MISSION weltweit – Ausgaben 2015

11 MISSIoN weltweit 3–4/2015 Die unsichtbare Welt im alltäglichen Leben: Die Verwandten machen einer Witwe das Leben schwer: Sie soll ihren Schwager heiraten, damit das Erbe in der familie des bruders bleibt. unter anderem wird ein Loch in das Grab ihres Mannes gegraben. Ihr wird gesagt, dass das der Geist des Verstorbenen getan habe. Er würde sie von nun an verfolgen – wenn sie nicht ihren Schwager heiratet. Die Witwe braucht viel Ermuti- gung durch pastor chabu und die gläubigen frauen, die sie ab und an besuchen. Berichtet von Hans-Peter Hertler aus Mpika SAMbIA DARuM GEHT’S weise oder Lebenseinstellung, die durch ein Buch vorgegeben wird. Religion ist eine Lebensweise in sich, in der es keine Trennung zwischen Re- ligion und anderen Bereichen der menschlichen Existenz gibt. Wenn jemand von Offenbarung oder Inspiration redet, handelt es sich nicht um etwas aus einem Buch. Auch nicht um etwas, das durch mündliche Überlieferung weitergegeben wurde. Es geht um das Leben des Einzelnen.” Somit kann man Animismus als eine Art „All- inclusive-Religion” bezeichnen, die alles um- fasst: Geschichte, Wissenschaft, Realität, Glaube und die unsichtbare Welt. Es wird nicht getrennt zwischen Wissenschaft und Religion, zwischen beweisbar und nicht beweisbar. Die Welt ist im Wesentlichen spirituell statt materiell. Deshalb ist jegliche Trennung zwischen Religion und Säkularem zwecklos. Was immer in der realen Welt passiert, hat seine direkten spirituellen Ver- bindungen zur unsichtbaren Welt. Das gesamte Universum ist durch den Willen und die Macht, die in lebenden und nicht lebenden Objekten vorhanden ist, verbunden. Alles ist mit dem Spi- rituellen verflochten: was man ist, plant, tut; Re- ligion, Kultur und alltägliches Leben. Kontaktpunkt zwischen den Lebenden und der unsichtbaren Welt sind die Seelen (Geister) der Verstorbenen. Von daher ist eine konkrete Ver- bindung mit Gott in der afrikanischen Spirituali- tät nicht alltäglich. Aber von allergrößter Wich- tigkeit ist die positive Verbindung zu und mit den Geistern der Vorfahren. Sie sind wichtiger als irgendeine andere Macht. Sie beschützen, kri- tisieren und bestrafen. Sie sind die „Wachhunde” in Sachen Moral für das Individuum, die Familie, die Gruppe und die gesamte Gesellschaft. Deshalb spielt die Verbindung zu und mit den Kräften und Mächten der Totengeister eine wich- tige Rolle im gesamten Leben. Die unsichtbare Welt hat die Rolle und den Stellenwert, den in unserer westlichen Welt die reale Welt hat. Lehre und Logik können nicht überzeugen Es hat wenig Sinn, Vertreter der animistischen Weltanschauung mit Glaubenslehre, logischen Argumenten oder Diskussionen überzeugen zu wollen. Denn es geht in ihrer Weltanschauung nicht umTheorien oder Dogmen, sondern schlicht und einfach um die Kraft und Macht, die für den persönlichen Nutzen angezapft werden kann. Diese Tatsache ist eine extreme Herausforderung für westliche Missionare! Sie denken logisch und ignorieren oft das „Unlogische” der Stammesre- ligionen mit ihren Ursachen in der Geisterwelt und den Wirkungen in der realen Welt. Unsere moderne/postmoderne westliche Weltanschau- ung ist von der materiellen Welt sehr abhängig und das beeinflusst unsere Werte und Aktivitä- ten. Vertreter einer Weltanschauung, die der spi- rituellen Welt Raum gibt, haben andere Werte. Wenn beide Seiten miteinander leben oder arbei- ten, überschneiden sich Lebensphilosophien. Als Christen westlicher Prägung glauben wir an die unsichtbare, spirituelle Welt, von der die Bibel spricht. Trotzdem wenden wir in unserem Leben die biblischen Tatsachen oft nur theore- tisch an. Für uns ist es ungewohnt, die unsichtba- re Welt in die tägliche Arbeit und das Leben ein- zubeziehen, weil wir in Schule und Ausbildung eine lineare, rationale und logische Denkweise vermittelt bekamen. Das macht uns blind für die Verbindungen zwischen der spirituellen (un- sichtbaren) und realen (sichtbaren) Welt. Wir ak- zeptieren die spirituelle Welt oft nur in unserem Glaubensleben, im Alltag dagegen verneinen wir ihre Existenz. Ein gelebter Widerspruch! Um die Frohe Botschaft von Jesus Christus effek- tiv in andere Kulturen zu bringen, muss es vor allem um den Herrschaftsanspruch Jesu und die Machtverhältnisse mit ihren Auswirkungen ge- hen. Um Wahrheiten wie Kolosser 2,9–15 oder Philipper 2,1–11. Verse, in denen es um die Macht und Kraft Jesu geht! Michael Pflaum ● Michael und Bärbel Pflaum leben seit 1986 in Sambia, ihre vier erwachsenen Kinder in den uSA. bärbel ist als Missionars- kind in Japan aufgewachsen und Kinderkrankenschwester. Michael ist Werkzeugmacher und war zur Ausbildung am Theologischen Seminar der Liebenzeller Mission. Zu ihren Aufgaben in Sambia gehörte die filmevangelisation, Literatur- verbreitung, Teamleitung und der Aufbau der Amano-Schule. Heute leitet Michael die Schule und die Stiftung, die die Schule trägt. bärbel ist in der Schul- küche, beim Einkauf und als un- terrichtsassistentin engagiert. fotos: michaeL PfLaum, martin kocher es hat wenig sinn, Vertreter der animistischen Weltanschauung mit glaubens- lehre, logischen argumenten oder diskussionen überzeugen zu wollen. denn es geht in ihrer Weltanschauung nicht um theorien oder dogmen, sondern schlicht und einfach um die kraft und macht, die für den persönlichen nutzen angezapft werden kann.

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