Armin, du hast dich dein ganzes berufliches Leben für junge Menschen eingesetzt. Was ist eine große Stärke der jungen Generation – und was fordert dich heraus? Ich erlebe junge Menschen als sehr wach für Echtheit. Sie merken schnell, ob Verantwortung glaubwürdig gelebt wird. Sie wollen beteiligt werden und Sinn verstehen. Das begeistert mich. Herausfordernd ist für mich ihre oft geringere Geduld mit gewachsenen Strukturen, weil sie Dinge hinterfragen, die für meine Generation häufig selbstverständlich waren. Das hilft mir jedoch, neu zu durchdenken, was wirklich trägt – auch in unseren Strukturen und Formen. Das Thema dieser Ausgabe ist „Mission und Toleranz“. Was sind für dich Eckpfeiler der Mission? Mission beginnt für mich mit Zuhören und Beziehung. Wer missionarisch lebt, nimmt Menschen ernst, begegnet ihnen ohne Vereinnahmung und rechnet damit, dass Gott selbst wirkt. In der EC-Arbeit habe ich gelernt: Zuhören kommt vor Reden. Gleichzeitig braucht Mission eine eigene geistliche Verortung, einen persönlichen Glaubensstandpunkt, der mit der Offenheit verbunden ist, dass andere ihn anders leben und dennoch verbindlich mit Jesus unterwegs sein können. Gibt es aus deiner Sicht auch falsch verstandene Toleranz? Ja. Toleranz wird dort schwierig, wo sie bedeutet, keine eigene Haltung mehr zu haben ARMIN HASSLER studierte am Theologischen Seminar der Liebenzeller Mission und war viele Jahre für den Südwestdeutschen EC-Verband im Einsatz, zunächst als Jugendreferent und Landesjugendreferent, dann zwölf Jahre lang als Geschäftsführer. Seit 2023 ist er Leiter für Landesverbandsentwicklung beim gesamtdeutschen EC-Verband. Seine Frau Damaris und er haben drei Kinder. oder Überzeugungen nicht mehr benennen zu dürfen. In meiner Leitungsarbeit erlebe ich, dass Unterschiedlichkeit aushalten und Orientierung geben kein Widerspruch ist. Menschen ernst zu nehmen, heißt für mich: offen bleiben für andere Sichtweisen – und zugleich klar sagen können, wofür ich stehe. Du bist Teil des Aufsichtsrats der Liebenzeller Mission. Warum gibt es euch – und was ist eure Aufgabe? Der Aufsichtsrat begleitet und verantwortet gemeinsam mit der Missionsleitung die langfristige Ausrichtung der Liebenzeller Mission. Wir beraten in strategischen Fragen, behalten die finanziellen Rahmenbedingungen im Blick und sorgen mit einem bewussten Blick von außen dafür, dass Leitung und Strukturen gut weiterentwickelt werden. Dabei geht es nicht um operative Mitarbeit oder Kontrolle, sondern um verantwortliches Mitdenken, Mittragen und Mitentscheiden – mit Blick auf Auftrag, Menschen und die Zukunft des Werkes. Du engagierst dich dort ehrenamtlich. Warum? Die Liebenzeller Mission hat meinen eigenen Weg stark geprägt. Viele Menschen, die ich kenne, sind mit ihr weltweit im Einsatz. Zu erleben, mit welchem Engagement sie an ganz unterschiedlichen Orten unterwegs sind, hat mich immer wieder beeindruckt. Im EC versuchen wir, diesen einfachen Grundsatz weiterzugeben: Segen empfangen – und Segen weitergeben. Verantwortung zu übernehmen, gehört für mich genau dazu. Wenn ich selbst von dieser Arbeit profitiert habe, warum sollte ich mich dann nicht einbringen? Die Fragen stellte Christoph Kiess, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit Zuhören kommt vor Reden FOTO: MARTIN HAUG
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