26 ABSOLVENTEN IM BERUF Die FrauenHilfe Freudenstadt ist eine Beratungsstelle für Frauen, die Gewalt – körperlich oder psychisch – erleben oder befürchten. Der kleine Verein wurde 2007 von elf Ehrenamtlichen gegründet, weil es im Landkreis keinerlei Angebot für Betroffene gab. Inzwischen ist daraus eine Fachberatungs- und Interventionsstelle geworden, die eng mit der Polizei kooperiert. Deutschlandweit kann man sich kostenfrei und anonym am Hilfetelefon beraten lassen: 116 016. Wir schenken ihnen Glauben Dass sie einmal in diesem Bereich arbeiten würde, war im Studium noch nicht klar. Ihren Bachelor in Theologie und Pädagogik im interkulturellen Kontext schloss sie 2024 ab. Themen wie Menschenhandel und sexueller Missbrauch beschäftigen Lisa schon länger, „aber Frauenberatung hatte ich zunächst nicht auf dem Schirm. Mit der Zeit habe ich ein besonderes Herz für Frauen entwickelt, die Missbrauch erleben mussten.“ Im Zentrum ihrer Arbeit steht das Gespräch. „Wir glauben den Frauen ihre Geschichten“, betont Lisa. Für viele sei das eine neue Erfahrung. Gemeinsam werden Schritte erwogen – entscheiden müssen die Betroffenen selbst. Die Schicksale sind unterschiedlich. Manche erleben seit Jahrzehnten Gewalt, andeGleichzeitig fehlen ausreichend Hilfsangebote. Männer sind ebenfalls von Gewalt betroffen, suchen aber aus Scham noch seltener Unterstützung. Auch in christlichen Ehen kommt Gewalt vor. Begriffe wie „Unterordnung“ und „Gehilfin“ würden teils missverstanden. „Dabei wird das hebräische Wort für Gehilfin (‘ezer רֶזֵע ) in der Bibel auch für den Heiligen Geist als Helfer Gottes verwendet. Und die Unterordnung der Frau wird mit der Aufforderung an den Mann verknüpft, seine Frau so zu lieben, wie Christus die Gemeinde geliebt hat.“ (Epheser 5,25) Lisa sieht sich von Gott an ihren Arbeitsplatz gestellt: „Der Gott der Bibel ist ein Gott der Gerechtigkeit, und es bricht ihm das Herz, wenn eine seiner Töchter schlecht behandelt wird.“ Daraus schöpft sie Hoffnung – auf eine Gerechtigkeit, die über menschliche Grenzen hinausgeht. Lisas Rat an Betroffene ist klar: „Holt euch Hilfe.“ Gerade frühes Handeln kann neue Wege eröffnen. Und an das Umfeld appelliert sie, nicht wegzusehen: Betroffene bräuchten offene Türen statt Vorwürfe. „Lasst nicht zu, dass eure Lieben isoliert werden.“ Katharina Gottschalk, Redaktion Mission weltweit Jede dritte Frau in Deutschland erlebt körperliche oder sexualisierte Gewalt, jede vierte durch den Partner. Nur wenige holen sich Hilfe. IHL-Absolventin Lisa Wahl berät bei der FrauenHilfe Freudenstadt Betroffene, die diesen Schritt wagen. re erst seit wenigen Monaten. Die Täter sind meist die eigenen Partner. „Es passiert so gut wie nie, dass Frauen nach ein paar Vorfällen gehen.“ Viele kehren sogar zurück, obwohl sie bereits Hilfe gesucht haben. Übt der Partner Gewalt aus, entsteht eine komplexe Mischung aus Abhängigkeit, Angst und emotionaler Bindung. Besonders schwierig wird es, wenn Kinder im Spiel sind – bei etwa 80 Prozent der Fälle ist das so. Sie werden in Konflikte hineingezogen und tragen oft selbst langfristige Schäden davon. „Gewalt zwischen Partnern betrifft immer auch die Kinder“, sagt Lisa. In dieser Not zu helfen, ist nicht leicht. Nur wenige Fälle werden angezeigt, viele Verfahren scheitern an mangelnden Beweisen. VALERIYGONCHARUKPHOTO ÜBER ENVATO ELEMENTS
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