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Sambia

Seit zwei Jahrzehnten in Afrika - Michael und Bärbel Pflaum

SAMBIA. Das Land im südlichen Afrika fasziniert: rötliche Erde, meterhohe Ameisenhügel, reiche Kupfervorkommen, die 122 Meter hohen Victoriafälle. Aber auch das ist Sambia: Hunderttausende der rund 10 Millionen Einwohner tragen den HI-Virus wie eine tickende Zeitbombe in sich oder sind schon an Aids erkrankt. 1985 reisten erstmals Liebenzeller Missionare nach Sambia aus. Unsere dienstältesten Mitarbeiter in Afrika geben Einblicke in zwei Jahrzehnte Missionsarbeit.

"Als wir 1986 afrikanischen Boden betraten, wurden wir nach Kasama in die Nordprovinz entsandt, wo wir 850 Kilometer entfernt von den anderen fünf LM-Missionaren mit Gemeindegründung beginnen sollten. Unsere sambische Partnerkirche hatte damals knapp 30 Gemeinden, aber vorwiegend in den Minenstädten im Kupfergürtel.

Sambia, das frühere Nordrhodesien, galt lange als Perle der britischen Kolonialmacht in Afrika. Doch nach der Unabhängigkeit im Oktober 1964 schlitterte das Land unter Präsident Kaunda in eine sozialistische „Einparteienpartizipationsdemokratie“, die zu einer handfesten Diktatur wurde. Enge Beziehungen in den Ostblock und nach China gaben die nötige Rückendeckung. Die Folge: Misswirtschaft und Korruption zerstörten die relativ gesunde Wirtschaft. Außerdem beschleunigte der sinkende Kupferpreis den wirtschaftlichen Absturz. So fand sich Sambia nach 20 Jahren Unabhängigkeit auf der Liste der armen Länder der Welt wieder.

Die Infrastruktur, Schulen und die medizinische Versorgung waren unter dem Sozialismus zusammengebrochen. Wir erinnern uns noch gut an die langen Warteschlangen vor den staatseigenen Läden. Um Zucker, Öl oder Mehl zu bekommen, mussten wir manchmal stundenlang anstehen.

Auf diesem Hintergrund war es wichtig, nicht nur Gemeindearbeit zu tun, sondern auch soziale und medizinische Projekte aufzubauen. Diese sind zwar personalintensiv, bieten aber große Möglichkeiten, das Evangelium Menschen weiterzusagen, die in diese Einrichtungen kommen.

Das Ziel bleibt, Akzente verschieben sich


In der klassischen Missionsarbeit (Gemeindearbeit, Jugendarbeit, Evangelisation) arbeiten zurzeit nur zwei Missionarsfamilien in Voll-, zwei weitere in Teilzeit. In den vergangenen beiden Jahrzehnten sind viele Aufgaben hinzugekommen: theologische Ausbildung, medizinische Arbeit, Hilfe für Aidsbetroffene, schulische Ausbildung für Missionarskinder und Aidswaisen. Äußerlich hat sich der Akzent verschoben, doch der Auftrag aus Matthäus 28,18–20 bleibt unser vordringlichstes Anliegen.

Seit einigen Jahren gibt es mehrere dringende Anfragen nach „klassischen“ Missionaren für den Gemeindeaufbau, die Arbeit unter Kindern, Jugendlichen und Frauen. Leider stehen dafür zu wenig Mitarbeiter zur Verfügung, auch wenn wir mit 31 Missionaren ein großes Team in Sambia haben.

Riesiges Interesse am Jesus-Film


Unser „Job“ in der Bereichsleitung bringt Verantwortung für die Administration, die Betreuung der Projekte, viele Sitzungen, Kontakte mit Kirchen und Behörden, die Begleitung der Missionare und Kurzzeitmitarbeiter und vieles andere mit sich. So sind uns eine Gemeindegründung oder ein Gemeindeaufbau wie in den ersten vier Jahre in Kasama nicht mehr möglich. Das kann man nur in Vollzeit tun. Aber relativ oft wird Michael sonntags zu Predigtdiensten eingeladen oder als Redner zu einer Konferenz. Und Evangelisation ist nach wie vor seine Berufung. In den mehr als 20 Jahren konnten Hunderttausende durch Evangelisationen mit dem Jesus-Film erreicht werden. Dadurch sind zwölf Gemeinden entstanden, andere Gemeinden wurden angespornt, evangelistisch zu arbeiten und sind gewachsen. Mehr als 8 000 Menschen haben bei den Evangelisationen öffentlich bekannt, künftig mit Jesus Christus als ihrem Herrn leben zu wollen.

Viele Kulturen und Herausforderungen


Seit einem Jahr gehört eine ungarische und eine amerikanische Missionarin zum Team der LM in Sambia. An der Amano-Schule arbeiten Sambier, Engländer, Iren, Schotten, Kanadier und Deutsche zusammen. Weil wir mit unserer einheimischen Partnerkirche schon immer in einem multikulturellen Team arbeiten, sind diese Umstände nicht ungewohnt. Natürlich gibt es oft Reibungspunkte, weil vor allem die deutsche und die sambische Kultur Welten auseinander liegen. Alle Seiten müssen lernen, mit dem Gegenüber zurechtzukommen, besonders wir als Gäste. Es ist eine echte Herausforderung, aber auch eine riesige Chance, sich aus festgefahrenen kulturellen Gepflogenheiten zu lösen und interkulturell zu agieren. Sprachlich klappt es, wenn man sich an die Sprache der Engel hält: Eng(e)lisch.

Die größte Herausforderung für Sambia ist die HIV/Aids-Pandemie. Die durchschnittliche Lebenserwartung ist inzwischen von 54 auf 36 Jahre gesunken. Die zweite große Herausforderung für Sambia und viele andere afrikanische Länder besteht darin, selbstständiger zu werden und unabhängiger von den reichen Industrieländern. Bis heute werden viele Drittweltländer schamlos ausgenutzt. Rohstoffe und landwirtschaftliche Güter werden zu Schleuderpreisen aufgekauft; das große Geld wird aber im reichen Westen verdient. Afrika wurde zur Mülldeponie degradiert: alte Kleider, abgefahrene Reifen, ausrangierte Computer und vieles mehr wird „großzügig“ an die armen Schwarzen weitergegeben.

Für Missionare besteht die größte Herausforderung darin, das Wort Gottes so zu verkündigen, dass es neues Leben weckt und dass es unsere afrikanischen Zuhörer in ihren Kontext übertragen können. Eine biblische afrikanische Gemeinde soll gebaut werden, die nicht von europäischen christlichen Traditionen und Ansichten geprägt ist, sondern ihren Weg im Gehorsam zu Gottes Wort und unter der Leitung des Heiligen Geistes geht."

 

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