Christen stellen sich geistlichen, politischen und gesellschaftlichen Themen – Viele Teilnehmer bei Kongress für junge Erwachsene in Bad Liebenzell
BAD LIEBENZELL. Rund 550 Besucher kamen vergangenen Samstag zu dem Kongress „eXchange – Jugendarbeit trifft Weltmission“ nach Bad Liebenzell in den Nordschwarzwald. Die Veranstaltung für junge Erwachsene sei eine Plattform für den Austausch (englisch „exchange“), zwischen lokaler Jugendarbeit und Weltmission, so Joachim Jenny, Leiter des Fachbereichs Jugend und Mission bei der Liebenzeller Mission und Organisator des Kongresses. Der Theologe und Musiker Klaus Göttler sprach am Vormittag über das Thema „Anbetung“. Viele Christen verbänden damit vor allem, Gott in Liedern zu loben. Doch diese Vorstellung greife zu kurz. „Anbetung ist mehr als Musik – Musik ist nur eine Ausdrucksform der Anbetung“, so versuchte Göttler den Begriff zu erweitern. „Anbetung ist etwas, das von innen heraus geschieht und dann im Äußeren Ausdruck findet.“ Besonders in schwierigen Situationen, könne die Anbetung und das Lob Gottes einen Perspektivenwechsel bewirken und so Glauben stärken und ermutigen. „Anbetung geschieht angesichts der Realität, nicht abseits von ihr.“
Im Nachmittagsprogramm wurden verschiedene Seminare angeboten, die sich teilweise auf das Thema Anbetung bezogen, aber auch weitere Themen aus der christlichen Jugendarbeit sowie der Weltmission aufgriffen. Darüber hinaus diskutierten die Teilnehmer gesellschaftliche Themen, wie die Chancen und Möglichkeiten einer Singlegesellschaft und ethische Aspekte unseres Lebensmittelkonsums.
Tagesaktuelle Themen kamen vor allem spätnachmittags in zwei Foren zur Sprache. Verschiedene Gesprächsgäste, die meist auch in betroffenen Regionen leben und arbeiten, stellten sich den Fragen der Moderatoren und auch der Besucher. So wurde im Forum „Ägypten, Libyen, Syrien – Umbrüche in der arabischen Welt“ über Chancen und Gefahren dieser politischen Veränderungen gesprochen. Adnan Al-Masoud, der in Syrien geboren und aufgewachsen ist, äußerte seine Überraschung über die Revolutionen und die Tatsache, dass Menschen sich öffentlich gegen die Regierung wendeten, da dies eigentlich nicht der arabischen Mentalität entspräche. Er forderte aber seine Gesprächspartner auf, in dieser Situation eine Chance zu sehen und keine Angst vor dem Umbruch zu haben.
Im Forum „Naturkatastrophen, Nukleare Bedrohung, Gewalt – Wie uns Katastrophen als Christen herausfordern“ berichtete Jürgen Schuster, Professor für Interkulturelle Theologie an der Internationalen Hochschule Liebenzell, von einem Hilfseinsatz in Japan in diesem Jahr und gab zahlreiche Einblicke in die praktische und emotionale Bewältigung von Katastrophen. Immer wieder kam in der Runde auch zur Sprache, dass Christen eine besondere Verantwortung trügen, sich für die Linderung der Not anderer einzusetzen. „Wir müssen die Not sehen und helfen und nicht wegsehen“, so Wolfgang Stauß, Missionar in Bangladesch, das häufig von Überschwemmungen heimgesucht wird.
Ein weiteres Kurzreferat von Klaus Göttler, kabarettistische Einlagen von Sebastian Hacke, Musik von Andi Volz und seiner Band und verschiedene Talkgäste, wie eine taiwanesische Studentin, formten ein abwechslungsreiches Abendprogramm. Im Anschluss hatten die jungen Christen noch bis spät in die Nacht Gelegenheit, mit der Band zu singen, der Lebensgeschichte des früheren Missionsdirektors Ernst Vatter zuzuhören oder den Tag gemütlich in der Coffeebar bei Cappuccino, Snacks und Gesprächen ausklingen zu lassen.
Für nächstes Jahr planen die Liebenzeller Mission und der Süddeutsche und Südwestdeutsche Jugendverband „Entschieden für Christus“ (EC) den dann bereits vierten Kongress „eXchange“.







