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Ecuador

Vom Totschläger zum Ratgeber

Paulino gehört zu dem etwa 5 000 Mitglieder zählenden Stamm der Awa-Indianer in Ecuador. Er ist der erste dieser Volksgruppe, der Christ wurde. Früher hat er ganz anders gelebt. Übermäßiger Alkoholkonsum und gelegentliche Rangeleien waren Teil seines Lebens.

 

Alles wurde anders, als er alkoholisiert im Alter von etwa 18 Jahren einen anderen Awa bei einer Schlägerei mit einer Machete tödlich verletzte. Verzweiflung und Angst ließen ihn nicht zur Ruhe kommen. Eines Tages erfuhr Paulino von einem anderen Indianer, dass ein Missionar im entlegenen Ort Lita von der vergebenden Liebe Gottes erzählt habe. Sofort machte sich Paulino auf den Weg. Nach acht Stunden Marsch durch den Dschungel erreichte er Lita. Doch leider war George Hege, ein von der Liebenzeller Mission USA ausgesandter Pioniermissionar, bereits weitergezogen.

 

Paulino wartete zwei Wochen auf seine Rückkehr. Dann war George Hege wieder in Lita und erklärte Paulino, dass Gott seinen Sohn Jesus in die Welt gesandt hat, um alle Schuld zu vergeben und ein neues Leben zu ermöglichen. Das berührte das Herz von Paulino so sehr, dass er noch am gleichen Tag sein Leben Gott anvertraute. Jetzt ist Paulino Familienvater und eine respektierte Persönlichkeit in seinem Stamm. Er übernimmt gerne Verantwortung und gilt in der wachsenden Gruppe gläubiger Awa-Indianer als Vorbild. Er hat den unter den Awa tätigen Pioniermissionaren der Liebenzeller Mission ein Grundstück als Bauland zur Verfügung gestellt. Dort wird jetzt jeden Sonntag Gottesdienst gefeiert. Mittlerweile gibt es eine kleine christliche Gemeinde mit leitenden Ältesten, die auch schon mithelfen, Gottes Wort zu verkündigen.

 

Rainer und Katharina Kröger

 

 

Schöner als laufen können!

Wieder auf eigenen Füßen stehen und laufen können, das war der größte Lebenstraum von América. Zusammen mit ihrer Tochter lebt sie in einem kleinen Dorf in einem idyllischen Andental. Durch gelegentliche Näharbeiten und den Verkauf von Bohnen hat sie geringe Einkünfte. América hat in ihrem Leben schon viel gelitten: Seit einer Polioerkrankung in ihrer Kindheit ist die Frau mit dem imposanten Vornamen gelähmt.

Vor einigen Jahren wurden sie und ihre Tochter vom Mann und Vater verlassen. Nachbarn haben sie schon oft betrogen, wenn es darum ging, die Näharbeiten zu bezahlen. Weil sie auf das Geld angewiesen war, schluckte sie diese üble Behandlung. Doch die häufigen Enttäuschungen machten sie im Herzen bitter. Ihr Leben war oft ein Kampf ums Überleben.

Traurig erzählt sie manchmal auch davon, wie diskriminierend einige Landsleute sie behandeln: Manche haben ihren Ekel ihr gegenüber ausgedrückt und wollten sie nicht berühren aus Angst vor Ansteckung. Auf dem Weg in die Stadt wurde sie einige Male im öffentlichen Bus von ihrem Sitzplatz gejagt. Die Leute wollten nicht neben ihr sitzen oder behaupteten frech, das sei nicht ihr Platz. Gedemütigt und verletzt musste sie im Mittelgang durch den Bus kriechen und einen anderen Platz suchen.

Wir sind seit drei Jahren mit América befreundet. Oft haben wir sie besucht und ihr und der Tochter durch praktische Hilfe unter die Arme gegriffen. Im Herbst 2010 zeigte sie Interesse, gemeinsam mit uns die Bibel zu lesen. Schon nach vier Wochen war für sie klar: Ich möchte mein Leben in Gottes Hand legen und Jesus nachfolgen. Ein einfaches Gebet besiegelte diesen Neuanfang in ihrem Leben. Seitdem kann América davon erzählen, wie gut Gott zu ihr ist. Einmal sagte sie: „Ich bin jetzt nicht mehr zornig auf meine Nachbarn. Gott wird mich versorgen.“ Dabei strahlt sie Frieden und Freude aus. Seit einigen Monaten bekommt sie sogar etwas Sozialhilfe von der Regierung, und eine Kinderpatenschaft der Liebenzeller Mission für ihre Tochter macht das Leben auch etwas leichter.

Als América im Bibelkreis in ihrem Häuschen darüber nachdachte, wie gut es ihr jetzt geht, sagte sie nach sorgfältigem Abwägen: „Das Schönste für mich ist, dass Gott mir ein neues Herz geschenkt hat. Das ist viel schöner als laufen zu können!“ Um von dieser Freude weiterzusagen, begann sie eine Jungschar in ihrem Haus. Dadurch sind bereits einige Kinder zum Glauben an Jesus gekommen!

Rainer und Katharina Kröger

Alles an den Nagel hängen?

Manuel wohnt in Salinas und kommt regelmäßig in den Jugendkreis. Er hilft auch schon im Kinderclub mit. Zu Hause hat er es ziemlich schwer. Zusammen mit sechs Geschwistern und seiner Mutter lebt er in einem etwa 30 Quadratmeter kleinen Haus.

 

Unter Manuels Bett stand noch jahrelang der leere Geschenkkarton von „Weihnachten im Schuhkarton“, den er bei einer Aktion in seinem Dorf von uns erhalten hatte. Es war das schönste Geschenk, das er jemals bekommen hatte!

 

Für Manuel brach eine Welt zusammen, als sein Vater im Januar 2011 zu einer anderen Frau zog und seine Familie verließ. Manuel hatte sich mit ihm immer gut verstanden. Jetzt war der Vater weg, einfach so. Das war für Manuel ein unsagbar schwerer Schlag. Plötzlich war alles ganz anders. Der Vater gab seiner Familie kein Geld und Manuel musste mehr Verantwortung übernehmen. Wir haben die Familie gerade auch in dieser schweren Zeit oft besucht und sie finanziell unterstützt, damit das Nötigste zum Essen vorhanden war und zumindest die Stromrechnungen beglichen werden konnten.

 

Weil wir auch die geistliche Not der Familie sahen, begannen wir, einen Glaubenskurs im Haus von Manuels Mutter zu unterrichten. Meistens saß Manuel scheinbar teilnahmslos dabei. Doch der Schein trog. Nachdem der Glaubenskurs zu Ende war, sagte Manuel: „Ich wollte den Glauben an den Nagel hängen und nicht mehr in die Gemeinde kommen, weil alles so schwer und unbegreiflich für mich war. Doch der Glaubenskurs in unserem Haus hat mir geholfen, wieder neu glauben zu können und den Weg mit Jesus weiterzugehen.“ Auch seine Mutter besucht jetzt den Gottesdienst.

 

Nicht nur geistlich konnten wir Manuel helfen. Eine Kinderpatenschaft sorgt dafür, dass er weiterhin zur Schule gehen kann.

 

Rainer und Katharina Kröger