet es bei mir. Und das sind in einem Verband, in dem Haupt- und Ehrenamtliche mit starker Berufung leidenschaftlich arbeiten, nicht wenige. Dafür bin ich da. Es braucht jemanden, der hilft, diese Aufgaben zu lösen. Dazu kommt eine langfristige Herausforderung: Wie müssen wir einen Gemeinschaftsverband aufstellen, damit auch in Zukunft Menschen zum Glauben kommen und im Glauben beheimatet bleiben? Sie haben sich damit auseinandergesetzt, wie Kirche Aufbrüche fördern kann. Was ist Ihnen dabei wichtig geworden? Innerhalb der Gemeinschaftsbewegung schaut man oft kritisch, zuweilen ablehnend auf landeskirchliche Gemeinden. Doch innerhalb der Landeskirche gibt es viele geistlich fundierte Aufbrüche und lebendige Gemeinden, die mit viel DR. JOHANNESREINMÜLLER studierte evangelische Theologie in Tübingen, Heidelberg und Wien, absolvierte sein Vikariat in der Ev. Landeskirche in Württemberg und war anschließend Pfarrer zur Anstellung beim Amt für Missionarische Dienste. Nach der Promotion an der Universität Wien war er neun Jahre lang Gemeindepfarrer in Ingelfingen, danach Beauftragter für Innovatives Handeln und Neue Aufbrüche in der Ev. Landeskirche in Württemberg und Referent beim Dekan in Backnang. Seit 2023 ist er Vorsitzender des Süddeutschen Gemeinschaftsverbandes (SV). Er ist verheiratet und hat drei Kinder. Mut, Leidenschaft und Gebet neue Aufbrüche wagen. Gleichzeitig plagte mich die Erkenntnis, dass ein landeskirchliches System, das sich durch Kirchensteuern finanziert und Dienstwege einhält, nicht in der Lage ist, neue Formen von Kirche nachhaltig zu implementieren. Das ist ein tragischer Befund. Umso wichtiger ist es, dass wir als Gemeinschaftsverbände nach innovativen Formen in Gemeinden und Gemeinschaften suchen, sie zu erproben und unsere Haupt- und Ehrenamtlichen ermutigen, ja sogar drängen, Neues auszuprobieren. Nur was sich ändert, hat Bestand. Deshalb ist mir wichtig, dass wir als SV strukturell nicht zu sehr verkirchlichen und unseren Platz als geistlicher Innovator finden. Was verbinden Sie mit Mission vor der Haustür? Häufig wird sie als Aufgabe missverstanden, Konzepte aufzustellen, Organigramme zu erarbeiten, einen jungen Hauptamtlichen anzustellen und auf ihn alle Hoffnungen zu setzen (die er niemals erfüllen kann). Aber Mission vor der Haustür bedeutet zuerst: weniger Professionalisierung, mehr Mut, sich selbst in die Pflicht zu nehmen und zu fragen: Wie oft habe ich Menschen zum Gottesdienst eingeladen, sie animiert, in eine Gemeindegruppe zu kommen, für sie gebetet oder ohne Peinlichkeit, aber mit viel Bekennermut, ein Zeugnis abgelegt? Umfragen ergeben: Menschen kommen eher nicht zum Glauben, weil es Programme oder Konzepte gibt, sondern weil ein Mensch im persönlichen Umfeld den Mut hatte, einzuladen, zu beten und mit dem Glauben – nicht übergriffig, aber verbindlich – zu konfrontieren. Das ist für mich Mission vor der Haustür. Die Fragen stellte Katharina Gottschalk, Redakteurin Mission weltweit Bekennen ohne Peinlichkeit FOTO: PRIVAT

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